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Notizen/Deutsch/D 11 - Medien, Medienkritik, digitale Mündigkeit
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D 11 - Medien, Medienkritik, digitale Mündigkeit

Medienanalyse, Quellenkritik, Manipulationserkennung, Framing, digitale Mündigkeit. Diese Kompetenz wird sowohl in der schriftlichen Klausur (Sachtextanalyse von Nachrichten und Kommentaren) als auch in der mündlichen Prüfung (Medienthemen) abgeprüft.

6 Abschnitte·~23 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Stand 06/2026

T·111111 / 13
Prüfungsprofil
D-M-6.1 · Medientexte analysieren - Funktion, Aufbau, WirkungD-M-6.2 · Quellen kritisch prüfen und Manipulation erkennenD-M-6.3 · Digitale Mündigkeit reflektieren - Algorithmen, Filterblasen, KI
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

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Medien immer laden: aus

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. D 11 - Medien, Medienkritik, digitale Mündigkeit
    • 01Medienanalyse - Nachricht, Kommentar, Reportage◐
    • 02Quellenkritik und Manipulationserkennung◐
    • 03Digitale Mündigkeit - Algorithmen, KI, Datenschutz●
    • 04Framing und sprachliche Wirkung in Medientexten●
    • 05Sachtextanalyse - das mediale Analysewerkzeug der Klausur◐
    • 06Werbung und Bildrhetorik analysieren○

6 Abschnitte · 30 Merksätze · 0 Formeln · 30 Fehlerwarnungen

§ 01
§ 01

Medienanalyse - Nachricht, Kommentar, Reportage#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPD-M-6.1

Kernpunkte

Medientexte sind die Regelbeilage der Klausur, und ihre Textsorte entscheidet über die Analyse. ordnet die Sorten nach Funktion und Adressat, sammelt die Warnsignale der Manipulation. Die Grundunterscheidung ist die zwischen informierenden und meinungsbetonten Formen — sie zu verwechseln ist der teuerste Fehler der Medienanalyse.

Textsorten-Matrix nach Funktion und Adressat

Textsorten nach Funktion und AdressatTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Textsorte · Funktion · Adressat; Zusammenfassung · analysierend · neutral; Textanalyse · analysierend · öffentlich; Textinterpretation · analysierend · öffentlich; Leserbrief · positionierend · privat; Erörterung · positionierend · öffentlich; Kommentar · positionierend · öffentlich; Meinungsrede · positionierend · öffentlichTextsorteFunktionAdressatZusammenfassunganalysierendneutralTextanalyseanalysierendöffentlichTextinterpretationanalysierendöffentlichLeserbriefpositionierendprivatErörterungpositionierendöffentlichKommentarpositionierendöffentlichMeinungsredepositionierendöffentlich
Abb. 1Die sieben verbindlichen SRDP-Textsorten, geordnet nach Funktion (analysierend oder positionierend) und Adressat (neutral, privat, öffentlich).

Manipulationscheckliste - sechs Warnsignale

Manipulation - sechs WarnsignaleTabelle mit 2 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Warnsignal · Woran erkennbar; Emotion · starke Reizwörter; Fehlende Quelle · ohne klare Quelle; Scheinkausal · weil A, also B; Generalisierung · ›alle‹, ›immer‹; Framing · Wortwahl lenkt; Bildfälschung · Schnitt, Filter, KIWarnsignalWoran erkennbarEmotionstarke ReizwörterFehlende Quelleohne klare QuelleScheinkausalweil A, also BGeneralisierung›alle‹, ›immer‹FramingWortwahl lenktBildfälschungSchnitt, Filter, KI
Abb. 2Sechs Warnsignale für Manipulation - erst die Quelle prüfen, dann zitieren. SIFT-Methode: Stop, Investigate, Find better coverage, Trace claims (Caulfield 2019, von der UNESCO übernommen).
Abb. 1 ↓Abb. 2 ↓
Die informierenden Sorten sind Nachricht (sachlich, knapp), Bericht (umfassender, mit Hintergrund) und Feature (essayistisch, thematisch gebündelt). Die meinungsbetonten sind Kommentar (pointiert-bewertend), Glosse (kurz-pointiert, oft ironisch) und Rezension. Die Reportage steht dazwischen: subjektiv-narrativ, aber recherchebasiert — sie erzählt, um zu informieren.
Die klassische Nachricht folgt der umgekehrten Pyramide: Der Lead beantwortet die fünf W-Fragen (Wer, Was, Wann, Wo, Warum), der Hauptteil liefert Details, der Schluss den Hintergrund. Vom Wichtigsten zum Nebensächlichen — historisch damit begründet, dass ein Text von hinten gekürzt werden konnte, ohne unverständlich zu werden.
Der Online-Journalismus verändert diese Struktur: Lead und Aufmacher werden klickoptimiert, im Extremfall bis zum Clickbait, der eine Wissenslücke erzeugt, statt zu informieren. Weitere Strukturmerkmale sind Aufzählungspunkte, hervorgehobene Kernsätze und Hyperlinks. Diese Spezifika gehören in die Analyse — sie sind Wirkungsmittel und nicht bloß Layout.
Die Bild-Text-Beziehung ist ein eigener Analysegegenstand: Ein Bild kann illustrieren, ergänzen oder dem Text widersprechen. Die produktiven Fragen lauten, was das Bild zeigt, welche alternativen Bilder denkbar wären und warum gerade dieses gewählt wurde. Ein Bild als bloße Illustration zu behandeln übersieht, dass es eine eigene Aussage tragen kann.
Die Quellenanalyse trennt Qualitäts- von Boulevardjournalismus — und zwar über Verfahren, nicht über Themen. Qualitätsjournalismus attribuiert (nennt seine Quellen), differenziert und stützt sich auf mehrere unabhängige Belege; Boulevard emotionalisiert, verallgemeinert und lässt Quellen anonym. Zu prüfen ist, ob eine Quelle primär (Originalquelle) oder sekundär (Agenturen wie APA, dpa, Reuters) ist.

Vokabeln

→ Kartei
  • Umgekehrte PyramideNachrichtenaufbau vom Wichtigsten zum Nebensächlichen.
  • LeadEinstiegsabsatz mit den fünf W-Fragen.
  • ClickbaitAufmacher, der eine Wissenslücke erzeugt statt zu informieren.
  • AttributionNennung der Quelle einer Information.
  • PrimärquelleOriginalquelle einer Information.
  • FeatureEssayistische, thematisch gebündelte Medientextsorte.
Musterbeispiel

Nachrichten-Pyramide an einem konkreten Beispiel

Eine Nachricht über eine Bahnstreik-Drohung enthält im Lead-Satz: "Die GDL hat für den kommenden Mittwoch und Donnerstag einen 50-stuendigen Streik im Personenverkehr der Deutschen Bahn angekündigt." Analysiere die 5 W-Fragen.

  1. 01Wer?

    "Die GDL" - Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer.

  2. 02Was?

    "einen 50-stuendigen Streik" - klar quantifiziert.

  3. 03Wann?

    "den kommenden Mittwoch und Donnerstag" - präzise.

  4. 04Wo?

    "im Personenverkehr der Deutschen Bahn" - sektoral und geografisch klar.

  5. 05Warum?

    Fehlt im Lead! Das ist ein bewusster journalistischer Schritt: das Warum kommt im nächsten Satz, um den Lead kurz zu halten.

  6. 06Wie?

    Auch das Wie (Streikbedingungen, Notfahrplan) kommt erst später. Klassische umgekehrte Pyramide.

Ergebnis: Ein guter Lead-Satz beantwortet 4-5 W-Fragen in maximal 30 Wörtern. Wer-Was-Wann-Wo ist Pflicht, Warum-Wie folgen.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Medientextsorten: Nachricht, Bericht, Reportage, Kommentar, Glosse, Feature.

  2. 2

    Umgekehrte Pyramide: vom Wichtigsten zum Detail.

  3. 3

    Quellenanalyse als Prüfung der Qualität - Anzahl, Attribution, Prüfbarkeit.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Analysieren Sie die Reportage "Wie Wien wohnt" (Beilage 1, Falter, 2023). Untersuchen Sie Aufbau, Quellenpolitik, sprachliche Mittel und Bild-Text-Verhältnis.

Maturafokus

  • Bestimme die Textsorte einer Medienbeilage und leite daraus die dominante Funktion ab.
  • Analysiere den Aufbau einer Nachricht nach der umgekehrten Pyramide und den fünf W-Fragen.
  • Deute die Bild-Text-Beziehung: illustriert, ergänzt oder widerspricht das Bild dem Text?
  • Prüfe die Quellen auf Attribution und unterscheide primäre von sekundären Quellen.
  • Benenne Online-Spezifika (Clickbait, Hervorhebungen, Verlinkung) als Wirkungsmittel.

Typische Fehler

  • Nachricht und Kommentar werden gleich behandelt, obwohl ihre Funktionen entgegengesetzt sind.
  • Online-Spezifika werden ignoriert; Clickbait wird nicht als Verfahren erkannt.
  • Das Bild wird als reine Illustration behandelt, obwohl es eine eigene Aussage trägt.
  • Boulevard und Qualität werden über das Thema unterschieden statt über das Verfahren.
  • Quellen werden gezählt statt auf Attribution und Unabhängigkeit geprüft.

§ 01

Aktive Wiederholung

Nimm einen Artikel der Online-Standardausgabe und analysiere: Lead (umgekehrte Pyramide?), Quellen (Anzahl, Qualität), Bild-Text-Beziehung, Online-Spezifika (Hyperlinks, Hervorhebungen).

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF Schreibhandbuch - Medienanalyse (BMBWF) · Reumann: Journalistische Darstellungsformen - Ausgabennachweis (Deutsche Nationalbibliothek)

§ 02
§ 02

Quellenkritik und Manipulationserkennung#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPD-M-6.2

Kernpunkte

Quellenkritik ist Pflichtteil jeder Sachtextanalyse, und sie lässt sich als Verfahren lernen. sammelt die sechs Warnsignale der Manipulation. Die SIFT-Methode (Caulfield 2019) macht daraus vier Handgriffe: Stop (innehalten, bevor man teilt), Investigate the source (die Quelle prüfen), Find better coverage (unabhängige Berichte suchen) und Trace claims (die Behauptung zum Ursprung zurückverfolgen).

Manipulationscheckliste - sechs Warnsignale

Manipulation - sechs WarnsignaleTabelle mit 2 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Warnsignal · Woran erkennbar; Emotion · starke Reizwörter; Fehlende Quelle · ohne klare Quelle; Scheinkausal · weil A, also B; Generalisierung · ›alle‹, ›immer‹; Framing · Wortwahl lenkt; Bildfälschung · Schnitt, Filter, KIWarnsignalWoran erkennbarEmotionstarke ReizwörterFehlende Quelleohne klare QuelleScheinkausalweil A, also BGeneralisierung›alle‹, ›immer‹FramingWortwahl lenktBildfälschungSchnitt, Filter, KI
Abb. 3Sechs Warnsignale für Manipulation - erst die Quelle prüfen, dann zitieren. SIFT-Methode: Stop, Investigate, Find better coverage, Trace claims (Caulfield 2019, von der UNESCO übernommen).
Abb. 3 ↓
Die klassischen Fehlschlüsse in Medientexten sind wenige und wiederkehrend: post hoc ergo propter hoc (zeitliche Abfolge wird als Ursache gelesen), cum hoc ergo propter hoc (Korrelation wird als Kausalität gelesen), false equivalence (Ungleiches wird gleichgesetzt), Cherry-Picking (nur passende Daten werden gezeigt) und der Strohmann. Die Verwechslung von Korrelation und Kausalität ist dabei die mit Abstand häufigste.
Statistiken werden auf berechenbare Weise manipuliert: Die Y-Achse beginnt nicht bei null, sodass kleine Unterschiede gewaltig aussehen; die Skala ist gestaucht oder gedehnt; die Grundgesamtheit fehlt, sodass Prozentwerte nicht einzuordnen sind; oder relative statt absoluter Zahlen werden gezeigt. Die Gegenprobe ist immer dieselbe — nach Achsen, Grundgesamtheit und Erhebungszeitraum fragen.
Bildmanipulation reicht vom klassischen Zuschnitt über Filter und Komposit bis zu KI-generierten Bildern und Deepfakes, die seit etwa 2022 massentauglich geworden sind. Die Prüfwerkzeuge sind die Rückwärtsbildsuche und die Auswertung von EXIF-Daten; KI-Detektoren sind nur begrenzt zuverlässig und dürfen nicht als Beweis gelten. Auch Zuschnitt und Filter sind bereits Manipulation.
Filterblasen und Echokammern (Pariser 2011) entstehen durch algorithmische Personalisierung: Die Informationsvielfalt schrumpft, weil bevorzugt Bestätigendes ausgespielt wird. Die wirksamen Gegenstrategien sind bewusste Quellendiversifizierung und ein langsamerer Medienkonsum — nicht der Verzicht auf Plattformen, sondern die Ergänzung um redaktionelle Quellen.
Für die Verifikation stehen etablierte Werkzeuge bereit, darunter Mimikama und der APA-Faktencheck in Österreich sowie der Faktenfinder der Tagesschau in Deutschland. Wichtig ist die Haltung dahinter: Eine Quelle wird nicht pauschal als vertrauenswürdig oder unglaubwürdig eingestuft, sondern für die konkrete Behauptung geprüft — dieselbe Zeitung kann in einer Meldung sorgfältig und in einer anderen nachlässig sein.

Vokabeln

→ Kartei
  • SIFTStop - Investigate - Find better coverage - Trace claims.
  • Cum hoc ergo propter hocFehlschluss: Korrelation wird als Kausalität gelesen.
  • Cherry-PickingSelektive Auswahl nur passender Daten.
  • AchsenmanipulationY-Achse beginnt nicht bei null; verzerrt Größenverhältnisse.
  • FilterblaseDurch Personalisierung verengte Informationsvielfalt.
  • RückwärtsbildsuchePrüfwerkzeug für Herkunft und Wiederverwendung eines Bildes.
Musterbeispiel

SIFT-Methode an einem TikTok-Post

Du siehst einen TikTok-Post: "WHO bestätigt: KI hat 2024 mehr Menschen geheilt als Ärzte." Wie prüfst du diese Behauptung mit SIFT?

  1. 01Stop

    Innehalten - das Bauchgefühl sagt "klingt zu spektakulär". Nicht sofort teilen oder darauf reagieren.

  2. 02Investigate the source

    Wer postet? Wer steht hinter dem Account? Profil prüfen: ist es WHO-offiziell oder ein anonymer Account? Wenn anonym: hoher Verdacht.

  3. 03Find better coverage

    Suche bei WHO.int, bei Nachrichtenagenturen (Reuters, AP, dpa, APA), bei Faktenchecks (Mimikama, Snopes). Wenn KEINE seriose Quelle die Behauptung bestätigt - sehr starker Verdacht.

  4. 04Trace claims

    Was ist die ursprüngliche Behauptung? Folge dem Link, finde den Originalbericht. Oft stellt sich heraus: keine WHO-Studie existiert, sondern eine Schlagzeile wurde verzerrt zitiert.

  5. 05Schluss

    Nur teilen, wenn alle vier Schritte positiv verlaufen sind. Bei Unsicherheit: nicht teilen, sondern die Quellenproblematik erwähnen.

Ergebnis: SIFT dauert 3-5 Minuten. Das ist die billigste Versicherung gegen Desinformation. Schule sollte das genauso lehren wie Quellenkritik im Geschichtsunterricht.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    SIFT-Methode: Stop, Investigate, Find better coverage, Trace claims.

    Manipulationscheckliste - sechs Warnsignale

    Manipulation - sechs WarnsignaleTabelle mit 2 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Warnsignal · Woran erkennbar; Emotion · starke Reizwörter; Fehlende Quelle · ohne klare Quelle; Scheinkausal · weil A, also B; Generalisierung · ›alle‹, ›immer‹; Framing · Wortwahl lenkt; Bildfälschung · Schnitt, Filter, KIWarnsignalWoran erkennbarEmotionstarke ReizwörterFehlende Quelleohne klare QuelleScheinkausalweil A, also BGeneralisierung›alle‹, ›immer‹FramingWortwahl lenktBildfälschungSchnitt, Filter, KI
    Abb.Sechs Warnsignale für Manipulation - erst die Quelle prüfen, dann zitieren. SIFT-Methode: Stop, Investigate, Find better coverage, Trace claims (Caulfield 2019, von der UNESCO übernommen).
  2. 2

    Statistik- und Bildmanipulationen erkennen lernen - Achsen, Zuschnitt, KI-Bilder.

  3. 3

    Filterblasen brechen durch bewusste Quellendiversifizierung.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Verfassen Sie eine textbasierte Erörterung zur Frage "Wie können wir uns gegen Desinformation in sozialen Medien wappnen?". Beziehen Sie sich auf die Beilage "Fake News und die Schule" (Falter, 2024).

Maturafokus

  • Wende die SIFT-Methode auf eine konkrete Behauptung an und dokumentiere die vier Schritte.
  • Unterscheide Korrelation und Kausalität an einem Beispiel aus einem Medientext.
  • Prüfe eine Grafik auf Achsenmanipulation, fehlende Grundgesamtheit und Skalenwahl.
  • Benenne Prüfwerkzeuge für Bildmanipulation und ihre Grenzen.
  • Beurteile eine Quelle für die konkrete Behauptung statt pauschal.

Typische Fehler

  • Korrelation und Kausalität werden nicht unterschieden.
  • Quellen werden pauschal als vertrauenswürdig oder unglaubwürdig eingestuft statt für die Behauptung geprüft.
  • Bildmanipulation wird übersehen; Zuschnitt und Filter gelten nicht als Manipulation.
  • Die Grundgesamtheit einer Statistik wird nicht erfragt; Prozentwerte bleiben uneinordbar.
  • KI-Detektoren werden als Beweis behandelt, obwohl sie nur begrenzt zuverlässig sind.

§ 02

Aktive Wiederholung

Wende die SIFT-Methode auf einen viralen Social-Media-Post zu einem aktuellen politischen Thema an. Dokumentiere für jeden Schritt deine Erkenntnisse.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Mimikama - Faktencheck-Plattform Österreich (Mimikama) · UNESCO Media and Information Literacy (2022) (UNESCO)

§ 03
§ 03

Digitale Mündigkeit - Algorithmen, KI, Datenschutz#

~4 Min Lesezeit●●●VertiefungLPD-M-6.3

Kernpunkte

Digitale Mündigkeit ist als Kompetenz in Klausur und mündlicher Prüfung präsent — als Erörterungsthema ebenso wie im Medien-Themenbereich. sammelt die Manipulationswarnsignale, erinnert an die vier Ebenen jeder Botschaft, die auch für algorithmisch vermittelte Kommunikation gelten.

Manipulationscheckliste - sechs Warnsignale

Manipulation - sechs WarnsignaleTabelle mit 2 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Warnsignal · Woran erkennbar; Emotion · starke Reizwörter; Fehlende Quelle · ohne klare Quelle; Scheinkausal · weil A, also B; Generalisierung · ›alle‹, ›immer‹; Framing · Wortwahl lenkt; Bildfälschung · Schnitt, Filter, KIWarnsignalWoran erkennbarEmotionstarke ReizwörterFehlende Quelleohne klare QuelleScheinkausalweil A, also BGeneralisierung›alle‹, ›immer‹FramingWortwahl lenktBildfälschungSchnitt, Filter, KI
Abb. 4Sechs Warnsignale für Manipulation - erst die Quelle prüfen, dann zitieren. SIFT-Methode: Stop, Investigate, Find better coverage, Trace claims (Caulfield 2019, von der UNESCO übernommen).

Vier-Seiten-Modell (Schulz von Thun)

Vier-Seiten-ModellBaumdiagramm, 4 Pfade, Daten: Sachinhalt → Worüber ich informiere; Selbstoffenbarung → Was ich von mir zeige; Beziehung → Was ich von dir halte; Appell → Was ich erreichen willSachinhaltSelbstoffenbarungBeziehungAppellNachrichtWorüber ich informiereWas ich von mir zeigeWas ich von dir halteWas ich erreichen will
Abb. 5Jede Nachricht enthält vier Seiten: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell. Der Sender spricht mit „vier Schnäbeln", der Empfänger hört mit „vier Ohren".
Abb. 4 ↓Abb. 5 ↓
Algorithmen prägen den Informationskonsum: Empfehlungssysteme optimieren auf Verweildauer und Interaktion, nicht auf Inhaltsqualität. Sie sind deshalb nie neutral — jede Rangfolge enthält eine Wertung darüber, was Aufmerksamkeit verdient. Diese Einsicht ist der Kern der Kompetenz: Nicht die Technik ist das Problem, sondern die unbemerkte Delegation der Auswahl.
KI-Werkzeuge haben seit 2023 die Schreib- und Recherchepraxis verändert. Die schulische Antwort ist nicht Verbot oder Begeisterung, sondern ein Verfahren: kritische Nutzung, konsequente Quellenverifikation und das Bewahren der eigenen Stimme. Für die Prüfung gilt, dass die differenzierte Bewertung erwartet wird — pauschale Verteufelung und pauschale Verherrlichung sind gleichermaßen schwach.
Datenschutz und Selbstdatenschutz sind zu unterscheiden. Die DSGVO (seit 2018 anwendbar) ist der europäische Rechtsrahmen mit Auskunfts-, Berichtigungs- und Löschungsrechten; Selbstdatenschutz meint das eigene Handeln — Privatsphäreeinstellungen, Datensparsamkeit, Verschlüsselung. Datenschutz ist dabei nicht Geheimhaltung, sondern informationelle Selbstbestimmung.
Die Manipulationsformen der Gegenwart sind benennbar: Mikrotargeting in Wahlkampagnen (dieselbe Kampagne spricht verschiedene Gruppen mit widersprüchlichen Botschaften an), KI-generierte Stimmklone, Deepfakes politischer Personen und automatisierte Konten, die Zustimmung simulieren. Allen gemeinsam ist, dass sie Authentizitätssignale fälschen, auf die Menschen sich verlassen.
Der rechtliche Rahmen gehört zur Kompetenz: das österreichische Urheberrecht mit einer Schutzfrist von siebzig Jahren nach dem Tod der Urheberin oder des Urhebers, das Zitatrecht als Schranke, das Recht am eigenen Bild und die Strafbarkeit der Verhetzung nach § 283 StGB. Dazu die digitale Hygiene: Pausen, bewusste Auswahl, mehrere Quellen pro Thema und Verifikation vor der Weitergabe.

Vokabeln

→ Kartei
  • EmpfehlungssystemAlgorithmus, der Inhalte nach Interaktionswahrscheinlichkeit ordnet.
  • MikrotargetingZielgruppengenaue, teils widersprüchliche Kampagnenansprache.
  • DeepfakeKI-erzeugte Fälschung von Bild, Video oder Stimme.
  • DSGVOEuropäischer Datenschutzrahmen, anwendbar seit 2018.
  • Informationelle SelbstbestimmungRecht, über die eigenen Daten zu verfügen.
  • Digitale HygieneBewusste Praxis von Auswahl, Pausen und Verifikation.
Musterbeispiel

Eine KI-Auskunft kritisch prüfen - Quellenverifikation mit SIFT

Ein KI-Chatbot liefert dir für eine Erörterung „eine Studie der Universität Wien (2023), die zeigt, dass ...". Bevor du sie zitierst - wie prüfst du sie mit der SIFT-Methode?

  1. 01Stop - nicht sofort übernehmen

    KI-Modelle erzeugen flüssigen, überzeugend klingenden Text, „halluzinieren" aber regelmäßig plausible, NICHT existierende Quellen (Autor, Titel, Jahr). Eine KI-Auskunft ist eine unbelegte Behauptung, kein Beleg.

  2. 02Investigate the source - die Quelle untersuchen

    Gibt es die Studie wirklich? Suche Autor, Titel und Journal/DOI in einer unabhängigen Datenbank (Bibliothekskatalog, Google Scholar). Kein Treffer ist ein starkes Warnsignal für eine erfundene Quelle.

  3. 03Find better coverage - bessere Belege suchen

    Suche eine zweite, unabhängige Quelle für dieselbe Aussage. Bestätigt sie den Befund, ist er belastbar; wird er nur vom Chatbot behauptet, fällt er aus der Argumentation.

  4. 04Trace claims - die Behauptung zurückverfolgen

    Verfolge die Aussage bis zum Originalbeleg zurück und zitiere die nachgeprüfte Originalquelle - niemals „laut ChatGPT". Was sich nicht zurückverfolgen lässt, kommt nicht in den Text.

Ergebnis: KI-Auskünfte sind unverifizierte Behauptungen, bis sie gegengeprüft sind; SIFT (Stop - Investigate - Find - Trace) aus der Manipulationscheckliste ist das Werkzeug. Häufiger Fehler: eine erfundene KI-Quelle als echt zitieren - in der Klausur ein Inhalts- UND Glaubwürdigkeitsfehler. Regel: erst prüfen, dann zitieren - nie umgekehrt.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Algorithmen, KI, Datenschutz - die drei Pfeiler digitaler Mündigkeit.

  2. 2

    KI-Tools sind 2026 Standardgegenstand der Prüfung - differenzierte Bewertung lernen.

  3. 3

    Datenschutz ist Selbstbestimmung, nicht Geheimhaltung.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Verfassen Sie einen Kommentar zur Frage "Wie sollen österreichische Schulen mit KI-Tools im Unterricht umgehen?". Beziehen Sie sich auf die Beilage "Lernen mit Maschinen" (ZIB 2-Kommentar, 2024).

Maturafokus

  • Erörtere Chancen und Risiken von KI-Werkzeugen differenziert statt pauschal.
  • Erläutere, warum Empfehlungsalgorithmen nie neutral sind.
  • Unterscheide Datenschutz als Rechtsrahmen und Selbstdatenschutz als eigenes Handeln.
  • Benenne aktuelle Manipulationsformen und ihr gemeinsames Prinzip der gefälschten Authentizität.
  • Beziehe den rechtlichen Rahmen (Urheberrecht, Zitatrecht, Recht am eigenen Bild) ein.

Typische Fehler

  • KI wird pauschal verteufelt oder verherrlicht; die differenzierte Bewertung fehlt.
  • Algorithmen werden als neutral behandelt, obwohl jede Rangfolge eine Wertung enthält.
  • Datenschutz wird mit Geheimhaltung verwechselt statt als Selbstbestimmung gefasst.
  • Der rechtliche Rahmen wird ausgelassen, obwohl er zur Kompetenz gehört.
  • Die Manipulationsformen werden aufgezählt, ohne ihr gemeinsames Prinzip zu benennen.

§ 03

Aktive Wiederholung

Analysiere deine eigene Social-Media-Nutzung der letzten Woche: Welche Algorithmen prägen deinen Feed? Welche Quellen dominieren? Wie veränderst du dein Verhalten in den nächsten zwei Wochen?

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Saferinternet.at - Plattform für digitale Bildung (Saferinternet.at) · Datenschutzbehörde Österreich (DSB)

§ 04
§ 04

Framing und sprachliche Wirkung in Medientexten#

~3 Min Lesezeit●●●VertiefungLPD-M-6.1LPD-M-6.2

Kernpunkte

Framing bezeichnet die Deutungsrahmung eines Themas durch Wortwahl, Perspektive und Betonung: Dasselbe Ereignis wirkt je nach Rahmen völlig verschieden, ohne dass eine einzige Tatsache geändert würde. sammelt die Warnsignale, ordnet die sprachlichen Mittel nach Wirkungsebene. Framing ist dabei ein neutraler Fachbegriff — ein Rahmen kann faktisch korrekt und dennoch wertend sein.

Manipulationscheckliste - sechs Warnsignale

Manipulation - sechs WarnsignaleTabelle mit 2 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Warnsignal · Woran erkennbar; Emotion · starke Reizwörter; Fehlende Quelle · ohne klare Quelle; Scheinkausal · weil A, also B; Generalisierung · ›alle‹, ›immer‹; Framing · Wortwahl lenkt; Bildfälschung · Schnitt, Filter, KIWarnsignalWoran erkennbarEmotionstarke ReizwörterFehlende Quelleohne klare QuelleScheinkausalweil A, also BGeneralisierung›alle‹, ›immer‹FramingWortwahl lenktBildfälschungSchnitt, Filter, KI
Abb. 6Sechs Warnsignale für Manipulation - erst die Quelle prüfen, dann zitieren. SIFT-Methode: Stop, Investigate, Find better coverage, Trace claims (Caulfield 2019, von der UNESCO übernommen).

Stilmittel-Systematik nach Wirkungsebene

Stilmittel nach WirkungsebeneBaumdiagramm, 15 Pfade, Daten: Klang → Alliteration; Klang → Assonanz; Klang → Onomatopoesie; Wort → Hyperbel; Wort → Litotes; Wort → Euphemismus; Syntax → Anapher; Syntax → Parallelismus; Syntax → Chiasmus; Bild (Tropen) → Metapher; Bild (Tropen) → Personifikation; Bild (Tropen) → Symbol; Argument → Rhetorische Frage; Argument → Ironie; Argument → AntitheseKlangWortSyntaxBild (Tropen)ArgumentStilmittelAlliterationAssonanzOnomatopoesieHyperbelLitotesEuphemismusAnapherParallelismusChiasmusMetapherPersonifikationSymbolRhetorische FrageIronieAntithese
Abb. 7Klang, Wort, Syntax, Bild und Argumentation - die fünf Hauptfamilien rhetorischer Figuren mit je drei Beispielen. Figuren wirken über die Anordnung, Tropen über die Ersetzung eines Ausdrucks.
Abb. 6 ↓Abb. 7 ↓
Die Wortwahl ist der offensichtlichste Rahmenträger: Flüchtlingsstrom gegen Schutzsuchende, Steuerlast gegen Solidarbeitrag, Klimakrise gegen Klimawandel. Jede Variante ist sachlich vertretbar und legt zugleich eine Bewertung nahe, bevor ein Argument gefallen ist — deshalb steht die Wortwahl am Anfang jeder Medienanalyse.
Metaphern rahmen ganze Debatten und sind besonders wirksam, weil sie unbemerkt Schlussfolgerungen nahelegen: Kriegsmetaphern („Kampf gegen die Inflation") fordern Entschlossenheit und Opfer, Wassermetaphern („Welle", „Flut") legen Naturgewalt und Abwehr nahe, Krankheitsmetaphern legen Ausschneiden nahe. Wer die Metapher benennt, macht die mitgelieferte Handlungsempfehlung sichtbar.
Entman (1993) beschreibt Framing über zwei Operationen: Selektion und Salienz. Bestimmte Aspekte werden ausgewählt und hervorgehoben — und was nicht erwähnt wird, ist ebenso Teil des Rahmens. Die Analyse muss deshalb immer auch nach dem Fehlenden fragen: Welche Perspektive kommt nicht vor, welche Betroffenen werden nicht zitiert?
Nominalisierung und Passiv verschleiern Verantwortung, und das ist ein eigenes Rahmenmittel: „Es kam zu Ausschreitungen" nennt keinen Akteur, „Die Polizei löste die Versammlung auf" nennt ihn. Diese Agentivität — wer im Satz handelt und wer nur vorkommt — ist bei politischen Texten regelmäßig der ergiebigste Befund.
Framing erkennt man, indem man die Alternative mitdenkt: Bei jeder Formulierung ist zu fragen, wie derselbe Sachverhalt anders gerahmt werden könnte. Erst der Vergleich macht die Deutungslenkung sichtbar — und erst er erlaubt die Aussage, dass hier gerahmt wird, statt bloß behauptet zu werden, dass etwas manipulativ sei.

Vokabeln

→ Kartei
  • FrameDeutungsrahmen, den ein Text um ein Thema legt.
  • SelektionAuswahl der dargestellten Aspekte; erste Framing-Operation.
  • SalienzHervorhebung ausgewählter Aspekte; zweite Framing-Operation.
  • AgentivitätFrage, wer im Satz als handelnd erscheint.
  • LeerstelleWas ein Text nicht erwähnt; Teil des Rahmens.
  • AlternativrahmungGegenprobe: derselbe Sachverhalt anders formuliert.
Musterbeispiel

Framing zweier Schlagzeilen vergleichen

Vergleiche das Framing der Schlagzeilen Demonstranten blockieren Autobahn und Klimaaktivisten protestieren auf der Autobahn zum selben Ereignis.

  1. 01Wortwahl prüfen

    blockieren betont Störung und Behinderung; protestieren betont legitimes Anliegen - dieselbe Handlung erhält eine andere Wertung.

  2. 02Bezeichnung der Akteure

    Demonstranten ist neutral-anonym; Klimaaktivisten benennt das Motiv und stellt das Anliegen in den Vordergrund.

  3. 03Alternative mitdenken

    Beide Schlagzeilen sind faktisch korrekt, rahmen das Ereignis aber gegensätzlich: Störung versus Anliegen - das macht die Deutungslenkung sichtbar.

Ergebnis: Wortwahl (blockieren/protestieren) und Akteursbezeichnung (Demonstranten/Klimaaktivisten) rahmen dasselbe Ereignis unterschiedlich. Wer die Alternative mitdenkt, erkennt das Framing - und genau das ist medienanalytische Kompetenz.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Framing: Deutungsrahmung durch Wortwahl, Perspektive, Betonung.

  2. 2

    Metaphern und Passiv lenken Bewertung und verschleiern Verantwortung.

  3. 3

    Framing erkennen heißt die Alternative mitdenken.

Maturafokus

  • Analysiere die Wortwahl eines Medientextes auf Framing und benenne mindestens zwei Rahmenträger.
  • Erläutere, welche Handlungsempfehlung eine verwendete Metapher mitliefert.
  • Untersuche Passiv und Nominalisierung auf verschleierte Agentivität.
  • Frage nach dem Fehlenden: welche Perspektive kommt im Text nicht vor?
  • Mache die Deutungslenkung sichtbar, indem du eine alternative Rahmung formulierst.

Typische Fehler

  • Framing wird mit Lüge gleichgesetzt; ein Rahmen kann faktisch korrekt und dennoch wertend sein.
  • Die Wortwahl wird als neutral hingenommen statt auf Deutungslenkung geprüft.
  • Passiv und Nominalisierung werden übersehen, obwohl sie Verantwortung verschleiern.
  • Nur das Gesagte wird analysiert; das Fehlende bleibt unbeachtet.
  • Es wird behauptet, ein Text manipuliere, ohne die alternative Rahmung zu zeigen.

§ 04

Aktive Wiederholung

Nimm zwei Berichte verschiedener Medien zum selben Ereignis und vergleiche ihr Framing: Welche Wörter, Metaphern und Satzkonstruktionen lenken die Bewertung in unterschiedliche Richtungen?

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF Schreibhandbuch - Sprache und Wirkung (BMBWF) · Mimikama - Sprache und Manipulation (Mimikama)

§ 05
§ 05

Sachtextanalyse - das mediale Analysewerkzeug der Klausur#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPD-M-6.1

Kernpunkte

Die Textanalyse ist eine der sieben verbindlichen SRDP-Textsorten und wird in der Klausur fast immer an einem Medientext geprüft — an einem Kommentar, einer Reportage oder einem Sachartikel. ordnet die Textsorten nach Funktion und Adressat, zeigt das Raster, nach dem die eigene Analyse bewertet wird. Verlangt sind Beschreibung und Funktionsdeutung, nicht Wertung.

Textsorten-Matrix nach Funktion und Adressat

Textsorten nach Funktion und AdressatTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Textsorte · Funktion · Adressat; Zusammenfassung · analysierend · neutral; Textanalyse · analysierend · öffentlich; Textinterpretation · analysierend · öffentlich; Leserbrief · positionierend · privat; Erörterung · positionierend · öffentlich; Kommentar · positionierend · öffentlich; Meinungsrede · positionierend · öffentlichTextsorteFunktionAdressatZusammenfassunganalysierendneutralTextanalyseanalysierendöffentlichTextinterpretationanalysierendöffentlichLeserbriefpositionierendprivatErörterungpositionierendöffentlichKommentarpositionierendöffentlichMeinungsredepositionierendöffentlich
Abb. 8Die sieben verbindlichen SRDP-Textsorten, geordnet nach Funktion (analysierend oder positionierend) und Adressat (neutral, privat, öffentlich).

IQS-Beurteilungsraster Deutsch - vier Dimensionen

IQS-Beurteilungsraster DeutschTabelle mit 3 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Dimension · Beurteilt · Punkte; Inhalt · Aufgabenerfüllung · 0–4; Textstruktur · Aufbau, Kohärenz · 0–4; Stil & Ausdruck · Register, Ausdruck · 0–4; Normsprache · Sprachrichtigkeit · 0–4DimensionBeurteiltPunkteInhaltAufgabenerfüllung0–4TextstrukturAufbau, Kohärenz0–4Stil & AusdruckRegister, Ausdruck0–4NormspracheSprachrichtigkeit0–4
Abb. 9Vier Dimensionen, jede mit 0-4 Punkten bewertet - maximal 16 Punkte gesamt. 4 = sehr gut, 0 = nicht erfüllt.
Abb. 8 ↓Abb. 9 ↓
Vier Analyseebenen strukturieren die Arbeit: Inhalt (Thema und Kernaussage), Aufbau (Gliederung und Argumentationsgang), Sprache (Register, Stilmittel, Wortwahl) und Wirkungsabsicht (Intention und Adressat). Die vierte Ebene ist der Fluchtpunkt — die ersten drei liefern die Belege, aus denen sie erschlossen wird.
Die Analyse arbeitet streng am Text nach dem Dreischritt Beleg – Befund – Funktion: Ein Zitat mit Zeilenangabe stützt eine Beobachtung, die anschließend in ihrer Wirkung gedeutet wird. Ein Befund ohne Beleg ist eine Behauptung, ein Beleg ohne Funktionsdeutung ein Fundstück — beides bleibt unter der oberen Niveaustufe.
Die eigene Meinung bleibt außen vor. Die Textanalyse beschreibt und deutet die Strategie des Textes; sie bewertet nicht dessen Inhalt. Genau das unterscheidet sie von Kommentar und Erörterung — und der Übergang ist verführerisch, weil ein meinungsstarker Ausgangstext zum Widerspruch einlädt. Bewertet werden darf nur die Textqualität, also die Tragfähigkeit der Strategie.
Beim Referieren steht die indirekte Rede mit Konjunktiv I: „Der Autor argumentiert, die Maßnahme sei überfällig." Sie wahrt die Distanz zwischen Analyse und Quelle und verhindert das häufigste Strukturproblem — dass Analyse und analysierter Text sprachlich verschmelzen und unklar wird, wer was behauptet.
Der Aufbau ist fest: eine kurze Einleitung (Textsorte, Verfasserschaft, Thema, Funktionsthese), ein Hauptteil entlang der vier Ebenen und ein Schluss, der die Wirkungsabsicht zusammenführt und die Tragfähigkeit der Strategie beurteilt. Der Umfang beträgt je nach Aufgabenstellung 405–495 oder 540–660 Wörter.

Vokabeln

→ Kartei
  • FunktionstheseAussage über die Wirkungsabsicht; Fluchtpunkt der Analyse.
  • DreischrittBeleg - Befund - Funktion als Grundfigur der Analyse.
  • ArgumentationsgangAbfolge und Verknüpfung der Argumente im Text.
  • IntentionAbsicht, die der Text erkennbar verfolgt.
  • DistanzwahrungSprachliche Trennung von Analyse und Quelle.
  • TragfähigkeitBelastbarkeit der Strategie; Gegenstand der Textbewertung.
Musterbeispiel

Beleg - Befund - Funktion an einem Kommentar

Zeige am Satz Wieder einmal versagt die Politik die Methode Beleg - Befund - Funktion der Sachtextanalyse.

  1. 01Beleg

    Zitat mit Verortung: Der Autor eröffnet mit Wieder einmal versagt die Politik (Z. 1).

  2. 02Befund

    Sprachlicher Befund: Das Adverb wieder einmal suggeriert ein wiederkehrendes Muster; das Verb versagt ist stark wertend.

  3. 03Funktion deuten

    Funktion: Die Eröffnung rahmt das Thema von Beginn an negativ und stimmt die Leserschaft auf eine Anklage ein - die Wirkungsabsicht ist Empörung, nicht neutrale Information.

Ergebnis: Die Dreischritt-Methode Beleg - Befund - Funktion verwandelt eine bloße Beobachtung in eine vollständige Analyse: Zitat, sprachlicher Befund und Funktionsdeutung sichern die Inhaltsdimension der Textanalyse.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Sachtextanalyse: vier Ebenen - Inhalt, Aufbau, Sprache, Wirkungsabsicht.

  2. 2

    Beleg - Befund - Funktion: jede Behauptung am Text stützen.

  3. 3

    Beschreiben und deuten, nicht bewerten - keine eigene Meinung.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Verfassen Sie eine Textanalyse des Kommentars (Beilage). Untersuchen Sie Inhalt, Aufbau, sprachliche Mittel und Wirkungsabsicht. Belegen Sie Ihre Befunde am Text und verzichten Sie auf eine eigene Stellungnahme.

Maturafokus

  • Analysiere einen Medientext auf Inhalt, Aufbau, Sprache und Wirkungsabsicht und belege jeden Befund.
  • Arbeite konsequent nach dem Dreischritt Beleg - Befund - Funktion.
  • Gib Aussagen des Textes in indirekter Rede mit Konjunktiv I wieder.
  • Trenne die Analyse der Strategie von der Bewertung des Inhalts.
  • Führe im Schluss die Befunde zur Wirkungsabsicht zusammen und beurteile ihre Tragfähigkeit.

Typische Fehler

  • Die Analyse kippt in eine Stellungnahme; eigene Meinung ersetzt die Funktionsdeutung.
  • Befunde werden behauptet, aber nicht am Text belegt.
  • Der Text wird nacherzählt statt analysiert; die Wirkungsabsicht fehlt.
  • Analyse und analysierter Text verschmelzen sprachlich, weil die indirekte Rede fehlt.
  • Die Funktionsthese fehlt; die Analyse zerfällt in unverbundene Einzelbefunde.

§ 05

Aktive Wiederholung

Analysiere einen kurzen Zeitungskommentar auf die vier Ebenen Inhalt, Aufbau, Sprache und Wirkungsabsicht und stütze jeden Befund mit einem belegten Zitat in indirekter Rede.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF Schreibhandbuch - Textanalyse (BMBWF) · IQS SRDP Aufgabenarchiv Deutsch (IQS)

§ 06
§ 06

Werbung und Bildrhetorik analysieren#

~3 Min Lesezeit●○○BasisLPD-M-6.1

Kernpunkte

Werbung verbindet Text und Bild zu einer persuasiven Einheit. Die Analyse trennt deshalb zunächst beide Ebenen und deutet anschließend ihr Zusammenspiel — genau in diesem dritten Schritt liegt die eigentliche Leistung. sammelt die Warnsignale der Beeinflussung, erinnert daran, dass jede Botschaft auch eine Beziehungs- und eine Appellebene hat.

Manipulationscheckliste - sechs Warnsignale

Manipulation - sechs WarnsignaleTabelle mit 2 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Warnsignal · Woran erkennbar; Emotion · starke Reizwörter; Fehlende Quelle · ohne klare Quelle; Scheinkausal · weil A, also B; Generalisierung · ›alle‹, ›immer‹; Framing · Wortwahl lenkt; Bildfälschung · Schnitt, Filter, KIWarnsignalWoran erkennbarEmotionstarke ReizwörterFehlende Quelleohne klare QuelleScheinkausalweil A, also BGeneralisierung›alle‹, ›immer‹FramingWortwahl lenktBildfälschungSchnitt, Filter, KI
Abb. 10Sechs Warnsignale für Manipulation - erst die Quelle prüfen, dann zitieren. SIFT-Methode: Stop, Investigate, Find better coverage, Trace claims (Caulfield 2019, von der UNESCO übernommen).

Vier-Seiten-Modell (Schulz von Thun)

Vier-Seiten-ModellBaumdiagramm, 4 Pfade, Daten: Sachinhalt → Worüber ich informiere; Selbstoffenbarung → Was ich von mir zeige; Beziehung → Was ich von dir halte; Appell → Was ich erreichen willSachinhaltSelbstoffenbarungBeziehungAppellNachrichtWorüber ich informiereWas ich von mir zeigeWas ich von dir halteWas ich erreichen will
Abb. 11Jede Nachricht enthält vier Seiten: Sachinhalt, Selbstoffenbarung, Beziehung und Appell. Der Sender spricht mit „vier Schnäbeln", der Empfänger hört mit „vier Ohren".
Abb. 10 ↓Abb. 11 ↓
Das AIDA-Modell beschreibt den Wirkungsverlauf und liefert ein brauchbares Analyseraster: Attention (Aufmerksamkeit gewinnen), Interest (Interesse wecken), Desire (Wunsch erzeugen), Action (zur Handlung bewegen). Für jede Stufe lässt sich fragen, mit welchem Mittel die Anzeige sie zu erreichen versucht.
Die Bildrhetorik arbeitet mit benennbaren Mitteln: der Blickführung (Goldener Schnitt, Diagonale, Blickrichtung der abgebildeten Person), der Farbwirkung (warme Farben aktivieren, kühle distanzieren), der Nähe und Distanz des Ausschnitts und der Perspektive — die Untersicht erhöht die abgebildete Größe, die Aufsicht verkleinert sie.
Die sprachlichen Werbemittel sind ebenso katalogisierbar: der Slogan (kurz, einprägsam, oft mit Klangfigur), der Imperativ („Greif zu!"), der Superlativ, die Wortneuschöpfung und der Anglizismus als Modernitätssignal. Auffällig ist die Häufung von Klangfiguren — Werbung arbeitet mit dem Ohr, weil Einprägsamkeit ihr eigentliches Ziel ist.
Das implizite Versprechen ist der Kern jeder Anzeige: Werbung verkauft selten das Produkt, sondern ein Lebensgefühl — Freiheit, Zugehörigkeit, Status, Sorglosigkeit. Dieses Versprechen steht nirgends im Text; es entsteht zwischen Bild und Text und ist deshalb nur durch die Verbindung beider Ebenen zu erschließen.
Die kritische Distanz entsteht durch zwei Fragen: Welches Bedürfnis wird angesprochen, und welche Zielgruppe wird adressiert? Wer beide beantwortet, hat die Persuasionsstrategie offengelegt — und zugleich gezeigt, dass die Analyse über die Beschreibung hinausgeht, was in der Dimension Inhalt den Unterschied macht.

Vokabeln

→ Kartei
  • PersuasionÜberzeugende Beeinflussung; Zweck der Werbung.
  • AIDA-ModellAttention - Interest - Desire - Action.
  • BlickführungGestaltung, die den Blick durch das Bild lenkt.
  • UntersichtKameraperspektive von unten; erhöht die abgebildete Größe.
  • SloganKurze, einprägsame Werbeformel, oft mit Klangfigur.
  • Implizites VersprechenNicht ausgesprochenes Lebensgefühl, das mitverkauft wird.
Musterbeispiel

Werbeanalyse mit dem AIDA-Modell

Analysiere eine Autowerbung, die ein Fahrzeug auf leerer Bergstraße bei Sonnenuntergang zeigt, mit dem Slogan Deine Freiheit beginnt hier.

  1. 01Attention und Bildrhetorik

    Die leere Bergstraße und das warme Sonnenuntergangslicht ziehen den Blick an; die Diagonale der Straße führt das Auge zum Fahrzeug.

  2. 02Interest und Desire

    Der Slogan Deine Freiheit beginnt hier verknüpft das Produkt mit dem Lebensgefühl Freiheit; das implizite Versprechen ist nicht das Auto, sondern Ungebundenheit.

  3. 03Action und Zielgruppe

    Die Inszenierung adressiert eine Zielgruppe, die Selbstbestimmung und Naturerleben schätzt; der Imperativ Deine spricht direkt an und stößt zur Handlung.

Ergebnis: Bildrhetorik (Diagonale, warmes Licht) und Sprache (Slogan, direkte Ansprache) wirken nach dem AIDA-Verlauf zusammen und verkaufen ein Lebensgefühl statt eines Produkts - das implizite Versprechen Freiheit ist der eigentliche Appell.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Werbung: Bild und Text als persuasive Einheit analysieren.

  2. 2

    AIDA-Modell: Attention, Interest, Desire, Action.

  3. 3

    Implizites Versprechen erkennen - Werbung verkauft Lebensgefühl.

Maturafokus

  • Analysiere eine Werbeanzeige auf Bild- und Textebene und deute ihr Zusammenspiel.
  • Erläutere den Wirkungsverlauf mit dem AIDA-Modell und benenne je Stufe das Mittel.
  • Benenne mindestens zwei bildrhetorische Mittel (Perspektive, Farbe, Blickführung) und deute sie.
  • Bestimme das implizite Versprechen und begründe es aus der Verbindung von Bild und Text.
  • Benenne das angesprochene Bedürfnis und die adressierte Zielgruppe.

Typische Fehler

  • Bild und Text werden getrennt beschrieben; ihr Zusammenspiel wird nicht gedeutet.
  • Das implizite Versprechen wird übersehen; nur das Produkt wird benannt.
  • Bildrhetorische Mittel (Perspektive, Farbe, Blickführung) werden ignoriert.
  • Das AIDA-Modell wird genannt, aber nicht auf die konkrete Anzeige angewandt.
  • Die Zielgruppe wird behauptet statt aus den Mitteln der Anzeige erschlossen.

§ 06

Aktive Wiederholung

Wähle eine aktuelle Werbeanzeige und analysiere sie mit dem AIDA-Modell: Benenne je ein bildrhetorisches und ein sprachliches Mittel und bestimme das implizite Versprechen sowie die Zielgruppe.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Saferinternet.at - Werbung und Medienkompetenz (Saferinternet.at) · BMBWF Schreibhandbuch - Medienanalyse (BMBWF)

Stand 06/2026 · Vollständige Fassung über den Tiefenregler — gleiche Stelle, gleiche Anker

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Medienanalyse - Nachricht, Kommentar, Reportage◐
    • 02Quellenkritik und Manipulationserkennung◐
    • 03Digitale Mündigkeit - Algorithmen, KI, Datenschutz●
    • 04Framing und sprachliche Wirkung in Medientexten●
    • 05Sachtextanalyse - das mediale Analysewerkzeug der Klausur◐
    • 06Werbung und Bildrhetorik analysieren○

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

D 11 - Medien, Medienkritik, digitale Mündigkeit

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

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3
Kompetenzen
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Fragen
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Beispielfrage

Analysieren Sie die Reportage "Wie Wien wohnt" (Beilage 1, Falter, 2023). Untersuchen Sie Aufbau, Quellenpolitik, sprachliche Mittel und Bild-Text-Verhältnis.

16 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

BMBWF

  • BMBWF Schreibhandbuch - Medienanalyse

Deutsche Nationalbibliothek

  • Reumann: Journalistische Darstellungsformen - Ausgabennachweis

Mimikama

  • Mimikama - Faktencheck-Plattform Österreich

UNESCO

  • UNESCO Media and Information Literacy (2022)

Saferinternet.at

  • Saferinternet.at - Plattform für digitale Bildung

DSB

  • Datenschutzbehörde Österreich

IQS

  • IQS SRDP Aufgabenarchiv Deutsch

Siehe auch

  • D 5 - Textanalyse und TextinterpretationDie Textanalyse ist das Werkzeug, mit dem Medientexte geprüft werden.
  • D 7 - Sprachbewusstsein (Grammatik, Stilmittel, Varietäten)Sprachwandel, Gendern und Framing als sprachreflexive Anschlüsse.
  • D 2 - Lesen und TextverständnisTextfunktionen und Lesestrategien für Medienbeilagen.

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