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Notizen/Deutsch/D 4 - Erörterung (linear, dialektisch, textbasiert)
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D 4 - Erörterung (linear, dialektisch, textbasiert)

Die Erörterung ist die am häufigsten geprüfte Textsorte der SRDP-Deutschklausur; ihre zentrale Schreibhandlung ist die Argumentation. Drei Spielarten: linear (eine Position differenziert), dialektisch (Pro/Kontra), textbasiert (gestützt auf Beilagentext). Diese Sektion vermittelt Aufbau, Argumentqualität und Sprache.

6 Abschnitte·~24 Min Lesezeit·2 Kompetenzen·Stand 06/2026

T·0444 / 13
Prüfungsprofil
D-S-3.4 · Erstellen von linearen und dialektischen ErörterungenD-S-3.5 · Textbasiert argumentieren - Beilage funktional verwenden
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. D 4 - Erörterung (linear, dialektisch, textbasiert)
    • 01Drei Erörterungstypen und ihre Strukturen◐
    • 02Argumentqualität steigern - die Vierschritt-Formel◐
    • 03Synthetische Schlussposition formulieren◐
    • 04Einleitung und Leitfrage präzise setzen○
    • 05Beilage funktional verarbeiten - Zitat, indirekte Rede, Distanz●
    • 06Argumentatives Sprachregister und Sachlichkeit◐

6 Abschnitte · 30 Merksätze · 0 Formeln · 30 Fehlerwarnungen

§ 01
§ 01

Drei Erörterungstypen und ihre Strukturen#

~5 Min Lesezeit●●○StandardLPD-S-3.4

Kernpunkte

Die Erörterung tritt in drei Bauformen auf, und die Aufgabenstellung legt fest, welche gemeint ist. zeigt das Sanduhrmodell der dialektischen Form, die Argumentstruktur, die allen dreien zugrunde liegt. Wer den Typ falsch bestimmt, schreibt einen sprachlich guten Text der falschen Sorte — der teuerste Einzelfehler dieser Textsorte.

Dialektische Erörterung - Sanduhrmodell

Dialektische ErörterungNetzgraph, Leitfrage → Pro, Leitfrage → Kontra, Pro → Abwägung, Kontra → Abwägung, Abwägung → SyntheseLeitfrageProKontraAbwägungSynthese
Abb. 1Von der strittigen Leitfrage über Pro- und Kontra-Argumente zur Abwägung und zur synthetischen Schlussposition (Position, Bedingungen, Konsequenz). Die stärkere Seite steht im Schluss, ohne die andere zu ignorieren.

Argumentationsbaum - These, Argument, Beleg

ArgumentationsbaumBaumdiagramm, 6 Pfade, Daten: Argument 1 → Beleg; Argument 1 → Beispiel; Argument 2 → Studie; Argument 2 → Zitat; Argument 3 → Statistik; Argument 3 → ErfahrungArgument 1Argument 2Argument 3TheseBelegBeispielStudieZitatStatistikErfahrung
Abb. 2Hierarchische Struktur einer Argumentation: jede These wird durch Argumente, jedes Argument durch Belege gestützt. Aus den geprüften Argumenten folgt die begründete Schlussposition.
Abb. 1 ↓Abb. 2 ↓
Die lineare oder steigernde Erörterung baut EINE Position differenziert aus: drei bis fünf Argumente in steigender Wichtigkeit, ohne Gegenposition. Das schwächste Argument steht vorn, das stärkste am Schluss des Hauptteils — die Steigerung ist konstitutiv und nicht bloß eine Empfehlung. Eine bloße Aufzählung gleichrangiger Punkte verfehlt den Typ.
Die dialektische Erörterung stellt zwei Positionen gegenüber: Pro-Block, Kontra-Block, Abwägung, synthetische Schlussposition. Sie ist die richtige Form bei strittigen Fragen mit klarer Ja-Nein-Struktur. Entscheidend ist der vierte Schritt: Ohne begründete eigene Position ist der Text ein neutraler Vergleich und damit textsortenwidrig.
Die textbasierte Erörterung stützt sich auf die Beilage als Anlass, Argumentquelle und Gegenposition. Im SRDP-Format ist der Materialbezug verpflichtend und geht in die Bewertung ein; eine reine Wissenserörterung ohne Beilagenbezug ist nicht formatkonform. Mindestens drei über den Text verteilte, ausdrückliche Materialbezüge sind der praktikable Richtwert.
Unabhängig vom Typ folgt jedes Argument der Vierschritt-Formel: Behauptung, Begründung, Beleg oder Beispiel, Rückbindung an die Leitfrage. Der vierte Schritt fehlt am häufigsten — und ohne ihn bleibt ein Absatz eine Beobachtung statt eines Beitrags zur Frage.
Der Wortumfang richtet sich nach der Aufgabenstellung: 405–495 oder 540–660 Wörter. Für 540 Wörter ergibt sich ein tragfähiges Budget von rund 80 Wörtern Einleitung, 360 Wörtern Hauptteil und 100 Wörtern Schluss. Der Schlussabsatz enthält immer eine begründete Position — „Es kommt darauf an" ist keine Position, sondern deren Verweigerung.

Vokabeln

→ Kartei
  • Lineare ErörterungEine Position, drei bis fünf Argumente in steigender Wichtigkeit.
  • Dialektische ErörterungPro-Block, Kontra-Block, Abwägung, synthetische Position.
  • Textbasierte ErörterungErörterung mit verpflichtendem Bezug auf die Beilage.
  • Vierschritt-FormelBehauptung - Begründung - Beleg - Rückbindung.
  • SyntheseEigene Position, die über den Pro-Kontra-Gegensatz hinausgeht.
  • MaterialbezugAusdrücklicher, funktionaler Rückgriff auf die Textbeilage.
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Musterbeispiel

Dialektische Erörterung - Pro/Kontra-Plan in 8 Minuten

Plane eine dialektische Erörterung zur Frage "Soll der Gratiseintritt in österreichischen Bundesmuseen für alle bis 19 Jahre erhalten bleiben?". Wortumfang 540-660. Beilage: Kommentar pro Erhalt und Statistik der Besucherzahlen 2020-2024.

  1. 01Leitfrage zuspitzen

    Ja/Nein-Frage in eine differenzierte Leitfrage übersetzen: "Welche bildungspolitischen und finanziellen Argumente sprechen für/gegen die Beibehaltung des Gratiseintritts?". So vermeidet der Schluss eine bloß bejahende Floskel.

  2. 02Pro-Block (3 Argumente, ca. 180 W.)

    A1: Bildungsgerechtigkeit (Beleg: Beilage zeigt Verdreifachung der unter-19-Besucher seit 2010). - A2: Demokratiebildung (Beleg: Museum als außerschulischer Lernort, Kommentar zitiert UNESCO-Studie). - A3: Geringer Steuerausfall (Beleg: ca. 5 Mio. Euro/Jahr - 0,01 % des Bundesbudgets).

  3. 03Kontra-Block (2-3 Argumente, ca. 150 W.)

    A4: Mitnahmeeffekt (Familien mit hohem Einkommen profitieren genauso wie sozial Schwache - Gießkannenprinzip). - A5: Finanzbedarf der Museen (Eintrittsausfälle könnten Investitionen in Vermittlungsprogramme blockieren). - A6 (optional): Andere Bildungsangebote würden mehr Nutzen bringen (Theater-, Konzertgutscheine).

  4. 04Abwägung (ca. 120 W.)

    Maßstab offenlegen: "Aus bildungspolitischer Perspektive wiegt A1 (Bildungsgerechtigkeit) schwerer als A4 (Mitnahmeeffekt), weil A4 durch eine einfache Einkommensbindung lösbar wäre - A1 dagegen verlangt strukturellen Zugang, der nicht über jährlich neu zu beantragende Gutscheine ersetzt werden kann."

  5. 05Synthetische Schlussposition (ca. 80 W.)

    NICHT bloß "Ja, der Gratiseintritt soll bleiben." - sondern: "Der Gratiseintritt sollte erhalten bleiben, aber mit zwei Erweiterungen: (1) zusätzliche Förderung von Vermittlungsprogrammen aus dem Kulturbudget, (2) Evaluation der Besucherzusammensetzung alle drei Jahre, um die soziale Reichweite zu prüfen." - Position + Bedingungen + Prüfkriterium.

Ergebnis: Plan in 8 Minuten erstellt: 4 Blöcke, klare Wortgrenzen, jedes Argument hat Beleg. Wichtig: Im Schlussabsatz steht IMMER eine begründete Position - "Es kommt darauf an" reicht nicht. IQS-Raster honoriert klare Schlüsse mit voller Inhaltsdimension.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Drei Erörterungstypen: linear, dialektisch, textbasiert - jede mit eigener Struktur.

    Dialektische Erörterung - Sanduhrmodell

    Dialektische ErörterungNetzgraph, Leitfrage → Pro, Leitfrage → Kontra, Pro → Abwägung, Kontra → Abwägung, Abwägung → SyntheseLeitfrageProKontraAbwägungSynthese
    Abb.Von der strittigen Leitfrage über Pro- und Kontra-Argumente zur Abwägung und zur synthetischen Schlussposition (Position, Bedingungen, Konsequenz). Die stärkere Seite steht im Schluss, ohne die andere zu ignorieren.
  2. 2

    Die dialektische Erörterung folgt einer Sanduhrlogik: oben Frage, in der Mitte Abwägung, unten Position.

  3. 3

    Schluss ist IMMER begründete Position - nie "es kommt darauf an".

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Verfassen Sie eine textbasierte Erörterung zur Frage "Soll der Schulbeginn an österreichischen AHS auf 9 Uhr verschoben werden?". Beziehen Sie sich auf die Beilage "Chronobiologie und Schule" von Dr. Klaus Hauer (Forschung & Lehre, 2023, 720 Wörter). Wortumfang 540-660.

Maturafokus

  • Bestimme den Erörterungstyp aus der Aufgabenstellung: Ja-Nein-Frage → dialektisch, offene Wie- oder Warum-Frage → linear.
  • Baue in der linearen Erörterung die Argumente in steigender Wichtigkeit auf, nicht als gleichrangige Aufzählung.
  • Verwende die Beilage funktional und verteile mindestens drei ausdrückliche Materialbezüge über den Text.
  • Führe jedes Argument nach der Vierschritt-Formel und schließe es mit der Rückbindung an die Leitfrage ab.
  • Formuliere im Schluss eine begründete eigene Position - bei der dialektischen Erörterung ist sie Pflicht.

Typische Fehler

  • Statt einer dialektischen Erörterung wird ein neutraler Pro-Kontra-Vergleich abgeliefert - die Pflicht-Schlussposition fehlt.
  • Die lineare Erörterung wird mit einer Aufzählung verwechselt; die Steigerung der Argumentwichtigkeit fehlt.
  • Die Beilage wird nur in der Einleitung erwähnt und danach vergessen - der textbasierte Anspruch bleibt unerfüllt.
  • Die Rückbindung an die Leitfrage fehlt; die Absätze stehen nebeneinander statt zu antworten.
  • Der Wortumfang wird nicht auf Einleitung, Hauptteil und Schluss verteilt - der Schluss gerät zum Restsatz.

§ 01

Aktive Wiederholung

Plane drei verschiedene Erörterungen zum Thema "Hausaufgaben": (1) linear "Welche Funktion haben Hausaufgaben im Lernprozess?", (2) dialektisch "Sollen Hausaufgaben abgeschafft werden?", (3) textbasiert mit einer fiktiven Beilage. Notiere für jede die Argumentstruktur in 8 Minuten.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF Schreibhandbuch Deutsch - Erörterung (BMBWF) · IQS SRDP Aufgabenarchiv Deutsch (IQS)

§ 02
§ 02

Argumentqualität steigern - die Vierschritt-Formel#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPD-S-3.4.2

Kernpunkte

Ein vollständiges Argument hat vier Schritte: Behauptung, Begründung, Beleg oder Beispiel, Rückbindung an die Leitfrage. zeigt diese Schichtung. Jeder Hauptabsatz folgt dem Schema — und der Unterschied zwischen einem mittleren und einem starken Text besteht fast immer darin, ob die Schritte drei und vier wirklich ausgeführt sind.

Argumentationsbaum - These, Argument, Beleg

ArgumentationsbaumBaumdiagramm, 6 Pfade, Daten: Argument 1 → Beleg; Argument 1 → Beispiel; Argument 2 → Studie; Argument 2 → Zitat; Argument 3 → Statistik; Argument 3 → ErfahrungArgument 1Argument 2Argument 3TheseBelegBeispielStudieZitatStatistikErfahrung
Abb. 3Hierarchische Struktur einer Argumentation: jede These wird durch Argumente, jedes Argument durch Belege gestützt. Aus den geprüften Argumenten folgt die begründete Schlussposition.
Abb. 3 ↓
Die Argumentstärke entsteht durch die Art des Belegs, und die Typen sind unterschiedlich belastbar: empirische Studien und konkrete Zahlen tragen am weitesten, Expertenmeinungen brauchen die Zuständigkeit der Instanz, historische Parallelen die Vergleichbarkeit der Fälle, persönliche Erfahrungen tragen am wenigsten. Zwei verschiedene Belegtypen zu einem Argument sind stärker als zwei gleiche.
Der Beispiel-Trichter führt vom Allgemeinen zum Konkreten und macht ein Argument anschaulich, ohne es auf die Anekdote zu reduzieren: zuerst die allgemeine Aussage, dann die belastbare Größenordnung mit Quelle, dann der konkrete Einzelfall. Wichtig ist dabei die Ehrlichkeit der mittleren Stufe — eine Zahl gehört nur in den Text, wenn Sie ihre Quelle wirklich kennen; ist keine belastbare Zahl verfügbar, bleibt der Trichter zweistufig.
Die Vorwegnahme des Gegenarguments (procatalepsis) hebt die Argumentation sichtbar: „Man könnte einwenden, dass … — dies trifft jedoch nur dann zu, wenn …". Sie zeigt, dass die eigene Position geprüft wurde, und ist damit genau das Merkmal, das die höheren Niveaustufen in der Dimension Inhalt beschreiben.
Schwache Argumentformen sind benennbar und deshalb vermeidbar: die bloß behauptete Wertung („das ist wichtig"), die unbelegte Verallgemeinerung („alle", „keiner", „immer") und das zirkuläre Argument, das seine eigene Behauptung als Begründung wiederholt. Sie wirken beim Schreiben selbstverständlich und sind beim Lesen sofort als inhaltsleer erkennbar.
Konnektoren machen die Argumentlogik hörbar und sollten nach Funktion gewählt werden: zunächst und darüber hinaus (Reihung), andererseits und demgegenüber (Gegensatz), hingegen (Einschränkung), daher, folglich und somit (Folge), abschließend und insgesamt (Schluss). Zwei bis drei pro Absatz genügen — mehr wirkt gestapelt statt verknüpft.

Vokabeln

→ Kartei
  • ProcatalepsisVorwegnahme und Entkräftung des Gegenarguments.
  • BelegtypStudie, Zahl, Expertenmeinung, historische Parallele, Erfahrung.
  • Beispiel-TrichterVom Allgemeinen über die Größenordnung zum Einzelfall.
  • Zirkuläres ArgumentFehlform: die Behauptung wird als eigene Begründung wiederholt.
  • KonnektorVerknüpfungswort, das die Argumentlogik sichtbar macht.
  • RückbindungVierter Argumentschritt: Anschluss an die Leitfrage.
Musterbeispiel

Vierschritt-Argument an einem Beispiel

Position: "Verpflichtende Ferienarbeit im Bachelorstudium sollte abgeschafft werden." Schreibe ein vollständiges Vierschritt-Argument für diese Position.

  1. Schritt 1: Behauptung

    "Verpflichtende Ferienarbeit benachteiligt Studierende ohne finanzielle Familienunterstützung."

  2. Schritt 2: Begründung

    "Wer keinen finanziellen Rückhalt hat, muss in den Semesterferien Geld verdienen - die zusätzliche Pflicht zur unbezahlten Praxisarbeit verdoppelt den Arbeitsdruck."

  3. Schritt 3: Beleg/Beispiel

    "Eine Studie der ÖH (2023) belegt, dass Studierende aus einkommensschwachen Familien doppelt so häufig ihr Studium wegen Zeitnot abbrechen wie ihre Kommilitonen mit Elternfinanzierung. Konkret: Maria, 21, Studentin der Sozialwissenschaften, musste 2024 das Studium unterbrechen, weil verpflichtende Sommerpraktika ihre Kellnerinnen-Arbeit unmöglich gemacht hätten."

  4. Schritt 4: Rückbindung

    "Soziale Chancengleichheit setzt voraus, dass das Studium nicht zusätzliche unbezahlte Pflichten auferlegt - daher ist die Abschaffung der verpflichtenden Ferienarbeit ein Schritt zur strukturellen Gerechtigkeit."

Ergebnis: Vierschritt-Argument ist ca. 130 Wörter - in einer 540-Wörter-Erörterung passen 3 solche Argumente plus Einleitung und Schluss. Damit ist die Inhaltsdimension auf Niveau 4 abgesichert.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Vierschritt-Argument: Behauptung - Begründung - Beleg - Rückbindung. Lerne das wie Vokabeln.

  2. 2

    Belegtypen mischen: Studie + Zahl + Beispiel ist stärker als drei Beispiele.

  3. 3

    Gegenargumente vorausnehmen zeigt Souveränität - das honoriert die Inhaltsdimension.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

In einer linearen Erörterung zum Thema "Funktion der Kunst in der modernen Gesellschaft" entwickeln Sie drei Argumente für die These "Kunst ist gesellschaftlich notwendig". Jedes Argument muss dem Vierschritt-Format folgen (Behauptung - Begründung - Beleg - Rückbindung).

Maturafokus

  • Führe jedes Argument in vier Schritten aus und prüfe besonders Beleg und Rückbindung.
  • Kombiniere zwei verschiedene Belegtypen zu einem Argument statt zweimal denselben.
  • Nimm mindestens ein Gegenargument ausdrücklich vorweg und entkräfte es begründet.
  • Verwende eine Zahl nur, wenn du ihre Quelle kennst - sonst bleibt der Beispiel-Trichter zweistufig.
  • Wähle Konnektoren nach ihrer logischen Funktion und begrenze sie auf zwei bis drei pro Absatz.

Typische Fehler

  • Argumente bleiben zweischrittig (Behauptung plus Begründung) - Beleg und Rückbindung fehlen.
  • Beispiele stehen ohne die allgemeine Aussage, die sie stützen sollen; sie wirken als Anekdote.
  • Konnektoren werden inflationär verwendet ("außerdem" in jedem Absatz) oder fehlen ganz.
  • Eine Zahl wird ohne Quelle genannt und wirkt dadurch erfunden statt belegend.
  • Wertungen werden behauptet statt begründet ("das ist wichtig") und tragen kein Argument.

§ 02

Aktive Wiederholung

Nimm drei eigene Argumente aus einer älteren Erörterung und schreibe sie ins Vierschritt-Format um. Vergleiche Wortzahl und Wirkung vor/nach der Umformulierung.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Toulmin: Der Gebrauch von Argumenten (Suhrkamp) · BMBWF Schreibhandbuch - Argumentationsformen (BMBWF)

§ 03
§ 03

Synthetische Schlussposition formulieren#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPD-S-3.4.3

Kernpunkte

Der Schluss einer Erörterung ist keine Zusammenfassung, sondern die begründete Synthese: Er macht aus zwei gegenübergestellten Positionen eine eigene, die über den Pro-Kontra-Konflikt hinausgeht. zeigt das Sanduhrmodell, dessen unteres Ende genau diese Verengung auf eine Position darstellt.

Dialektische Erörterung - Sanduhrmodell

Dialektische ErörterungNetzgraph, Leitfrage → Pro, Leitfrage → Kontra, Pro → Abwägung, Kontra → Abwägung, Abwägung → SyntheseLeitfrageProKontraAbwägungSynthese
Abb. 4Von der strittigen Leitfrage über Pro- und Kontra-Argumente zur Abwägung und zur synthetischen Schlussposition (Position, Bedingungen, Konsequenz). Die stärkere Seite steht im Schluss, ohne die andere zu ignorieren.
Abb. 4 ↓
Drei Elemente tragen den Schluss: die Position (eine klare Antwort auf die Leitfrage), die Bedingungen (unter welchen Voraussetzungen sie gilt) und das Prüfkriterium (woran sich erkennen ließe, ob sie richtig war). Das dritte Element fehlt fast immer — und es ist genau das, was eine Meinung von einer geprüften Position unterscheidet.
Drei Formulierungen sind als Schluss unbrauchbar, weil sie die Position verweigern: „Es kommt darauf an" (keine Antwort), „Sowohl als auch" (keine Synthese) und „Letztlich muss jeder selbst entscheiden" (Abgabe der Verantwortung, die die Aufgabe gerade verlangt).
Starke Schlussfiguren gibt es dagegen mehrere, und sie sind lernbar: die bedingte Position („X sollte dann gelten, wenn …"), die abgestufte Position („in der Unterstufe X, in der Oberstufe Y") und das Stufenmodell („ein erster Schritt wäre X, langfristig dann Y"). Alle drei erlauben eine differenzierte Antwort, ohne die Entscheidung zu umgehen.
Der Schluss greift die Beilage ein letztes Mal auf und rundet damit die textbasierte Erörterung. Die Form macht den Unterschied: nicht „Die Beilage hat gezeigt …" (das wäre Referat), sondern „Im Anschluss an die Position der Beilage lässt sich …" (das ist Anschluss). Neue Argumente gehören nicht in den Schluss — die Position muss aus dem Hauptteil ableitbar sein.
Der Schlussabsatz umfasst rund 80 bis 100 Wörter, also etwa fünfzehn Prozent des Textes: kurz, dicht und mit klarer Position. Ein schwacher Schluss begrenzt die Dimension Inhalt zuverlässig auf die mittlere Niveaustufe, ein starker ist die Voraussetzung für die oberste — an keiner anderen Stelle des Textes ist der Punktertrag pro Wort so hoch.

Vokabeln

→ Kartei
  • Synthetische PositionEigene Antwort, die über den Pro-Kontra-Gegensatz hinausgeht.
  • Bedingte PositionSchlussfigur: X gilt dann, wenn Y.
  • Abgestufte PositionSchlussfigur: unterschiedliche Antwort je nach Bereich.
  • StufenmodellSchlussfigur: erster Schritt jetzt, weiterer Schritt später.
  • PrüfkriteriumWoran sich erkennen ließe, ob die Position zutrifft.
  • SanduhrmodellBauform der dialektischen Erörterung: Öffnung, Abwägung, Verengung.
Musterbeispiel

Drei Schlussvarianten - schwach, mittel, stark

Thema: "Sollen Schulen Smartphone-Nutzung verbieten?" - Pro-Hauptteil: Konzentration, Suchtverhalten, Sozialfunktion. Kontra-Hauptteil: Medienkompetenz, Notfälle, Lernhilfe.

  1. 01Schwacher Schluss (zu vermeiden)

    "Alles in allem ist es wichtig, das Thema differenziert zu betrachten. Es gibt gute Argumente für und gegen ein Verbot. Letztlich muss jede Schule selbst entscheiden, was am besten ist." - Position fehlt, Floskel, Verantwortungsabgabe.

  2. 02Mittlerer Schluss (Niveau 3)

    "Insgesamt überwiegen die Argumente gegen ein vollständiges Verbot, weil Medienkompetenz ein wichtiges Lernziel ist. Schulen sollten daher klare Nutzungsregeln einführen statt pauschale Verbote." - Position vorhanden, aber keine Bedingungen oder Prüfkriterium.

  3. 03Starker Schluss (Niveau 4)

    "Die Argumente sprechen für eine differenzierte Lösung: ein striktes Verbot in den Pausen der Unterstufe (Schutz der sozialen Interaktion) und eine begleitete Nutzung im Unterricht der Oberstufe (Aufbau von Medienkompetenz). Voraussetzung dafür ist eine schulische Medienbildungskonzeption, die alle Lehrkräfte einbezieht. Der Erfolg lässt sich an zwei Indikatoren messen: messbarer Konzentrationsgewinn in der Unterstufe und kompetente Gerätehandlung der Maturantinnen." - Position + Bedingung + Prüfkriterium.

Ergebnis: Der starke Schluss ist ca. 80 Wörter, enthält eine klare differenzierte Position, eine Umsetzungsbedingung und zwei Prüfkriterien. Damit ist der Schluss auf Niveau 4 abgesichert.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Drei Schlusselemente: Position, Bedingungen, Prüfkriterium.

  2. 2

    Vermeide Floskeln wie "Alles in allem" und "Letztlich muss jeder selbst entscheiden".

  3. 3

    Position muss aus dem Hauptteil ableitbar sein - keine neuen Argumente im Schluss.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Sie haben in einer dialektischen Erörterung drei Pro- und drei Kontra-Argumente entwickelt. Verfassen Sie nun einen Schlussabsatz (80-110 Wörter), der eine synthetische Position formuliert. Achten Sie auf die drei Schlusselemente: Position, Bedingungen, Prüfkriterium.

Maturafokus

  • Formuliere im Schluss eine klare Position und ergänze sie um Bedingungen und ein Prüfkriterium.
  • Löse in der dialektischen Erörterung die Pro-Kontra-Spannung wirklich auf, statt sie zu referieren.
  • Leite die Position aus dem Hauptteil ab - im Schluss dürfen keine neuen Argumente auftauchen.
  • Greife die Beilage im Schluss anschließend auf, nicht referierend.
  • Halte den Schlussabsatz bei rund fünfzehn Prozent des Gesamtumfangs.

Typische Fehler

  • Der Schluss wiederholt die Argumente des Hauptteils ohne Synthese - eine reine Zusammenfassung.
  • Der Schluss eröffnet ein neues Thema ("Letztlich muss man auch fragen, ob ...") - textsortenwidrig.
  • Der Schluss besteht aus Floskeln ("Alles in allem", "Zusammenfassend lässt sich sagen") ohne eigene Position.
  • Das Prüfkriterium fehlt; die Position bleibt eine Meinung statt einer geprüften Antwort.
  • Der Schluss weicht auf "Es kommt darauf an" aus - die Aufgabe verlangt gerade die Entscheidung.

§ 03

Aktive Wiederholung

Nimm drei eigene ältere Erörterungen und schreibe nur die Schlussabsätze neu - mit Position, Bedingungen und Prüfkriterium. Vergleiche mit den alten Versionen.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Duden: Argumentieren und Erörtern (Duden) · IQS Beispielklausuren Deutsch (IQS)

§ 04
§ 04

Einleitung und Leitfrage präzise setzen#

~3 Min Lesezeit●○○BasisLPD-S-3.4

Kernpunkte

Die Einleitung hat drei Aufgaben und rund 70 bis 90 Wörter Zeit dafür: zum Thema hinführen, die Leitfrage präzise benennen und den Bezug zur Beilage herstellen. zeigt, wo sie im Sanduhrmodell steht — am weiten oberen Ende, das sich zur strittigen Frage verengt.

Dialektische Erörterung - Sanduhrmodell

Dialektische ErörterungNetzgraph, Leitfrage → Pro, Leitfrage → Kontra, Pro → Abwägung, Kontra → Abwägung, Abwägung → SyntheseLeitfrageProKontraAbwägungSynthese
Abb. 5Von der strittigen Leitfrage über Pro- und Kontra-Argumente zur Abwägung und zur synthetischen Schlussposition (Position, Bedingungen, Konsequenz). Die stärkere Seite steht im Schluss, ohne die andere zu ignorieren.
Abb. 5 ↓
Vier Einstiegstypen tragen zuverlässig: der aktuelle Anlass (ein Ereignis, das die Frage aufwirft), die provokante Frage, eine Zahl oder Aussage aus der Beilage und die begriffliche Klärung eines Schlüsselworts der Aufgabenstellung. Der vierte ist der unterschätzte — bei mehrdeutigen Begriffen wie Heimat, Freiheit oder Fortschritt entscheidet er über die ganze Argumentation.
Die Leitfrage wird wörtlich oder sinngemäß aus der Aufgabenstellung übernommen und dabei nicht verfälscht. Eine unbemerkt verschobene Leitfrage ist besonders teuer, weil der ganze folgende Text sie beantwortet — und damit an der gestellten Aufgabe vorbeigeht, ohne dass es beim Schreiben auffällt.
Die Beilage wird in der Einleitung mit Titel, Verfasserschaft und Quelle eingeführt: „In ihrem Kommentar X (Quelle, Jahr) vertritt Y die Position …". Damit ist der Materialbezug von Beginn an verankert, und die späteren Bezüge brauchen nur noch die Kurzform.
In der dialektischen Erörterung greift die Einleitung der eigenen Position NICHT vor — sie gehört in den Schluss. In der linearen Erörterung darf die Hauptthese dagegen bereits angekündigt werden, weil dort keine Spannung aufzubauen ist. Der Unterschied folgt aus der Bauform und ist deshalb nicht Geschmackssache.
Floskeleinstiege („Schon seit jeher beschäftigt die Menschheit …", „In der heutigen Zeit …") kosten Stilpunkte und verraten, dass die thematische Hinführung fehlt. Sie lassen sich immer durch den konkreten Anlass ersetzen — und ein konkreter erster Satz ist zugleich der wirksamste Schutz gegen die Schreibblockade.

Vokabeln

→ Kartei
  • LeitfrageDie strittige Frage, die der Text beantwortet.
  • HinführungThemeneröffnung ohne Floskel; nennt einen konkreten Anlass.
  • BegriffsklärungPräzisierung eines mehrdeutigen Schlüsselworts der Aufgabe.
  • MaterialbezugEinführung der Beilage mit Titel, Verfasserschaft und Quelle.
  • ThemaverfehlungFolge einer verschobenen Leitfrage; kostet die Dimension Inhalt.
  • FloskeleinstiegAbgegriffene Eröffnungsformel ohne thematischen Gehalt.
Musterbeispiel

Einleitung mit Begriffsklärung und Materialbezug

Aufgabe: "Verfassen Sie eine textbasierte Erörterung zur Frage, ob ehrenamtliches Engagement in der Schule verpflichtend werden soll. Beziehen Sie sich auf die Beilage von M. Berger (2024)."

  1. 01Hinführung mit Begriffsklärung

    "Ehrenamt lebt definitionsgemäß von Freiwilligkeit - schon der Begriff verbindet Freiheit mit Verantwortung."

  2. 02Beilage einführen

    "In ihrem Kommentar (Berger 2024) argumentiert die Autorin, eine schulische Pflicht zum Engagement könne soziale Kompetenz fördern."

  3. 03Leitfrage präzise benennen

    "Daran schließt die zu erörternde Frage an: Soll ehrenamtliches Engagement an österreichischen Schulen verpflichtend werden?"

Ergebnis: Die Einleitung von ca. 80 Wörtern klärt das Schlüsselwort, führt die Beilage ein und benennt die Leitfrage exakt in der Form der Aufgabenstellung - ohne die eigene Position vorwegzunehmen.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Einleitung: hinführen, Leitfrage präzise benennen, Beilage einführen.

  2. 2

    Leitfrage nicht verschieben - sonst Thema verfehlt.

  3. 3

    Floskel-Einstiege vermeiden, eigene Position erst im Schluss.

Maturafokus

  • Formuliere die Leitfrage so, dass sie die Fragestellung der Aufgabe präzise aufgreift.
  • Kläre in der Einleitung kurz das zentrale Schlüsselwort, falls es mehrdeutig ist (Heimat, Freiheit, Fortschritt).
  • Führe die Beilage mit Titel, Verfasserschaft und Quelle ein und verankere den Materialbezug von Beginn an.
  • Greife in der dialektischen Erörterung der eigenen Position nicht vor - sie gehört in den Schluss.
  • Ersetze jeden Floskeleinstieg durch einen konkreten Anlass oder eine begriffliche Klärung.

Typische Fehler

  • Die Einleitung beginnt mit einer abgegriffenen Floskel statt mit thematischer Hinführung.
  • Die Leitfrage wird umformuliert und dabei verengt oder verschoben; der Text beantwortet eine andere Frage.
  • Die Beilage wird in der Einleitung nicht genannt - der textbasierte Anspruch ist verfehlt.
  • Die eigene Position steht schon in der Einleitung der dialektischen Erörterung; die Spannung ist verschenkt.
  • Die Einleitung wird zu lang und nimmt dem Hauptteil Wörter weg.

§ 04

Aktive Wiederholung

Verfasse zu einer vorgegebenen Aufgabenstellung drei verschiedene Einleitungen (Anlass-Einstieg, Frage-Einstieg, Begriffsklärung) von je 80 Wörtern und vergleiche, welche die Leitfrage am präzisesten setzt.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF Schreibhandbuch - Einleitungstechniken (BMBWF) · IQS SRDP Aufgabenarchiv Deutsch (IQS)

§ 05
§ 05

Beilage funktional verarbeiten - Zitat, indirekte Rede, Distanz#

~4 Min Lesezeit●●●VertiefungLPD-S-3.5

Kernpunkte

Die Beilage ist Anlass, Argumentquelle und Gegenposition zugleich — sie wird funktional verarbeitet, nicht referiert. zeigt die Argumentstruktur, in die ihre Aussagen eingebaut werden, die Sanduhr, über die sie den Text begleiten. Mindestens drei ausdrückliche, über den Text verteilte Materialbezüge sind der Richtwert.

Argumentationsbaum - These, Argument, Beleg

ArgumentationsbaumBaumdiagramm, 6 Pfade, Daten: Argument 1 → Beleg; Argument 1 → Beispiel; Argument 2 → Studie; Argument 2 → Zitat; Argument 3 → Statistik; Argument 3 → ErfahrungArgument 1Argument 2Argument 3TheseBelegBeispielStudieZitatStatistikErfahrung
Abb. 6Hierarchische Struktur einer Argumentation: jede These wird durch Argumente, jedes Argument durch Belege gestützt. Aus den geprüften Argumenten folgt die begründete Schlussposition.

Dialektische Erörterung - Sanduhrmodell

Dialektische ErörterungNetzgraph, Leitfrage → Pro, Leitfrage → Kontra, Pro → Abwägung, Kontra → Abwägung, Abwägung → SyntheseLeitfrageProKontraAbwägungSynthese
Abb. 7Von der strittigen Leitfrage über Pro- und Kontra-Argumente zur Abwägung und zur synthetischen Schlussposition (Position, Bedingungen, Konsequenz). Die stärkere Seite steht im Schluss, ohne die andere zu ignorieren.
Abb. 6 ↓Abb. 7 ↓
Es gibt genau drei Arten, die Beilage zu verarbeiten, und ein guter Text nutzt mehrere: zustimmend (ein Argument der Beilage übernehmen und ausbauen), widersprechend (ihre Position als Gegenposition behandeln) und differenzierend (eine Teilaussage einschränken). Wer nur zustimmt, produziert eine Nacherzählung; wer nur widerspricht, verschenkt das Material.
Materialaussagen werden in indirekter Rede mit Konjunktiv I wiedergegeben: „Die Autorin argumentiert, das Verbot fördere die Konzentration." Direktzitate bleiben den prägnanten Schlüsselformulierungen vorbehalten und werden sparsam gesetzt — ein Text aus Zitaten hat keine eigene Stimme mehr.
Die Distanzmarkierung trennt die eigene von der fremden Position sichtbar: „Während die Beilage X behauptet, spricht jedoch dafür, dass …". Verschmelzen Quelle und eigene Stimme, ist das ein schwerer Strukturfehler — die Lesenden können dann nicht mehr unterscheiden, wer was behauptet, und genau diese Unterscheidung wird bewertet.
Die Quellenangabe bleibt knapp, aber konsequent: beim ersten Bezug Verfasserschaft und Titel, danach die Kurzform („die Beilage", „die Autorin"). Zeilen- oder Absatzangaben werden übernommen, wenn die Beilage sie liefert — sie machen jeden Bezug überprüfbar.
Die Beilage ersetzt nicht das eigene Denken. Eigene Argumente, Belege und Beispiele jenseits des Materials sind erforderlich; eine reine Beilagen-Nacherzählung bleibt in der Dimension Inhalt zuverlässig auf niedrigem Niveau. Die brauchbare Prüffrage lautet: Was steht in diesem Text, das nicht schon in der Beilage steht?

Vokabeln

→ Kartei
  • Funktionale VerarbeitungDie Beilage als Argument nutzen statt sie zu referieren.
  • DistanzmarkierungSprachliche Trennung von eigener und fremder Position.
  • Konjunktiv IForm der indirekten Rede bei Materialaussagen.
  • Differenzierender BezugEine Teilaussage der Beilage einschränken.
  • KurzformVerkürzte Quellennennung nach dem ersten vollständigen Bezug.
  • NacherzählungFehlform: die Beilage wird wiedergegeben statt verarbeitet.
Musterbeispiel

Drei funktionale Materialbezüge

Beilage: Ein Kommentar fordert ein generelles Tempolimit von 100 km/h auf Autobahnen. Baue je einen zustimmenden, widersprechenden und differenzierenden Bezug.

  1. 01Zustimmender Bezug (Konjunktiv I)

    "Die Autorin führt an, ein Tempolimit senke den CO2-Ausstoß messbar - dieses Argument lässt sich durch die Daten des Umweltbundesamts stützen, das für 100 km/h eine Reduktion von rund 2 Prozent der Verkehrsemissionen ausweist."

  2. 02Widersprechender Bezug

    "Wenn die Beilage jedoch behauptet, ein Tempolimit habe keine Nachteile, so ist dem zu widersprechen: Auf gut ausgebauten Strecken kann ein zu niedriges Limit den Verkehrsfluss verschlechtern."

  3. 03Differenzierender Bezug

    "Die Forderung der Beilage trifft zwar für dicht befahrene Abschnitte zu, sollte aber um eine streckenabhängige Regelung ergänzt werden, statt pauschal zu gelten."

Ergebnis: Drei verteilte Materialbezüge in indirekter Rede mit klarer Distanzmarkierung erfüllen den textbasierten Anspruch und heben die Inhaltsdimension - die Beilage wird verarbeitet, nicht nacherzählt.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Beilage funktional verarbeiten: zustimmen, widersprechen, differenzieren.

  2. 2

    Indirekte Rede mit Konjunktiv I, eigene Position klar abgrenzen.

  3. 3

    Mindestens drei verteilte Materialbezüge - nie nur in der Einleitung.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

In einer textbasierten Erörterung sollen Sie die Position der Beilage funktional verarbeiten. Formulieren Sie drei Materialbezüge (zustimmend, widersprechend, differenzierend) in indirekter Rede und kennzeichnen Sie Ihre eigene Position deutlich.

Maturafokus

  • Verarbeite die Beilage funktional: greife mindestens eine Aussage auf und baue sie aus, schränke mindestens eine ein.
  • Gib Materialaussagen in indirekter Rede mit Konjunktiv I wieder.
  • Trenne eigene und fremde Position durch ausdrückliche Distanzmarkierungen.
  • Belege die Konsequenzen der Beilagenposition mit eigenen Beispielen, statt sie nachzuerzählen.
  • Verteile die Materialbezüge über den ganzen Text, nicht nur auf die Einleitung.

Typische Fehler

  • Die Beilage wird in der Einleitung erwähnt und danach nie wieder aufgegriffen.
  • Materialaussagen stehen im Indikativ; es bleibt unklar, ob es die eigene oder die fremde Position ist.
  • Die Erörterung wird zur Inhaltsangabe der Beilage - eigene Argumente fehlen.
  • Die Beilage wird nur zustimmend verwendet; die kritische Einschränkung fehlt ganz.
  • Direktzitate ersetzen die eigene Formulierung; der Text verliert seine Stimme.

§ 05

Aktive Wiederholung

Nimm einen kurzen Kommentar (ca. 600 Wörter) als fiktive Beilage und baue drei funktionale Materialbezüge ein: einen zustimmenden, einen widersprechenden und einen differenzierenden - jeweils in indirekter Rede.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Duden Grammatik - Konjunktiv der indirekten Rede (Duden) · IQS SRDP Aufgabenarchiv Deutsch (IQS)

§ 06
§ 06

Argumentatives Sprachregister und Sachlichkeit#

~3 Min Lesezeit●●○StandardLPD-S-3.4

Kernpunkte

Die Erörterung verlangt ein sachlich-argumentatives Register: dritte Person, keine Umgangssprache, keine emotionalen Appelle. zeigt die Argumentstruktur, auf der diese Sachlichkeit ruht — die Überzeugung entsteht aus der Qualität der Argumente, nicht aus der Lautstärke der Formulierung.

Argumentationsbaum - These, Argument, Beleg

ArgumentationsbaumBaumdiagramm, 6 Pfade, Daten: Argument 1 → Beleg; Argument 1 → Beispiel; Argument 2 → Studie; Argument 2 → Zitat; Argument 3 → Statistik; Argument 3 → ErfahrungArgument 1Argument 2Argument 3TheseBelegBeispielStudieZitatStatistikErfahrung
Abb. 8Hierarchische Struktur einer Argumentation: jede These wird durch Argumente, jedes Argument durch Belege gestützt. Aus den geprüften Argumenten folgt die begründete Schlussposition.
Abb. 8 ↓
Konnektoren steuern die Argumentlogik und werden nach Funktion gewählt: kausal (weil, da, deshalb), konzessiv (obwohl, zwar – aber), adversativ (hingegen, demgegenüber), konsekutiv (folglich, somit) und final (damit, um zu). Besonders die konzessiven und adversativen sind ertragreich, weil sie eine geprüfte Abwägung hörbar machen.
Hedging ersetzt den Absolutismus: „vieles spricht dafür", „in der Regel", „tendenziell" wirken differenzierter als „immer", „alle", „niemals". Der Nutzen ist doppelt — die Formulierung wirkt reifer, und die Aussage ist nicht mehr durch ein einziges Gegenbeispiel widerlegbar.
Der Nominalstil wird dosiert eingesetzt. Argumentative Texte vertragen Nominalisierungen wie Verbesserung oder Förderung, aber zu viele machen den Text schwerfällig und verstecken die handelnden Größen. Für Kernaussagen bleibt der Verbalstil lesbarer — die Faustregel ist eine Nominalisierung pro Absatz.
Variation verhindert Monotonie und wird beim Überarbeiten hergestellt: Synonyme für wiederkehrende Begriffe (Argument, Aspekt, Gesichtspunkt; zeigen, belegen, verdeutlichen), Wechsel der Satzlängen, kein dreimaliges „außerdem". Das ist Arbeit für den Stildurchgang, nicht für den Rohtext.
Ich-Aussagen werden reduziert: Statt „Ich finde, dass …" trägt „Es spricht dafür, dass …" oder „Überzeugender ist die Position, dass …". Die SRDP-Erörterung ist sachlich, nicht bekenntnishaft — die eigene Position wird durch Argumente ausgewiesen, nicht durch die Ankündigung, dass es die eigene ist.

Vokabeln

→ Kartei
  • Argumentatives RegisterSachliche dritte Person ohne Appell und Umgangssprache.
  • Konzessiver Konnektorobwohl, zwar - aber; macht Einräumung sichtbar.
  • Adversativer Konnektorhingegen, demgegenüber; markiert den Gegensatz.
  • HedgingAbgeschwächte Formulierung statt Pauschalurteil.
  • NominalstilVerdichtung durch Substantivierung; dosiert einsetzen.
  • BekenntnishaftFehlform: die Position wird angekündigt statt begründet.
Musterbeispiel

Registerüberarbeitung eines Absatzes

Überarbeite den Absatz: "Ich finde Social Media total schädlich. Alle Jugendlichen sind süchtig und das ist einfach schlimm. Außerdem lernt man da nichts."

  1. 01Ich-Aussagen entfernen

    "Ich finde" wird ersetzt durch eine sachliche Behauptung: "Vieles spricht dafür, dass die intensive Nutzung sozialer Medien problematische Folgen hat."

  2. 02Pauschalurteil entschärfen (Hedging)

    "Alle Jugendlichen sind süchtig" wird zu "Ein nennenswerter Teil Jugendlicher zeigt Anzeichen problematischen Nutzungsverhaltens", belegbar durch Studien.

  3. 03Konnektor und Beleg einfügen

    "Außerdem lernt man nichts" wird zu "Hinzu kommt, dass die fragmentierte Nutzung die Konzentrationsfähigkeit beeinträchtigen kann, wie Untersuchungen zur Aufmerksamkeitsspanne nahelegen."

Ergebnis: Der überarbeitete Absatz ist sachlich, differenziert und belegbar - aus einer emotionalen Pauschalbehauptung wird ein argumentativer Text auf SRDP-Niveau.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Sachliches Register: dritte Person, keine Umgangssprache, keine Appelle.

  2. 2

    Hedging statt Pauschalurteil - differenziert wirkt stärker als absolut.

  3. 3

    Konnektoren bewusst dosieren, Ich-Aussagen reduzieren.

Maturafokus

  • Halte ein durchgehend sachliches Register ohne emotionale Appelle und ohne Umgangssprache.
  • Setze konzessive und adversative Konnektoren gezielt ein, um Abwägung sichtbar zu machen.
  • Ersetze Pauschalurteile durch Hedging - differenzierte Formulierungen werden in der Stildimension honoriert.
  • Ersetze Ich-Aussagen durch sachliche Wendungen, die dieselbe Position tragen.
  • Stelle Variation im Stildurchgang her, nicht schon im Rohtext.

Typische Fehler

  • Emotionale Appelle und rhetorische Ausrufe ("Das kann doch nicht sein!") verfehlen das sachliche Register.
  • Konnektoren werden inflationär verwendet oder fehlen ganz - die Argumentlogik bleibt unsichtbar.
  • Pauschalisierungen ("alle Jugendlichen", "die Politik tut nichts") machen Argumente angreifbar.
  • Der Nominalstil wird übertrieben; die handelnden Größen verschwinden aus den Sätzen.
  • Die eigene Position wird durch "Ich finde" angekündigt statt durch Argumente ausgewiesen.

§ 06

Aktive Wiederholung

Nimm einen eigenen Erörterungsabsatz und überarbeite ihn auf Register: ersetze Pauschalurteile durch Hedging, füge zwei präzise Konnektoren ein und entferne alle Ich-Aussagen.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Duden Rhetorik - argumentatives Register (Duden) · BMBWF Schreibhandbuch Deutsch (BMBWF)

Stand 06/2026 · Vollständige Fassung über den Tiefenregler — gleiche Stelle, gleiche Anker

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Drei Erörterungstypen und ihre Strukturen◐
    • 02Argumentqualität steigern - die Vierschritt-Formel◐
    • 03Synthetische Schlussposition formulieren◐
    • 04Einleitung und Leitfrage präzise setzen○
    • 05Beilage funktional verarbeiten - Zitat, indirekte Rede, Distanz●
    • 06Argumentatives Sprachregister und Sachlichkeit◐

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

D 4 - Erörterung (linear, dialektisch, textbasiert)

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

~24
Min
2
Kompetenzen
50
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Beispielfrage

Verfassen Sie eine textbasierte Erörterung zur Frage "Soll der Schulbeginn an österreichischen AHS auf 9 Uhr verschoben werden?". Beziehen Sie sich auf die Beilage "Chronobiologie und Schule" von Dr. Klaus Hauer (Forschung & Lehre, 2023, 720 Wörter). Wortumfang 540-660.

16 BE · 2023

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Belege & Quellen

Quellen

BMBWF

  • BMBWF Schreibhandbuch Deutsch - Erörterung

IQS

  • IQS SRDP Aufgabenarchiv Deutsch

Suhrkamp

  • Toulmin: Der Gebrauch von Argumenten

Duden

  • Duden: Argumentieren und Erörtern
  • Duden Grammatik - Konjunktiv der indirekten Rede
  • Duden Rhetorik - argumentatives Register

Siehe auch

  • D 6 - Kommentar, Leserbrief, Meinungsrede, Offener Brief, EmpfehlungDie übrigen positionierenden Textsorten und ihre Abgrenzung zur Erörterung.
  • D 1 - Zuhören und SprechenArgumenttypen und Fehlschlüsse, die auch schriftlich tragen.
  • D 3 - Schreiben (Überblick, Schreibprozess, Textsortenwahl)Der Schreibprozess und das Beurteilungsraster, in dem die Erörterung bewertet wird.

Vorheriges Thema

D 3 - Schreiben (Überblick, Schreibprozess, Textsortenwahl)

Nächstes Thema

D 5 - Textanalyse und Textinterpretation

EuraStudy·Notizen T·04·MMXXVI

Weiter mit dem nächsten Thema — der Lernpfad bleibt erhalten.