EuraStudy
Notizen/Informatik/INF-HMI-KI - Mensch-Maschine-Interaktion und KI
AT · Matura

INF-HMI-KI - Mensch-Maschine-Interaktion und KI

Usability, Barrierefreiheit und ethische Bewertung sind ebenso prüfungsrelevant wie die Grundlagen Maschinellen Lernens.

3 Abschnitte·~11 Min Lesezeit·4 Kompetenzen·Stand 06/2026

T·101010 / 12
Prüfungsprofil
INF-HMI-1 · Usability-Prinzipien und WCAG-Barrierefreiheit anwendenINF-KI-1 · Überwachtes vs. unüberwachtes Lernen verstehenINF-KI-2 · Neuronale Netze als Funktionsapproximator beschreibenINF-KI-3 · Bias, Fairness und gesellschaftliche Folgen von KI bewerten
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard · Zeilenabstand: Kompakt

Medien immer laden: aus

Inhalt · 3 Abschnitte▾
  1. INF-HMI-KI - Mensch-Maschine-Interaktion und KI
    • 01Usability-Heuristiken und Barrierefreiheit◐
    • 02Maschinelles Lernen - überwacht, unüberwacht, Reinforcement◐
    • 03Neuronale Netze und ethische Bewertung (Bias, AI Act)●

3 Abschnitte · 15 Merksätze · 2 Formeln · 15 Fehlerwarnungen

§ 01
§ 01

Usability-Heuristiken und Barrierefreiheit#

~3 Min Lesezeit●●○StandardLPINF-HMI-1.1

Kernpunkte

Eine Software kann technisch perfekt und trotzdem unbenutzbar sein - Usability (Gebrauchstauglichkeit) und Barrierefreiheit entscheiden, ob Menschen sie wirklich nutzen können. Beides ist messbar (Aufgabenzeit, Fehlerrate, Zufriedenheit) und in OE für öffentliche Stellen sogar gesetzlich verpflichtend.
Nielsens 10 Usability-Heuristiken sind der Standard für schnelle Bewertungen, u. a.: Sichtbarkeit des Systemstatus, Übereinstimmung mit der realen Welt, Nutzerkontrolle, Konsistenz, Fehlervermeidung, Wiedererkennung statt Erinnerung, Flexibilität, minimalistisches Design, Hilfe beim Beheben von Fehlern sowie Hilfe/Dokumentation. Schon eine heuristische Evaluation mit wenigen Personen deckt viele Probleme auf (siehe Beispiel).
Barrierefreiheit im Web richtet sich nach den WCAG (Web Content Accessibility Guidelines), aufgebaut auf vier Prinzipien - POUR (): Wahrnehmbar, Bedienbar, Verständlich und Robust. Jedes Prinzip wird durch konkrete, überprüfbare Erfolgskriterien hinterlegt.

WCAG-Prinzipien (POUR)

WCAG POURTabelle mit 3 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Prinzip · Bedeutung · Maßnahme; Wahrnehmbar · für alle Sinne erfassbar · Alt-Texte, Kontrast 4,5:1; Bedienbar · Tastatur/Hilfsmittel nutzbar · Fokusreihenfolge, Skip-Links; Verständlich · klar und vorhersehbar · klare Sprache, Fehlertexte; Robust · mit Technologien kompatibel · semantisches HTML, ARIAPrinzipBedeutungMaßnahmeWahrnehmbarfür alle Sinne erfassbarAlt-Texte, Kontrast 4,5:1BedienbarTastatur/Hilfsmittel nutzbarFokusreihenfolge, Skip-LinksVerständlichklar und vorhersehbarklare Sprache, FehlertexteRobustmit Technologien kompatibelsemantisches HTML, ARIA
Abb. 1Die vier Grundprinzipien der Barrierefreiheit mit je einer typischen Maßnahme.
Abb. 1 ↓
Es gibt drei Konformitätsstufen: A (Minimum), AA (in OE gesetzlich gefordert) und AAA (höchste). Typische Maßnahmen sind Alt-Texte für Bilder, ausreichender Farbkontrast (Text 4,5:1), volle Tastaturbedienbarkeit, semantisches HTML und - nur wo nötig - ARIA-Labels.
Usability lässt sich günstig testen: Nach dem Nielsen-Landauer-Modell (Aufdeckrate L≈0,31L \approx 0{,}31L≈0,31) finden bereits 5 Testpersonen rund 85 % der Probleme; mehrere kleine Tests bringen mehr als ein einziger großer. Das macht iteratives Testen praktikabel.
Rechtlich verpflichtet in OE das Web-Zugänglichkeits-Gesetz (WZG) öffentliche Stellen zur Barrierefreiheit (WCAG 2.1 AA + EN 301 549). Häufige Fehler: Usability mit Ästhetik gleichsetzen, Barrierefreiheit für optional halten, oder ARIA-Labels statt nativer semantischer Tags einsetzen (Reihenfolge: nativ zuerst, ARIA nur als Notbehelf).

Vokabeln

→ Kartei
  • UsabilityGebrauchstauglichkeit: Effektivität, Effizienz und Zufriedenheit bei der Nutzung.
  • HeuristikErfahrungsregel zur Bewertung einer Oberfläche.
  • WCAGInternationale Richtlinien für barrierefreie Webinhalte.
  • KontrastverhältnisMessbares Verhältnis der Leuchtdichten von Text und Hintergrund.
  • AlternativtextTextbeschreibung eines Bildes für Screenreader.
  • ARIAAttributsatz zur Ergänzung fehlender Semantik; nur als Notbehelf.
Musterbeispiel

Heuristische Evaluation einer Formularseite

Ein Online-Formular zeigt nach dem Absenden weder einen Ladeindikator noch eine Fehlermeldung bei falscher Eingabe; Pflichtfelder sind nicht markiert. Ordne die Mängel Nielsen-Heuristiken und WCAG zu.

  1. 01Fehlender Ladeindikator

    Verletzt „Sichtbarkeit des Systemstatus" - der Nutzer weiß nicht, ob das Absenden läuft.

  2. 02Keine Fehlermeldung

    Verletzt „Hilfe beim Erkennen und Beheben von Fehlern"; das WCAG-Prinzip „Verständlich" verlangt klare Fehlerhinweise.

  3. 03Pflichtfelder unmarkiert

    Verletzt „Fehlervermeidung"; ohne Markierung (und ohne label bzw. aria-required) auch WCAG „Wahrnehmbar/Bedienbar".

  4. 04Maßnahmen

    Lade-Spinner mit aria-live, Inline-Fehlermeldungen, Pflichtfelder visuell und per aria-required kennzeichnen, ausreichender Kontrast.

Ergebnis: Schon an einem Formular zeigen sich mehrere Heuristik- und WCAG-Verstöße. Eine Evaluation mit rund 5 Testpersonen deckt laut Nielsen etwa 85 % solcher Probleme auf.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Usability ist messbar: Aufgabenzeit, Fehlerrate, Zufriedenheit.

  2. 2

    Nielsens 10 Heuristiken sind seit Jahrzehnten der goldene Standard für schnelle Heuristic Evaluations.

  3. 3

    Barrierefreiheit kommt allen zugute - nicht nur Menschen mit Behinderungen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank7 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere die WCAG-Richtlinien und ihre vier Prinzipien (POUR). Wie wird Barrierefreiheit in einer Webseite konkret umgesetzt?

Maturafokus

  • Nenne mindestens fünf Usability-Heuristiken und erläutere jede an einem konkreten Beispiel aus einer Anwendung.
  • Ordne die vier WCAG-Prinzipien zu - wahrnehmbar, bedienbar, verständlich, robust - und nenne die Konformitätsstufen A, AA und AAA.
  • Nenne je Prinzip eine konkrete Maßnahme: Alternativtext, Tastaturbedienbarkeit, Kontrastverhältnis, gültiges Markup.
  • Trenne Usability (Bedienbarkeit für alle) von Barrierefreiheit (Zugänglichkeit auch mit Beeinträchtigung).
  • Halte die Rangfolge ein: zuerst native semantische Elemente, ARIA nur als Notbehelf.

Typische Fehler

  • Usability wird mit Ästhetik gleichgesetzt.
  • Barrierefreiheit wird als freiwillig dargestellt; für öffentliche Stellen ist sie in Österreich rechtlich verpflichtend.
  • ARIA-Attribute werden statt semantischer Elemente eingesetzt.
  • Ein Kontrastproblem wird an der Farbwahl allein festgemacht; maßgeblich ist das gemessene Kontrastverhältnis.
  • Barrierefreiheit wird auf Blindheit verengt; motorische, kognitive und temporäre Einschränkungen zählen ebenso.

§ 01

Aktive Wiederholung

Prüfe eine selbstgewählte Webseite anhand der 10 Nielsen-Heuristiken. Welche Probleme findest du? Welche WCAG-Verstöße?

Passende Aufgaben üben100 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Nielsen: 10 Usability Heuristics (Nielsen Norman Group) · WCAG 2.2 Recommendation (W3C)

§ 02
§ 02

Maschinelles Lernen - überwacht, unüberwacht, Reinforcement#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPINF-KI-1.1

Kernpunkte

Maschinelles Lernen (ML) ist das Teilgebiet der KI, in dem ein System Muster aus Daten lernt, statt explizit programmiert zu werden. Man unterscheidet drei Paradigmen danach, welche Rückmeldung das Lernen leitet ().

ML-Paradigmen im Überblick

ML-ParadigmenTabelle mit 4 Spalten und 3 Zeilen, Daten: Paradigma · Daten · Verfahren · Anwendung; überwacht · Eingabe + Label · Regression, Decision Tree · Spam-Filter; unüberwacht · nur Eingabe · k-Means, PCA · Kundensegmentierung; Reinforcement · Belohnungssignal · Q-Learning · Spiele, RobotikParadigmaDatenVerfahrenAnwendungüberwachtEingabe + LabelRegression, Decision TreeSpam-Filterunüberwachtnur Eingabek-Means, PCAKundensegmentierungReinforcementBelohnungssignalQ-LearningSpiele, Robotik
Abb. 2Die drei Lernparadigmen unterscheiden sich darin, welche Rückmeldung das Lernen leitet.
Abb. 2 ↓
Beim überwachten Lernen enthalten die Trainingsdaten Eingaben und die gewünschten Labels (z. B. Bild + „Hund"); das Modell lernt eine Funktion f:X→Yf: X \to Yf:X→Y. Sind die Labels Kategorien, spricht man von Klassifikation, sind sie Zahlen, von Regression.
Beim unüberwachten Lernen gibt es keine Labels; das Modell findet selbst Struktur - etwa Clustering (k-Means, siehe Beispiel) oder Dimensionsreduktion (PCA). Beim Reinforcement Learning interagiert ein Agent mit einer Umgebung und lernt über Belohnung durch Versuch und Irrtum eine Strategie (Policy) - so trainieren AlphaGo und Steuerungen autonomer Systeme.
Daten teilt man in Trainings-, Validierungs- und Testmenge (z. B. 70/15/15), um die Generalisierung ehrlich zu messen. Die zentrale Gefahr ist Overfitting: Das Modell lernt die Trainingsdaten samt Rauschen auswendig und versagt auf neuen Daten. Gegenmittel sind Regularisierung, Early Stopping und Cross Validation; das Gegenteil ist Underfitting (Modell zu simpel).
Die Accuracy allein ist trügerisch, besonders bei unbalancierten Daten (sagt ein Modell bei 99 % „gesund" stets „gesund", hat es 99 % Accuracy und ist doch nutzlos). Aussagekräftiger sind die aus der Konfusionsmatrix abgeleiteten Maße Precision=TPTP+FP\text{Precision} = \tfrac{TP}{TP+FP}Precision=TP+FPTP​, Recall=TPTP+FN\text{Recall} = \tfrac{TP}{TP+FN}Recall=TP+FNTP​ und ihr harmonisches Mittel F1F_{1}F1​.
Klassische Verfahren sind lineare und logistische Regression, Entscheidungsbäume, Random Forests, SVM und k-Means. Häufige Fehler: „KI" und „ML" gleichsetzen (ML ist ein Teilgebiet der KI), die Accuracy als alleinige Metrik nennen, oder Trainings- und Testdaten vermischen (Data Leakage).

Vokabeln

→ Kartei
  • überwachtes LernenLernen aus Beispielen mit bekannten Zielwerten.
  • unüberwachtes LernenStrukturfindung in Daten ohne Zielwerte.
  • bestärkendes LernenLernen durch Belohnung und Bestrafung in einer Umgebung.
  • ÜberanpassungDas Modell lernt das Rauschen der Trainingsdaten mit.
  • WahrheitsmatrixTabelle richtiger und falscher Zuordnungen je Klasse.
  • ValidierungsdatenDatensatz zur Modellauswahl; getrennt von Training und Test.

Wichtige Klassifikationsmetriken

Precision=TPTP+FP,Recall=TPTP+FN,F1=2⋅P⋅RP+R\text{Precision} = \dfrac{TP}{TP+FP},\quad \text{Recall} = \dfrac{TP}{TP+FN},\quad F_{1} = 2\cdot\dfrac{P\cdot R}{P+R}Precision=TP+FPTP​,Recall=TP+FNTP​,F1​=2⋅P+RP⋅R​

TPTPTP sind richtig positive, FPFPFP falsch positive und FNFNFN falsch negative Zuordnungen. Die Präzision fragt „wie viele der als positiv gemeldeten stimmen?", die Trefferquote „wie viele der tatsächlich positiven wurden gefunden?"; das F1F_{1}F1​-Maß ist ihr harmonisches Mittel und wird bei ungleich großen Klassen der Genauigkeit vorgezogen.

Musterbeispiel

k-Means Clustering auf 2D-Datenpunkten (Schritt 1)

Gegeben Punkte (1 ;1),(1 ;2),(5 ;5),(5 ;6),(9 ;1)(1\,;1), (1\,;2), (5\,;5), (5\,;6), (9\,;1)(1;1),(1;2),(5;5),(5;6),(9;1) und k=2k=2k=2. Initialisiere Zentren bei (1 ;1)(1\,;1)(1;1) und (9 ;1)(9\,;1)(9;1) und berechne die erste Zuordnung.

  1. 01Distanzen Punkt -> Zentren

    (1 ;1)(1\,;1)(1;1) zu C1C_{1}C1​=0, C2C_{2}C2​=8; (1 ;2)(1\,;2)(1;2) zu C1C_{1}C1​=1, C2C_{2}C2​~8{,}06; (5 ;5)(5\,;5)(5;5) zu C1C_{1}C1​=32\sqrt{32}32​~5{,}66, C2C_{2}C2​=32\sqrt{32}32​~5{,}66 -> Tie.

  2. 02Zuordnung Cluster

    (1 ;1),(1 ;2)(1\,;1),(1\,;2)(1;1),(1;2) -> C1C_{1}C1​; (5 ;5),(5 ;6),(9 ;1)(5\,;5),(5\,;6),(9\,;1)(5;5),(5;6),(9;1) -> C2C_{2}C2​ (zufällig).

  3. 03Neue Zentren berechnen

    C1C_{1}C1​ neu = Mittel von (1 ;1),(1 ;2)=(1;1,5)(1\,;1),(1\,;2) = (1; 1{,}5)(1;1),(1;2)=(1;1,5); C2C_{2}C2​ neu = Mittel von (5 ;5),(5 ;6),(9 ;1)(5\,;5),(5\,;6),(9\,;1)(5;5),(5;6),(9;1) = (6,33;4)(6{,}33; 4)(6,33;4).

  4. 04Wiederholen

    Schritt 1 mit neuen Zentren wiederholen, bis sich nichts mehr ändert (Konvergenz).

Ergebnis: k-Means konvergiert nach wenigen Iterationen zu lokalem Optimum. Wahl von kkk und Initialwerten beeinflussen Resultat.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Im überwachten Lernen ist das Label dein Lehrer; im unüberwachten Lernen musst du selbst Struktur finden.

  2. 2

    k-Means ist ein Klassiker, leicht implementiert, aber Wahl von k bleibt eine Kunst.

  3. 3

    Vermeide Overfitting durch Validation, Regularisierung und genügend Daten.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank7 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere überwachtes und unüberwachtes Lernen. Beschreibe je ein typisches Verfahren und ein Anwendungsbeispiel.

Maturafokus

  • Unterscheide die drei Paradigmen an ihrer Rückmeldung: überwacht mit Zielwerten, unüberwacht ohne, bestärkend über Belohnung.
  • Erkläre Über- und Unteranpassung an der Lernkurve: auseinanderlaufende Kurven bedeuten Überanpassung.
  • Beherrsche die Wahrheitsmatrix und leite daraus Genauigkeit, Trefferquote und Präzision ab.
  • Begründe, warum Genauigkeit allein unbrauchbar ist, wenn eine Klasse selten vorkommt.
  • Trenne Trainings-, Validierungs- und Testdaten strikt; der Testsatz wird genau einmal verwendet.

Typische Fehler

  • Künstliche Intelligenz und maschinelles Lernen werden gleichgesetzt; das eine ist der Oberbegriff.
  • Die Genauigkeit wird als einzige Kennzahl genannt.
  • Trainings- und Testdaten werden vermischt; das Ergebnis ist wertlos.
  • Aus einem gefundenen Zusammenhang wird auf Ursächlichkeit geschlossen.
  • Überanpassung wird als zu wenig Training gedeutet; sie entsteht durch zu viel Anpassung an das Rauschen.

§ 02

Aktive Wiederholung

Erkläre Overfitting an einem Polynom-Fit: warum liefert ein Polynom 10. Grades perfekte Training-Accuracy, aber schlechte Test-Accuracy?

Passende Aufgaben üben100 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Mitchell: Machine Learning (Klassiker) (McGraw-Hill) · scikit-learn user guide (INRIA / Community)

§ 03
§ 03

Neuronale Netze und ethische Bewertung (Bias, AI Act)#

~4 Min Lesezeit●●●VertiefungLPINF-KI-2.1LPINF-KI-3.1

Kernpunkte

Neuronale Netze sind heute das mächtigste ML-Werkzeug - sie können prinzipiell beliebige Funktionen approximieren und treiben Bild-, Sprach- und generative KI an. Mit dieser Macht kommen aber gesellschaftliche Risiken wie Bias, die ebenso prüfungsrelevant sind.
Grundbaustein ist das künstliche Neuron: Es bildet die gewichtete Summe seiner Eingaben plus einen Bias und schickt sie durch eine Aktivierungsfunktion, y=σ(∑iwixi+b)y = \sigma(\sum_{i} w_{i}x_{i} + b)y=σ(∑i​wi​xi​+b). Die Nichtlinearität (Sigmoid, ReLU) ist entscheidend - ohne sie wäre das ganze Netz nur eine lineare Abbildung.
Ein neuronales Netz stapelt Neuronen in Schichten: eine Input-Schicht, eine oder mehrere Hidden-Schichten und eine Output-Schicht (). „Deep Learning" heißt einfach: mehr als eine verborgene Schicht. Mehr Schichten erlauben komplexere Muster, brauchen aber mehr Daten und Rechenleistung.

Einfaches neuronales Netz (Feedforward)

Feedforward-Netz (3-4-2)Netzgraph, x1 → h1, x1 → h2, x1 → h3, x1 → h4, x2 → h1, x2 → h2, x2 → h3, x2 → h4, x3 → h1, x3 → h2, x3 → h3, x3 → h4, h1 → y1, h1 → y2, h2 → y1, h2 → y2, h3 → y1, h3 → y2, h4 → y1, h4 → y2x1x2x3h1h2h3h4y1y2
Abb. 3Eingabeschicht (3 Neuronen), versteckte Schicht (4) und Ausgabeschicht (2), vollständig verbunden. Jedes Neuron berechnet y = σ(W·x + b) mit Gewichten W, Bias b und Aktivierungsfunktion σ.
Abb. 3 ↓
Gelernt wird per Backpropagation: Man misst den Fehler über eine Loss-Funktion (z. B. Cross-Entropy), propagiert ihn rückwärts durchs Netz und passt jedes Gewicht per Gradientenabstieg ein wenig in die fehlerverringernde Richtung. Über viele Durchläufe (Epochen) sinkt der Loss.
Spezialarchitekturen passen sich der Datenform an: CNN (Faltung + Pooling) für Bilder, RNN und vor allem Transformer für Sequenzen und Sprache (die Basis der großen Sprachmodelle), GAN für die Bildgenerierung.
Bias entsteht vor allem aus verzerrten Trainingsdaten (siehe Beispiel: ein HR-Tool, das aus historischen Daten Geschlechter-Diskriminierung lernt) - rein technische Korrekturen genügen nicht, nötig sind Datenkuration, Fairness-Metriken, Erklärbarkeit und menschliche Aufsicht. Rechtlich rahmen das der EU AI Act (Risikoklassen verboten / hochrisiko / Transparenz / minimal; Hochrisiko-Systeme brauchen eine Konformitätsprüfung) und DSGVO Art. 22 (Schutz vor rein automatisierten Entscheidungen). Häufige Fehler: das Netz als „Black Box" hinnehmen, CNN und RNN gleichsetzen, oder Bias als rein technisches Problem darstellen.

Vokabeln

→ Kartei
  • NeuronRecheneinheit, die gewichtete Eingaben summiert und durch eine Aktivierungsfunktion schickt.
  • AktivierungsfunktionNichtlineare Funktion; ohne sie wäre das Netz nur eine lineare Abbildung.
  • RückwärtsausbreitungVerfahren zur Anpassung der Gewichte über den rückwärts weitergegebenen Fehler.
  • GradientenabstiegSchrittweise Anpassung entlang des steilsten Abstiegs der Fehlerfunktion.
  • algorithmische VerzerrungSystematische Benachteiligung, die aus Daten oder Modellbau stammt.
  • ErklärbarkeitNachvollziehbarkeit einer Modellentscheidung für Menschen.

Neuron mit Sigmoid-Aktivierung

y=σ(Wx+b),σ(z)=11+e−zy = \sigma(W x + b),\quad \sigma(z) = \dfrac{1}{1+e^{-z}}y=σ(Wx+b),σ(z)=1+e−z1​

WWW ist die Gewichtsmatrix, xxx der Eingabevektor und bbb der Schwellenwert. Die Sigmoidfunktion staucht jeden Wert in das Intervall zwischen 0 und 1; ohne eine solche NICHTLINEARE Funktion wäre auch ein tiefes Netz nur eine einzige lineare Abbildung.

Musterbeispiel

Algorithmic Bias - Fall HR-Tool

Ein Bewerbungsfilter wurde mit historischen Lebensläufen trainiert. Warum bevorzugt er Männer?

  1. 01Datenherkunft

    Historische Einstellungen reflektieren vergangene Praxis - hier eine männliche Belegschaft.

  2. 02Modell lernt Muster

    Features wie "Frauenhochschule" oder Hobby "Frauen-Fussballverein" werden negativ korreliert.

  3. 03Konsequenz

    Frauen-Bewerbungen werden niedriger bewertet, obwohl Geschlecht nicht als Feature angegeben war.

  4. 04Gegenmassnahmen

    Bias-Audit, Re-Weighting, Removing Sensitive Features (mit Proxy-Prüfung), externe Prüfung gemäß AI Act.

Ergebnis: Bias entsteht aus Trainingsdaten; technische Korrekturen alleine reichen nicht - notwendig sind Datenkuration, Fairness-Metriken und menschliche Aufsicht.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Ein neuronales Netz ist ein Funktionsapproximator - mit genügend Schichten kann es beliebige Funktionen lernen.

    Einfaches neuronales Netz (Feedforward)

    Feedforward-Netz (3-4-2)Netzgraph, x1 → h1, x1 → h2, x1 → h3, x1 → h4, x2 → h1, x2 → h2, x2 → h3, x2 → h4, x3 → h1, x3 → h2, x3 → h3, x3 → h4, h1 → y1, h1 → y2, h2 → y1, h2 → y2, h3 → y1, h3 → y2, h4 → y1, h4 → y2x1x2x3h1h2h3h4y1y2
    Abb.Eingabeschicht (3 Neuronen), versteckte Schicht (4) und Ausgabeschicht (2), vollständig verbunden. Jedes Neuron berechnet y = σ(W·x + b) mit Gewichten W, Bias b und Aktivierungsfunktion σ.
  2. 2

    Backpropagation ist die Mathematik dahinter: Fehler rückwärts durchs Netz schicken und Gewichte anpassen.

  3. 3

    Bias ist kein technisches Problem allein - es ist ein gesellschaftliches, das technisch nur teilweise lösbar ist.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank7 Punkte

Aufgabenstellung

Beschreibe den Aufbau eines neuronalen Netzes. Diskutiere die Problematik von Bias in KI-Systemen anhand eines konkreten Falls. Welche regulatorischen Antworten gibt es?

Maturafokus

  • Beschreibe ein Vorwärtsnetz mit Eingabeschicht, verborgenen Schichten, Gewichten und Aktivierungsfunktion.
  • Erkläre die Rückwärtsausbreitung in einem Satz: Der Fehler wird schichtweise rückwärts weitergegeben und die Gewichte entlang des Gradienten angepasst.
  • Unterscheide die Netztypen nach ihrer Datenform: gefaltete Netze für Bilder, rückgekoppelte für Sequenzen.
  • Benenne die Herkunft von Verzerrungen: Die Daten spiegeln die Ungleichheiten der Wirklichkeit wider, das Modell verstärkt sie.
  • Ordne den europäischen Rechtsrahmen ein - risikobasierte Einstufung im AI Act und das Recht auf menschliche Prüfung automatisierter Entscheidungen.

Typische Fehler

  • Das neuronale Netz wird als undurchschaubar hingenommen, ohne Erklärbarkeit zu thematisieren.
  • Gefaltete und rückgekoppelte Netze werden gleichgesetzt.
  • Verzerrung wird als rein technisches Problem dargestellt; ihre Ursache liegt in den Daten und ihrer Auswahl.
  • Mehr Schichten werden pauschal als besser angenommen; ohne genügend Daten steigt nur die Überanpassung.
  • Ein hoher Testwert wird als Beleg für Fairness gelesen; Verzerrungen zeigen sich erst in der Auswertung je Gruppe.

§ 03

Aktive Wiederholung

Recherchiere einen realen Fall von KI-Bias (z.B. Amazon Recruiting Tool, COMPAS, Twitter Image Cropping). Wie hätte man ihn vermeiden können?

Passende Aufgaben üben100 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: EU AI Act - Verordnung 2024/1689 (EU) · Goodfellow, Bengio, Courville: Deep Learning (MIT Press)

Stand 06/2026 · Vollständige Fassung über den Tiefenregler — gleiche Stelle, gleiche Anker

Inhalt

Abschnitt -- / 03

    • 01Usability-Heuristiken und Barrierefreiheit◐
    • 02Maschinelles Lernen - überwacht, unüberwacht, Reinforcement◐
    • 03Neuronale Netze und ethische Bewertung (Bias, AI Act)●

0/3 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

INF-HMI-KI - Mensch-Maschine-Interaktion und KI

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

~11
Min
4
Kompetenzen
100
Fragen
Üben
Beispielfrage

Erläutere die WCAG-Richtlinien und ihre vier Prinzipien (POUR). Wie wird Barrierefreiheit in einer Webseite konkret umgesetzt?

7 BE · 2023

Zur Fragenbank
Wiederholung planen

Belege & Quellen

Quellen

Nielsen Norman Group

  • Nielsen: 10 Usability Heuristics

W3C

  • WCAG 2.2 Recommendation

McGraw-Hill

  • Mitchell: Machine Learning (Klassiker)

INRIA / Community

  • scikit-learn user guide

EU

  • EU AI Act - Verordnung 2024/1689

MIT Press

  • Goodfellow, Bengio, Courville: Deep Learning

Siehe auch

  • INF-WebSE - Webentwicklung und Software EngineeringBarrierefreiheit wird im Markup umgesetzt, nicht nachträglich aufgesetzt.
  • INF-Sec - IT-Sicherheit, Kryptografie und DatenschutzDSGVO und AI Act setzen den rechtlichen Rahmen für datengetriebene Systeme.
  • INF-Alg - Algorithmen, Programmierung und KomplexitätMaschinelles Lernen ist Optimierung - dieselbe Denkweise wie bei Greedy und DP.

Vorheriges Thema

INF-WebSE - Webentwicklung und Software Engineering

Nächstes Thema

INF-OOP - Programmierparadigmen und Objektorientierung

EuraStudy·Notizen T·10·MMXXVI

Weiter mit dem nächsten Thema — der Lernpfad bleibt erhalten.