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Notizen/Deutsch/D 2 - Lesen und Textverständnis
AT · Matura

D 2 - Lesen und Textverständnis

Globales, selektives und detailliertes Lesen literarischer und nicht-literarischer Texte. Vom ersten Überblick bis zur Tiefenanalyse - Lesestrategien sind das Fundament jeder Schreibaufgabe der Reifeprüfung.

6 Abschnitte·~24 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Stand 06/2026

T·0222 / 13
Prüfungsprofil
D-L-2.1 · Texte global, selektiv und detailliert lesenD-L-2.2 · Inhalt, Aufbau, Sprache und Intention von Texten erkennenD-L-2.3 · Literarische und nicht-literarische Texte voneinander unterscheiden
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

Schrift

Schriftgröße: Standard · Zeilenabstand: Kompakt

Medien immer laden: aus

Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. D 2 - Lesen und Textverständnis
    • 01Lesestrategien - global, selektiv, detailliert○
    • 02Sachtext vs. literarischer Text - Funktionsunterschiede◐
    • 03Inhaltsangabe und Textverdichtung○
    • 04Textfunktionen erkennen - informieren, appellieren, bewerten, instruieren◐
    • 05Zusammenfassung - aus dem Lesen die SRDP-Textsorte gewinnen○
    • 06Leseverstehen - Aufgabentypen und Belegtechnik◐

6 Abschnitte · 30 Merksätze · 0 Formeln · 30 Fehlerwarnungen

§ 01
§ 01

Lesestrategien - global, selektiv, detailliert#

~4 Min Lesezeit●○○BasisLPD-L-2.1

Kernpunkte

Lesen ist in der Klausur keine einzelne Tätigkeit, sondern eine Wahl zwischen drei Geschwindigkeiten mit drei verschiedenen Zielen. zeigt, wo sie im Zeitplan der 300-Minuten-Klausur liegen. Wer alle Textbeilagen mit derselben Sorgfalt liest, verbraucht die Zeit, die für Plan und Rohfassung reserviert ist — und das ist der teuerste Fehler des Prüfungstags.

Schreibprozess der 300-Minuten-Klausur

Schreibprozess 300-Minuten-KlausurTabelle mit 3 Spalten und 5 Zeilen, Daten: Phase · Zeit · Fokus; Aufgabe lesen · ~10 Min · Operatoren klären; Material sichten · ~30 Min · Kernaussagen finden; Schreibplan · ~30 Min · Gliederung + These; Rohfassung · ~165 Min · Texte schreiben; Überarbeitung · ~65 Min · Inhalt, Stil, NormPhaseZeitFokusAufgabe lesen~10 MinOperatoren klärenMaterial sichten~30 MinKernaussagen findenSchreibplan~30 MinGliederung + TheseRohfassung~165 MinTexte schreibenÜberarbeitung~65 MinInhalt, Stil, Norm
Abb. 1300 Minuten gesamt - die ersten 70 Minuten (Analyse und Plan) entscheiden über die Struktur; danach bleibt keine Reserve, das Zeitbudget muss diszipliniert eingehalten werden.
Abb. 1 ↓
Globales Lesen (skimming) verschafft in etwa dreißig Sekunden pro Seite einen Überblick über Thema, Aufbau und Hauptaussagen. Es arbeitet mit Titel, Untertitel, jeweils erstem und letztem Satz eines Absatzes und mit den Schlüsselwörtern — nicht mit dem Fließtext. Es ist der erste Durchgang jeder Beilage und beantwortet nur eine Frage: Worum geht es und wie ist es gebaut?
Selektives Lesen (scanning) sucht gezielt nach einzelnen Informationen — Zahlen, Namen, Daten, Definitionen. Es ist die richtige Technik, sobald die Aufgabenstellung nach konkreten Belegen aus der Beilage fragt. Das Auge sucht dabei ein Muster, nicht einen Sinn; deshalb funktioniert es nur, wenn vorher feststeht, wonach gesucht wird.
Detailliertes Lesen (close reading) erfasst den Text vollständig und markiert Argumente, Belege und sprachliche Mittel. Es ist Pflicht für Textanalyse und Textinterpretation, weil dort die Deutung am Wortlaut hängt. Für alles andere ist es zu langsam — die Kunst besteht darin, es gezielt auf die Passagen zu richten, die die Aufgabe wirklich verlangt.
Die SQ3R-Methode (Robinson 1946) verbindet die drei Geschwindigkeiten zu einem Verfahren: Survey (Überblick), Question (Leitfragen an den Text stellen), Read (gezielt lesen), Recite (in eigenen Worten wiedergeben), Review (prüfen, ob die Leitfragen beantwortet sind). Der zweite Schritt ist der entscheidende — ohne Frage an den Text bleibt jedes Lesen ziellos.
Bei den Lerntechniken lohnt eine Unterscheidung, die oft untergeht: Dunlosky und Kollegen (2013) bewerteten Unterstreichen und Zusammenfassen als Techniken mit GERINGEM Nutzen, dagegen verteiltes Üben und Selbstabfragen als hochwirksam. Markieren ist also kein Selbstzweck — es hilft nur, wenn es sparsam gesetzt wird und anschließend etwas mit dem Markierten geschieht: paraphrasieren, gliedern, aus dem Gedächtnis wiedergeben.

Vokabeln

→ Kartei
  • SkimmingGlobales Lesen: Überblick über Thema, Aufbau, Hauptaussagen.
  • ScanningSelektives Lesen: gezielte Suche nach einzelnen Informationen.
  • Close ReadingDetailliertes Lesen mit Markierung von Argument, Beleg und Stilmittel.
  • SQ3RSurvey - Question - Read - Recite - Review (Robinson 1946).
  • TextbeilageDer Aufgabe beigegebener Ausgangstext; Grundlage der Schreibaufgabe.
  • LeitfrageVor dem Lesen gestellte Frage, die das Lesen steuert.
Musterbeispiel

Selektives Lesen in der Prüfung - Schlüsselinformationen in 60 Sekunden

Du erhältst einen 720-Wörter-Kommentar zur Klimapolitik. Die Aufgabenstellung verlangt: "Nennen Sie drei Maßnahmen, die der Autor vorschlägt." Wie gehst du vor?

  1. 01Schlüsselwörter ableiten

    Aus der Aufgabenstellung: "vorschlägt", "Maßnahmen", "drei". Suchsignale sind Modalverben (sollte, müsse, könne), Imperative, Aufzählungen.

  2. 02Strukturmerkmale scannen

    Augen wandern in 30 Sekunden über die Seite und suchen Bullet-Points, Zwischenüberschriften, Aufzählungen "erstens / zweitens / drittens".

  3. 03Erstes Treffer-Cluster markieren

    Z.B. Absatz 4: "Erforderlich wären drei Schritte: Tempolimit, CO2-Bepreisung, Pflicht-Photovoltaik bei Neubauten."

  4. 04Zweites Treffer-Cluster prüfen

    Prüfe, ob im restlichen Text weitere Maßnahmen genannt sind. Manchmal sind drei Maßnahmen über den Text verteilt.

  5. 05Ergebnis notieren

    In eigenen Worten paraphrasieren - das ist die Prüfungsanforderung. NICHT direkt zitieren ohne Markierung.

Ergebnis: Selektives Lesen in unter 90 Sekunden statt fünf Minuten - das spart Zeit für den Schreibteil. Voraussetzung: vorheriges globales Lesen, damit der Text grob strukturiert ist.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Drei Lesemodi: global für Überblick, selektiv für Suche, detailliert für Analyse.

  2. 2

    SQ3R bedeutet: Survey - Question - Read - Recite - Review.

  3. 3

    Aktive Markierung ist nachweislich wirksamer als passives Mehrfachlesen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Lesen Sie die Reportage "Was kostet uns die Hitze?" (Beilage 1, ca. 680 Wörter) und identifizieren Sie in drei Stichpunkten: (a) die Hauptthese, (b) die drei tragenden Argumente, (c) die Position des Autors zur Klimaanpassung.

Maturafokus

  • Sichte beide Textbeilagen zuerst global (Thema, Aufbau, Hauptaussage), bevor du eine Zeile detailliert liest.
  • Setze selektives Lesen ein, sobald die Aufgabe konkrete Belege aus der Beilage verlangt (Zahlen, Namen, Definitionen).
  • Lies detailliert nur die Passagen, die Textanalyse oder Textinterpretation wirklich brauchen.
  • Setze die beiden Beilagen bewusst zueinander in Beziehung - sie sind häufig kontrastierend gewählt.
  • Markiere sparsam und arbeite mit dem Markierten weiter (paraphrasieren, gliedern) - Markieren allein ist nachweislich schwach.

Typische Fehler

  • Die Beilagen werden so langsam gelesen wie ein Roman; danach fehlt die Zeit für Schreibplan und Rohfassung.
  • Markierungen werden unsystematisch gesetzt: alles ist unterstrichen, nichts hebt sich ab.
  • Die zwei Beilagen werden nicht aufeinander bezogen, obwohl sie bewusst kontrastierend gewählt sind.
  • Es wird gelesen, ohne vorher eine Leitfrage an den Text zu stellen - das Lesen bleibt ziellos.
  • Detailliertes Lesen wird auf den ganzen Text angewandt statt auf die Passagen, die die Aufgabe verlangt.

§ 01

Aktive Wiederholung

Nimm eine SRDP-Beilage (Zeitungskommentar, ca. 700 Wörter) und übe dreimal: (1) globales Lesen in 1 Min., (2) selektives Lesen mit drei Suchfragen in 1 Min., (3) detailliertes Lesen mit Stilmittelmarkierung in 5 Min.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: AHS-Lehrplan Deutsch (BMBWF) · Dunlosky et al.: Improving Students Learning (2013) (Sage)

§ 02
§ 02

Sachtext vs. literarischer Text - Funktionsunterschiede#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPD-L-2.3

Kernpunkte

Sachtext und literarischer Text unterscheiden sich nicht im Thema, sondern in der Funktion — und aus dieser Funktion folgt die Schreibhandlung, die die Aufgabe verlangt. Ein Sachtext ist referenzialisierbar: Jede Aussage soll auf einen überprüfbaren Sachverhalt verweisen. Ein literarischer Text ist fiktional und polysemantisch; seine Bedeutungsoffenheit ist kein Mangel, sondern sein Wesensmerkmal.
Die Sachtextsorten der Oberstufe lassen sich nach ihrer dominanten Funktion ordnen: Bericht und Nachricht (informieren), Reportage und Feuilleton (informieren und gestalten), Kommentar, Glosse und Rezension (bewerten), Rede und Manifest (appellieren), wissenschaftlicher Artikel (darlegen und belegen), Anleitung und Werbetext (instruieren beziehungsweise werben).
Die literarischen Gattungen gliedern sich in Epik (Roman, Novelle, Erzählung, Kurzgeschichte, Parabel, Anekdote), Lyrik (Gedicht, Ballade, Sonett) und Dramatik (Tragödie, Komödie, episches Theater). zeigt am Beispiel der Erzählperspektiven, wie fein die Analysekategorien innerhalb einer Gattung werden — und warum die Gattungszuordnung erst der Anfang der Arbeit ist.

Erzählperspektiven — vier Grundtypen (Schulmodell)

Erzählperspektiven im VergleichTabelle mit 4 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Perspektive · Sicht · Merkmal · Beispiel; Auktorial · Außensicht · allwissend, ordnet · Th. Mann; Personal · Innensicht · Reflektorfigur · Kafka, Bachmann; Ich-Erzähler · Innensicht · subjektiv, direkt · Bernhard, Handke; Neutral · Außensicht · sachlich, wertfrei · HemingwayPerspektiveSichtMerkmalBeispielAuktorialAußensichtallwissend, ordnetTh. MannPersonalInnensichtReflektorfigurKafka, BachmannIch-ErzählerInnensichtsubjektiv, direktBernhard, HandkeNeutralAußensichtsachlich, wertfreiHemingway
Abb. 2Auktorial, personal, Ich-Erzähler und neutral - vier Grundtypen, unterschieden nach Außen- oder Innensicht und der Nähe zur Figur.
Abb. 2 ↓
Die Grenzgänger sind die eigentliche Schwierigkeit: Essay, literarische Reportage, Tagebuch, Reisebericht und autobiografischer Text tragen Merkmale beider Seiten. Die Aufgabenstellung ordnet sie deshalb ausdrücklich zu — und diese Zuordnung ist verbindlich, auch wenn der Text selbst offener wirkt.
Der große Lesefehler besteht darin, einen literarischen Text wie einen Sachtext zu befragen: „Was will der Autor mir sagen?" Literarische Texte wollen häufig nicht sagen, sondern zeigen, evozieren, öffnen. Die produktivere Frage lautet deshalb: Was macht der Text mit mir, und mit welchen Mitteln? Sie führt zur Deutungshypothese, die die Textinterpretation verlangt.
Die Zuordnung entscheidet die Schreibhandlung, und darin liegt der praktische Ertrag: Ein Sachtext wird analysiert (Textanalyse — Funktion, Argumentation, sprachliche Mittel), ein literarischer Text wird interpretiert (Textinterpretation — Deutungshypothese, am Text belegt). Die Verwechslung ist ein klassischer Punktverlust, weil sie nicht nur die Methode, sondern die ganze Textsorte verfehlt.

Vokabeln

→ Kartei
  • ReferenzialisierbarAuf einen überprüfbaren Sachverhalt verweisend; Merkmal des Sachtexts.
  • PolysemantischMehrdeutig; Wesensmerkmal literarischer Texte.
  • FiktionalitätErfundenheit als Textmerkmal, nicht als Wahrheitsmangel.
  • GattungEpik, Lyrik, Dramatik - die oberste literarische Ordnung.
  • GrenzgängerTextsorte mit Merkmalen beider Seiten (Essay, Reportage, Tagebuch).
  • DeutungshypotheseBegründete Leseannahme, die die Interpretation trägt.
Musterbeispiel

Funktionsabgrenzung an einem Beispieltext-Paar

Text A: Reportage "Die Nacht der Schleuser" (Der Standard, 2024) - Text B: Kurzgeschichte "Bahnhof" von Robert Menasse (1996). Beide thematisieren Grenzüberschreitung. Wie unterscheiden sich die Lesehandlungen?

  1. 01Funktion bestimmen

    Text A informiert über ein reales Phänomen mit Recherchequellen. Text B inszeniert eine fiktive Begegnung am Westbahnhof, ohne Anspruch auf empirische Wahrheit.

  2. 02Lesemodus festlegen

    Text A fragt: Was ist nachweislich der Fall? Welche Quellen werden zitiert? Welche Position vertritt der Autor? Text B fragt: Welche Wahrnehmung entsteht? Welche Bilder werden evoziert? Welche Mehrdeutigkeit ist beabsichtigt?

  3. 03Analyseraster wählen

    Text A: Argumentations- und Sprachanalyse (Faktenargumente, sprachliche Mittel der Glaubwürdigkeit). Text B: Erzähl- und Bildanalyse (Erzählperspektive, Symbolik, Sprachrhythmus).

  4. 04Schreibhandlung anpassen

    Text A wird in Textanalyse + Kommentar bearbeitet. Text B in Textinterpretation + Stellungnahme. Beide Schreibhandlungen unterscheiden sich klar.

Ergebnis: Sachtext und literarischer Text verlangen unterschiedliche Lese- und Schreibhandlungen. Wer das ignoriert, verliert Punkte in der Inhaltsdimension - die wichtigste der vier Dimensionen des Beurteilungsrasters (IQS).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Sachtexte verweisen auf Sachverhalte - literarische Texte erzeugen Wahrnehmung.

  2. 2

    Lies einen Sachtext mit der Frage: Was ist der Fall? Lies einen literarischen Text mit der Frage: Was wird gezeigt?

  3. 3

    Die Verwechslung der Textsorte ist der klassische Punktverlust in der Inhaltsdimension.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Sie erhalten zwei Beilagen: eine Reportage zur Wohnungsnot in Wien (Beilage 1) und eine Kurzgeschichte mit Wohnungsthematik (Beilage 2). Beschreiben Sie die jeweilige Textsorte mit drei Merkmalen und erläutern Sie, welche Lese- und Analysewerkzeuge die jeweilige Textsorte erfordert.

Maturafokus

  • Bestimme die Textsorte der Beilage und leite daraus die geforderte Schreibhandlung ab (Textanalyse oder Textinterpretation).
  • Die Aufgabenstellung nennt die Textsorte ausdrücklich - lies sie zweimal, bevor du die Methode wählst.
  • In der Klausur sind die Beilagen oft verschieden gebaut (Sachtext und literarischer Text); reagiere auf jede mit der passenden Methode.
  • Ordne einen Grenzgänger (Essay, Reportage, autobiografischer Text) nach der Vorgabe der Aufgabenstellung zu, nicht nach dem eigenen Eindruck.
  • Untersuche einen literarischen Text auf seine Mittel und Wirkung, statt nach einer Autorenabsicht zu fragen.

Typische Fehler

  • Eine Reportage wird wie ein literarischer Text gedeutet ("Was meint der Autor mit der roten Jacke?").
  • Ein Gedicht wird wie ein Sachtext analysiert ("Der Autor will damit sagen, dass ...") - die Mehrdeutigkeit geht verloren.
  • Der Essay wird als reine Argumentation behandelt; die literarische Komponente (Sprachgestaltung, persönliche Perspektive) fällt weg.
  • Die Gattungszuordnung wird als Ergebnis behandelt, obwohl sie erst der Ausgangspunkt der Analyse ist.
  • Die Vorgabe der Aufgabenstellung wird durch den eigenen Eindruck ersetzt - die Textsorte ist aber verbindlich vorgegeben.

§ 02

Aktive Wiederholung

Vergleiche eine Reportage und eine Kurzgeschichte zu einem ähnlichen Thema (zB Fluchterfahrung). Notiere für beide: Funktion, Erzählinstanz, Sprache, Wirkungsabsicht. Wo unterscheiden sich die analytischen Werkzeuge?

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Brinker: Linguistische Textanalyse (8. Aufl., 2014) (Erich Schmidt Verlag) · IQS: Beurteilungsraster Schreibklausur Deutsch (IQS)

§ 03
§ 03

Inhaltsangabe und Textverdichtung#

~4 Min Lesezeit●○○BasisLPD-L-2.2LPD-S-3.7

Kernpunkte

Die Inhaltsangabe gibt die zentralen Informationen eines Textes neutral und eigenständig wieder — im Präsens, in indirekter Rede bei fremden Positionen, ohne eigene Wertung. zeigt ihren Bauplan. Sie ist zugleich Prüfungstextsorte und Pflichtbestandteil der Einleitung von Textanalyse und Textinterpretation.

Bauplan der Inhaltsangabe

Bauplan der InhaltsangabeBaumdiagramm, 6 Pfade, Daten: Basissatz → Autor, Titel; Basissatz → Textsorte, Thema; Hauptteil → Kernaussagen; Hauptteil → in Reihenfolge; Sprache → Präsens; Sprache → indirekte RedeBasissatzHauptteilSpracheInhaltsangabeAutor, TitelTextsorte, ThemaKernaussagenin ReihenfolgePräsensindirekte Rede
Abb. 3Drei Bausteine tragen jede Inhaltsangabe: ein vollständiger Basissatz, der gestraffte Hauptteil in der Reihenfolge des Originals und die textsortengerechte Sprache (Präsens, indirekte Rede, neutral).
Abb. 3 ↓
Der Verdichtungsgrad der schulischen Inhaltsangabe liegt bei etwa eins zu drei bis eins zu fünf: Aus einem Text von 800 Wörtern wird eine Wiedergabe von rund 160 bis 270 Wörtern. Die SRDP-Textsorte Zusammenfassung liegt mit etwa einem Drittel der Ausgangslänge darüber und wird in der Aufgabenstellung mit einer verbindlichen Wortzahl-Bandbreite angegeben.
Drei Bausteine tragen den Text. Der Basissatz nennt Autorin oder Autor, Titel, Textsorte, Erscheinungsort und -jahr sowie das Thema. Der Hauptteil gibt die Kernaussagen in der logischen Reihenfolge des Originals wieder. Die Sprache bleibt durchgehend textsortengerecht. Ein Schluss mit eigener Meinung entfällt — die Inhaltsangabe endet, wenn der Gedankengang wiedergegeben ist.
Die Sagensverben tragen die Argumentstruktur mit und sollten deshalb variiert und bewusst gewählt werden: argumentiert, behauptet, erläutert, plädiert, kritisiert, beklagt, fordert, räumt ein, weist hin, beobachtet, schließt. „Räumt ein" markiert ein Zugeständnis, „behauptet" eine unbelegte Aussage — wer sie unterscheidet, gibt nicht nur den Inhalt, sondern auch die Argumentbewegung wieder.
Der Konjunktiv I markiert in der Schriftsprache die Distanz zur fremden Position: „Der Autor argumentiert, X sei der Fall." Fallen Indikativ und Konjunktiv I formgleich zusammen (etwa bei „sie haben"), tritt der Konjunktiv II oder die würde-Form an seine Stelle. Diese Ersatzregel ist prüfungsrelevant, weil sie den häufigsten Konjunktivfehler verhindert.
Die Abgrenzung nach oben ist ebenso wichtig wie die Verdichtung: Die Inhaltsangabe enthält keine Stilmittelanalyse, keine Wirkungsbeschreibung und keinen Deutungsanspruch. Wer sie mit Analyseelementen anreichert, verfehlt die Textsorte — und in der Einleitung einer Textanalyse verbraucht er die Wörter, die für die Analyse gebraucht werden.

Vokabeln

→ Kartei
  • BasissatzErster Satz mit Autor, Titel, Textsorte, Erscheinungsjahr und Thema.
  • VerdichtungsgradVerhältnis von Ausgangs- zu Wiedergabelänge (etwa 1:3 bis 1:5).
  • SagensverbRedeeinleitendes Verb (argumentiert, räumt ein, plädiert).
  • Konjunktiv IForm der indirekten Rede; markiert Distanz zur fremden Position.
  • ErsatzformKonjunktiv II oder würde-Form bei Formgleichheit mit dem Indikativ.
  • ParaphraseWiedergabe in eigenen Worten statt Zitat.
Musterbeispiel

Zusammenfassung - 800-Wörter-Text auf 180 Wörter straffen

Verdichte einen 800-Wörter-Kommentar über Mietpreise in Wien auf eine 180-Wörter-Zusammenfassung. Welche Schritte sicherst du?

  1. 01Kerninfo markieren (3 Min.)

    Erste Lektüre - These und drei tragende Argumente unterstreichen. Beispiele, Anekdoten, Wiederholungen werden NICHT markiert.

  2. 02Sinnabschnitte bilden (2 Min.)

    Text in 4-6 Sinnabschnitte teilen, jedem in 1-2 Schlagwörter überschreiben: "1. Anlass: Mietpreisindex März 2024 +9,2 %", "2. Hauptthese: strukturelles Versagen", "3. Argument A: Privatisierung Gemeindebau", "4. Argument B: Investorenmarkt", "5. Gegenargument: Neubauförderung", "6. Schluss: Mietzinsdeckel + Genossenschaften".

  3. 03Basis-Satz formulieren (1 Min.)

    Standardform: "Im Kommentar Titel, erschienen am DATUM in MEDIUM, kritisiert AUTOR die ZENTRALE PROBLEMSTELLUNG." Damit sind ca. 35 Wörter fix verbraucht.

  4. 04Indirekte Rede + Verdichtung (10 Min.)

    Pro Sinnabschnitt 1-2 Sätze in Konjunktiv I oder mit "laut Autor". Verben des Sagens variieren: "argumentiert", "verweist auf", "räumt ein", "fordert". Beispiele werden NICHT übernommen, sondern durch "etwa" oder "unter anderem" geclustert.

  5. 05Endkontrolle (2 Min.)

    Prüfen: (1) keine eigene Wertung im Text - keine Adjektive wie "überzeugend", "schwach", "gerechtfertigt"; (2) Präsens durchgängig; (3) keine Originalzitate über 5 Wörter; (4) Wortzahl im Toleranzbereich 162-198.

Ergebnis: In ca. 18 Minuten entsteht eine korrekte Zusammenfassung. IQS-Raster honoriert Indikatoren wie indirekte Rede, Variation der Sagensverben und Verzicht auf Wertung mit voller Inhalts- und Stildimension.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Inhaltsangabe ist die neutrale, eigenständige Wiedergabe - keine Zitatcollage, keine Wertung.

  2. 2

    Basissatz nennt Autor, Titel, Textsorte, Erscheinungsort, Thema in einem einzigen Satz.

  3. 3

    Variiere Sagensverben: argumentiert, behauptet, plädiert, kritisiert, fordert - das zeigt sprachliche Reife.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Verfassen Sie eine Zusammenfassung des Essays "Warum wir Stille brauchen" von Sara Wiener (Die Zeit, 2024, ca. 750 Wörter) im Umfang von 270-330 Wörtern. Achten Sie auf neutrale Wiedergabe, konsequente Verwendung der indirekten Rede und Berücksichtigung aller Argumentationsschritte.

Maturafokus

  • Fasse einen Sachtext neutral im Präsens und in indirekter Rede zusammen, ohne zu werten.
  • Formuliere einen vollständigen Basissatz mit Autor, Titel, Textsorte, Erscheinungsjahr und Thema.
  • Variiere die Sagensverben und wähle sie so, dass sie die Argumentbewegung mit wiedergeben.
  • Wende die Ersatzregel an: bei Formgleichheit von Indikativ und Konjunktiv I den Konjunktiv II oder die würde-Form setzen.
  • Halte die kurze Inhaltsangabe in der Einleitung einer Textanalyse auf etwa 30 bis 50 Wörter begrenzt.

Typische Fehler

  • Zitatcollage statt eigener Paraphrase - ein erheblicher Teil besteht aus Originalsätzen.
  • Bewertende Adjektive (überzeugend, schwach, richtig, absurd) verraten eine Meinung, die hier nicht hingehört.
  • Beispiele und Anekdoten werden übernommen, statt die durch sie illustrierte Hauptthese wiederzugeben.
  • Der Basissatz fehlt oder ist unvollständig (ohne Textsorte oder ohne Thema).
  • Stilmittel werden analysiert - das gehört in die Textanalyse, nicht in die Inhaltsangabe.

§ 03

Aktive Wiederholung

Verdichte eine SRDP-Beilage (Kommentar, ca. 700 Wörter) auf eine 130-Wörter-Inhaltsangabe. Setze: Basissatz, drei bis vier Kernaussagen in indirekter Rede, neutralen Schlusssatz ohne eigene Meinung.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Duden Sprachwissen - Sprachratgeber (Duden) · BMBWF Schreibhandbuch Deutsch (Oberstufe) (BMBWF)

§ 04
§ 04

Textfunktionen erkennen - informieren, appellieren, bewerten, instruieren#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPD-L-2.2

Kernpunkte

Die Textfunktion ist die Absicht, mit der ein Text auf seine Leserschaft wirkt — und sie zu bestimmen ist Pflichtbestandteil jeder Textanalyse. Brinker (2014) unterscheidet fünf Grundfunktionen: Informations-, Appell-, Obligations-, Kontakt- und Deklarationsfunktion. Für den Schulgebrauch tragen drei davon fast alles: informieren, appellieren, bewerten.
Die Informationsfunktion dominiert in Nachricht, Bericht, Sachbuch und wissenschaftlichem Artikel. Erkennbar ist sie an neutraler Wortwahl, Faktenorientierung und Prüfbarkeit der Aussagen — die sprachlichen Mittel treten zurück, damit der Sachverhalt hervortritt.
Die Appellfunktion dominiert in Werbung, Rede, Leserbrief und Manifest. Ihre Marker sind direkte Anrede, Imperative, rhetorische Fragen und emotionale Verstärker. Die Bewertungsfunktion dominiert in Kommentar, Rezension, Kolumne und Glosse; ihre Marker sind wertende Adjektive, eine erkennbare Position und eine Argumentationsstruktur. ordnet die Textsorten nach Funktion und Adressat.

Textsorten-Matrix nach Funktion und Adressat

Textsorten nach Funktion und AdressatTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Textsorte · Funktion · Adressat; Zusammenfassung · analysierend · neutral; Textanalyse · analysierend · öffentlich; Textinterpretation · analysierend · öffentlich; Leserbrief · positionierend · privat; Erörterung · positionierend · öffentlich; Kommentar · positionierend · öffentlich; Meinungsrede · positionierend · öffentlichTextsorteFunktionAdressatZusammenfassunganalysierendneutralTextanalyseanalysierendöffentlichTextinterpretationanalysierendöffentlichLeserbriefpositionierendprivatErörterungpositionierendöffentlichKommentarpositionierendöffentlichMeinungsredepositionierendöffentlich
Abb. 4Die sieben verbindlichen SRDP-Textsorten, geordnet nach Funktion (analysierend oder positionierend) und Adressat (neutral, privat, öffentlich).
Abb. 4 ↓
Multifunktionalität ist die Regel, nicht die Ausnahme: Ein Kommentar informiert, bewertet und appelliert häufig zugleich. Die Aufgabenstellung fragt deshalb nach der DOMINANTEN Funktion, nicht nach der einzigen — und die Dominanz entscheidet die Textsortenzuordnung.
Die Prüfungsanforderung ist zweiteilig, und der zweite Teil wird regelmäßig übersehen: Die Funktion muss benannt UND mit sprachlichen Mitteln belegt werden. „Der Text appelliert" ist eine Behauptung; „Der Text appelliert, erkennbar an der durchgehenden direkten Anrede, drei Imperativen im Schlussabsatz und der rhetorischen Frage in Zeile 12" ist eine Analyse.
Die Funktion bestimmt die Schreibhandlung und schließt damit den Kreis zum Lesen: Informationsfunktion führt zur Inhaltsangabe oder Zusammenfassung, Bewertungsfunktion zur Textanalyse, Appellfunktion zur Stellungnahme oder Gegenrede. Wer die Funktion bestimmt hat, weiß deshalb bereits, welche Textsorte die eigene Antwort haben muss.

Vokabeln

→ Kartei
  • TextfunktionWirkungsabsicht eines Textes (informieren, appellieren, bewerten).
  • InformationsfunktionDominante Funktion von Nachricht, Bericht, Fachartikel.
  • AppellfunktionDominante Funktion von Werbung, Rede, Manifest.
  • BewertungsfunktionDominante Funktion von Kommentar, Rezension, Glosse.
  • MultifunktionalitätMehrere Funktionen zugleich; die dominante entscheidet.
  • FunktionsbelegSprachliches Mittel, das die behauptete Funktion nachweist.
Musterbeispiel

Textfunktion bestimmen und mit sprachlichen Mitteln belegen

Teilauftrag einer Textanalyse: "Bestimmen Sie die dominante Funktion des Kommentars und belegen Sie sie mit drei sprachlichen Mitteln." Vorlage: ein Zeitungskommentar zum Tempolimit. Wie kommst du methodisch vom Eindruck zum belegten Befund?

  1. Schritt 1 - Kandidaten ausschließen

    Frage zuerst: Will der Text vor allem informieren (neutral, prüfbar), bewerten (Position, wertende Adjektive) oder appellieren (Anrede, Imperativ)? Ein Kommentar ist nie reine Information - die Wortwahl ist erkennbar wertend ("riskant", "überfällig"). Damit ist die Informationsfunktion als DOMINANTE Funktion ausgeschlossen.

  2. Schritt 2 - Dominanz festlegen

    Bewertung und Appell konkurrieren. Entscheidend ist das Schreibziel: Der Text begründet ausführlich eine Position und ruft erst am Schluss zum Handeln auf. Die Bewertungsfunktion überwiegt, der Appell ist ihr untergeordnet - so wird die Dominanz begründet, nicht behauptet.

  3. Schritt 3 - drei sprachliche Belege sichern

    Jeder Beleg = Mittel + Textstelle + Wirkung. (1) Wertende Adjektive ("ein riskantes Spiel mit Menschenleben") - Konnotation lenkt die Leserwertung. (2) Rhetorische Frage ("Wie viele Tote braucht es noch?") - erzeugt scheinbare Evidenz. (3) Modalverben des Sollens ("man müsste längst handeln") - markiert die normative Haltung.

  4. Schritt 4 - Funktion und Schreibziel verknüpfen

    Schließe den Bogen: Die Bewertungsfunktion stützt das Schreibziel, die Leserschaft zu einer bestimmten Position zu bewegen - eine bloße Informationsfunktion würde Zustimmung gar nicht erst anstreben. Genau diese Verknüpfung honoriert die Inhaltsdimension des IQS-Rasters.

Ergebnis: Drei belegte sprachliche Mittel + die Verknüpfung von Funktion und Schreibziel - das ist die vollständige Antwort. Nie nur "Der Text appelliert" behaupten: Mittel benennen, Stelle zitieren, Wirkung erklären. Die häufigste Schwäche ist das Verwechseln von Inhalt ("Der Text handelt von ...") und Funktion ("Der Text bewertet ...").

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Fünf Grundfunktionen nach Brinker: informieren, appellieren, verpflichten, kontaktieren, deklarieren.

  2. 2

    In der Schule reichen oft drei: informieren, appellieren, bewerten.

  3. 3

    Multifunktionalität ist die Regel - die Dominanz entscheidet die Textsorte.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Bestimmen Sie die dominante Textfunktion des Leitartikels "Wir müssen reden!" (Beilage 1) und belegen Sie Ihre Bestimmung mit mindestens drei sprachlichen Indikatoren. Erläutern Sie, in welcher Weise die Textfunktion das Schreibziel des Autors stützt.

Maturafokus

  • Bestimme die dominante Textfunktion und belege sie mit mindestens drei sprachlichen Mitteln aus dem Text.
  • Unterscheide Textfunktion und Textinhalt: nicht "der Text handelt von", sondern "der Text informiert über" oder "kritisiert".
  • Benenne die Multifunktionalität ausdrücklich und begründe, welche Funktion dominiert.
  • Beschreibe eine Textbeilage in ihrer Funktion, nicht nur in ihrem Inhalt - das honoriert die Dimension Inhalt.
  • Leite aus der bestimmten Funktion die passende eigene Schreibhandlung ab.

Typische Fehler

  • Textfunktion mit Textinhalt verwechselt ("Der Text handelt von ..." statt "Der Text informiert über ...").
  • Multifunktionalität ignoriert - gefragt ist die dominante Funktion, nicht die einzige.
  • Die Funktion wird nicht mit sprachlichen Mitteln belegt, obwohl genau das die Anforderung ist.
  • Die Belege bleiben unverortet (kein Zeilen- oder Absatzverweis).
  • Aus der bestimmten Funktion wird keine Konsequenz für die eigene Schreibhandlung gezogen.

§ 04

Aktive Wiederholung

Nimm drei Texte aus einer aktuellen Tageszeitung: Nachricht, Kommentar, Leserbrief. Bestimme die dominante Textfunktion und belege jede mit zwei sprachlichen Mitteln.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Brinker: Linguistische Textanalyse (8. Aufl., 2014) (Erich Schmidt Verlag) · Duden Grammatik (10. Aufl., 2022) (Duden)

§ 05
§ 05

Zusammenfassung - aus dem Lesen die SRDP-Textsorte gewinnen#

~3 Min Lesezeit●○○BasisLPD-L-2.1LPD-L-2.2

Kernpunkte

Die Zusammenfassung ist eine der SRDP-Textsorten und die direkte Brücke vom Lesen zum Schreiben: Sie gibt den Inhalt eines Ausgangstextes in eigenen Worten gestrafft und sachlich wieder. ordnet sie unter den Textsorten nach Funktion und Adressat ein — sie ist rein informierend und richtet sich an eine Leserschaft, die den Ausgangstext nicht kennt.

Textsorten-Matrix nach Funktion und Adressat

Textsorten nach Funktion und AdressatTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Textsorte · Funktion · Adressat; Zusammenfassung · analysierend · neutral; Textanalyse · analysierend · öffentlich; Textinterpretation · analysierend · öffentlich; Leserbrief · positionierend · privat; Erörterung · positionierend · öffentlich; Kommentar · positionierend · öffentlich; Meinungsrede · positionierend · öffentlichTextsorteFunktionAdressatZusammenfassunganalysierendneutralTextanalyseanalysierendöffentlichTextinterpretationanalysierendöffentlichLeserbriefpositionierendprivatErörterungpositionierendöffentlichKommentarpositionierendöffentlichMeinungsredepositionierendöffentlich
Abb. 5Die sieben verbindlichen SRDP-Textsorten, geordnet nach Funktion (analysierend oder positionierend) und Adressat (neutral, privat, öffentlich).
Abb. 5 ↓
Die Pflichtmerkmale sind eng und werden einzeln bewertet: Präsens, indirekte Rede bei Quellenaussagen, dritte Person, sachlich-distanziertes Register, keine eigene Wertung und kein wörtliches Zitieren. Jedes verletzte Merkmal ist ein Textsortenfehler und wirkt sich auf die Dimension Inhalt aus.
Der Aufbau beginnt mit dem Basissatz — Autorin oder Autor, Titel, Textsorte, Thema und Kernaussage — und setzt die gestraffte Wiedergabe des Gedankengangs in der Reihenfolge des Originals fort. Die Reihenfolge ist nicht verhandelbar: Eine Umstellung nach eigenen Schwerpunkten wäre bereits eine Deutung.
Die Reduktion ist streng: Beispiele, Wiederholungen und Ausschmückungen entfallen; nur die Hauptgedanken und ihre logische Verknüpfung bleiben. Die Faustregel liegt bei rund einem Drittel der Ausgangslänge, und die Aufgabenstellung gibt eine verbindliche Wortzahl-Bandbreite vor. Genau diese Beschränkung ist die eigentliche Prüfungsleistung — sie zwingt zur Unterscheidung zwischen tragend und schmückend.
Eigene Worte sind Pflicht. Schlüsselbegriffe dürfen übernommen werden, ganze Formulierungen nicht. Die Umformulierung gelingt am zuverlässigsten über den Wortartwechsel („Die Preise stiegen" wird „der Anstieg der Preise") oder über die Strukturdrehung von Aktiv zu Passiv — beide verändern den Satz so gründlich, dass die Vorlage nicht mehr durchklingt.
Die Zusammenfassung ist außerdem Vorarbeit für andere Aufgaben: Sie bereitet die textbasierte Erörterung vor, liefert die Einleitung der Textanalyse und trägt die mündliche Wiedergabe im Prüfungsgespräch. Wer sie beherrscht, hat damit einen Baustein, der in mehreren Textsorten wieder auftaucht.

Vokabeln

→ Kartei
  • ZusammenfassungSRDP-Textsorte: sachliche, gestraffte Wiedergabe eines Ausgangstextes.
  • StraffungReduktion auf Hauptgedanken und ihre logische Verknüpfung.
  • Sachlich-distanziertes RegisterDritte Person, Präsens, keine Wertung.
  • WortartwechselParaphrasetechnik: Verb wird Substantiv und umgekehrt.
  • Wortzahl-BandbreiteVon der Aufgabenstellung verbindlich vorgegebener Umfang.
  • KernaussageDie zentrale These des Ausgangstextes; gehört in den Basissatz.
Musterbeispiel

Basissatz und gestraffte Wiedergabe

Verfasse den Einstieg einer Zusammenfassung zu einem Kommentar von A. Berger über das schulische Handyverbot.

  1. 01Basissatz formulieren

    "In ihrem Kommentar Konzentration statt Klingelton (Quelle, 2024) vertritt A. Berger die These, ein schulisches Handyverbot fördere die Aufmerksamkeit der Lernenden."

  2. 02Erstes Argument straffen

    "Zunächst führt die Autorin an, ständige Erreichbarkeit unterbreche das konzentrierte Arbeiten." - Beispiel und Ausschmückung des Originals entfallen.

  3. 03Indirekte Rede prüfen

    Alle Aussagen stehen in indirekter Rede (Konjunktiv I: fördere, unterbreche); eigene Wertung fehlt vollständig.

Ergebnis: Der Einstieg liefert einen vollständigen Basissatz und eine erste gestraffte, wertungsfreie Wiedergabe in indirekter Rede - die textsortengerechte Grundlage einer Zusammenfassung.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Zusammenfassung: Inhalt gestrafft, sachlich, in eigenen Worten.

  2. 2

    Basissatz zuerst: Autor, Titel, Textsorte, Thema, Kernaussage.

  3. 3

    Präsens, indirekte Rede, keine Wertung, kein wörtliches Zitat.

Maturafokus

  • Fasse einen Sachtext sachlich, im Präsens und in indirekter Rede zusammen, ohne zu werten.
  • Erstelle einen vollständigen Basissatz mit Autor, Titel, Textsorte, Thema und Kernaussage.
  • Straffe den Text auf etwa ein Drittel, indem du Beispiele und Wiederholungen weglässt.
  • Formuliere mit Wortartwechsel oder Strukturdrehung um, statt Formulierungen zu übernehmen.
  • Halte die in der Aufgabenstellung vorgegebene Wortzahl-Bandbreite ein.

Typische Fehler

  • Die Zusammenfassung enthält eigene Wertungen oder Kommentare - das ist textsortenwidrig.
  • Ganze Formulierungen werden übernommen statt umformuliert.
  • Der Basissatz fehlt oder ist unvollständig (etwa ohne Textsorte oder Kernaussage).
  • Die Reihenfolge des Originals wird nach eigenen Schwerpunkten umgestellt - das ist bereits Deutung.
  • Die vorgegebene Wortzahl-Bandbreite wird über- oder unterschritten.

§ 05

Aktive Wiederholung

Fasse einen Sachtext von etwa 600 Wörtern in rund 200 Wörtern zusammen: Beginne mit einem vollständigen Basissatz, schreibe im Präsens und in indirekter Rede und verzichte auf jede eigene Wertung.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMBWF Schreibhandbuch - Zusammenfassung (BMBWF) · IQS SRDP Aufgabenarchiv Deutsch (IQS)

§ 06
§ 06

Leseverstehen - Aufgabentypen und Belegtechnik#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPD-L-2.1LPD-L-2.2LPD-L-2.3

Kernpunkte

Leseverstehensaufgaben prüfen drei Ebenen, die sich sauber unterscheiden lassen: explizites Verstehen (die Information steht im Text), schlussfolgerndes Verstehen (die Information wird aus dem Text erschlossen) und reflektierendes Verstehen (der Text wird bewertet und eingeordnet). zeigt die Textsortenmatrix, die Argumentstruktur, an der das schlussfolgernde Verstehen ansetzt.

Textsorten-Matrix nach Funktion und Adressat

Textsorten nach Funktion und AdressatTabelle mit 3 Spalten und 7 Zeilen, Daten: Textsorte · Funktion · Adressat; Zusammenfassung · analysierend · neutral; Textanalyse · analysierend · öffentlich; Textinterpretation · analysierend · öffentlich; Leserbrief · positionierend · privat; Erörterung · positionierend · öffentlich; Kommentar · positionierend · öffentlich; Meinungsrede · positionierend · öffentlichTextsorteFunktionAdressatZusammenfassunganalysierendneutralTextanalyseanalysierendöffentlichTextinterpretationanalysierendöffentlichLeserbriefpositionierendprivatErörterungpositionierendöffentlichKommentarpositionierendöffentlichMeinungsredepositionierendöffentlich
Abb. 6Die sieben verbindlichen SRDP-Textsorten, geordnet nach Funktion (analysierend oder positionierend) und Adressat (neutral, privat, öffentlich).

Argumentationsbaum - These, Argument, Beleg

ArgumentationsbaumBaumdiagramm, 6 Pfade, Daten: Argument 1 → Beleg; Argument 1 → Beispiel; Argument 2 → Studie; Argument 2 → Zitat; Argument 3 → Statistik; Argument 3 → ErfahrungArgument 1Argument 2Argument 3TheseBelegBeispielStudieZitatStatistikErfahrung
Abb. 7Hierarchische Struktur einer Argumentation: jede These wird durch Argumente, jedes Argument durch Belege gestützt. Aus den geprüften Argumenten folgt die begründete Schlussposition.
Abb. 6 ↓Abb. 7 ↓
Die Aufgabentypen verlangen alle genaues, nicht überfliegendes Lesen: Richtig-Falsch mit Textbeleg, Zuordnung einer Aussage zu einem Abschnitt, offene Kurzantwort und Multiple Choice. Die scheinbar einfachste Form — Richtig-Falsch — ist dabei häufig die schwerste, weil eine einzige einschränkende Formulierung im Text die Aussage kippt.
Die Belegtechnik ist die eigentliche Prüfungsleistung: Jede Antwort auf eine Textfrage wird mit einer Zeilen- oder Abschnittsangabe gestützt. Eine Behauptung ohne Beleg ist in der Prüfung wertlos, auch wenn sie inhaltlich zutrifft — die Aufgabe prüft nicht, ob Sie es wissen, sondern ob Sie es am Text zeigen können.
Die Distraktoren im Multiple Choice folgen erkennbaren Bauprinzipien: halbwahre Aussagen (ein Teil stimmt, der andere nicht), übergeneralisierte Formulierungen (immer, alle, nie) und Informationen, die zwar im Text stehen, aber die gestellte Frage nicht beantworten. Der dritte Typ ist der gefährlichste, weil er sich beim Wiederfinden im Text bestätigt anfühlt.
Markieren Sie die Schlüsselwörter der Frage und suchen Sie sie im Text — aber rechnen Sie damit, dass der Text sie umschreibt. Prüfungstexte arbeiten mit Synonymen und Paraphrasen; die wörtliche Übereinstimmung ist deshalb eher ein Warnsignal als ein Treffer.
Trennen Sie eigenes Vorwissen vom Textwissen. Bei Textfragen zählt ausschließlich, was im Text steht — nicht, was Sie zum Thema wissen, und auch nicht, was plausibel wäre. Diese Trennung ist die häufigste Fehlerquelle überhaupt, weil sachkundige Lesende die Lücken des Textes unbewusst aus dem eigenen Wissen auffüllen.

Vokabeln

→ Kartei
  • Explizites VerstehenDie Information steht wörtlich im Text.
  • Schlussfolgerndes VerstehenDie Information wird aus dem Text erschlossen.
  • Reflektierendes VerstehenDer Text wird bewertet und eingeordnet.
  • DistraktorFalsche, aber plausible Antwortoption im Multiple Choice.
  • BelegtechnikStützung der Antwort mit Zeilen- oder Abschnittsangabe.
  • ÜbergeneralisierungDistraktortyp mit immer / alle / nie.
Musterbeispiel

Distraktor im Multiple Choice entlarven

Eine Frage lautet: Warum kritisiert der Autor das Verbot? Option A nennt einen im Text erwähnten, aber unzutreffenden Grund. Wie gehst du vor?

  1. 01Schlüsselwort der Frage

    Das Schlüsselwort ist warum kritisiert - gesucht wird der Begründungsgrund der Kritik, nicht irgendeine Aussage des Textes.

  2. 02Distraktor prüfen

    Option A nennt eine Aussage, die zwar im Text steht, aber Teil der Gegenposition ist und nicht die Kritik begründet - ein klassischer halbwahrer Distraktor.

  3. 03Richtige Option belegen

    Die zutreffende Option wird mit der Textstelle gestützt, an der der Autor seinen Kritikgrund ausdrücklich nennt (Zeilenangabe).

Ergebnis: Der Distraktor steht zwar im Text, beantwortet aber die Frage nicht. Wer das Schlüsselwort der Frage markiert und die Antwort am Text belegt, vermeidet die Falle - das ist die Kernkompetenz des Leseverstehens.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Drei Ebenen: explizites, schlussfolgerndes, reflektierendes Verstehen.

  2. 2

    Jede Antwort am Text belegen - Zeilen- oder Abschnittsangabe.

  3. 3

    Distraktoren entlarven: im Text, aber nicht die Antwort.

Maturafokus

  • Beantworte eine offene Leseverstehensfrage präzise und stütze sie mit einer Zeilen- oder Abschnittsangabe.
  • Erkenne im Multiple Choice die drei Distraktortypen und begründe die Wahl der richtigen Option am Text.
  • Trenne explizit gegebene von erschlossener Information und kennzeichne das schlussfolgernde Verstehen.
  • Prüfe bei Richtig-Falsch-Aussagen besonders auf einschränkende Formulierungen im Text.
  • Suche die Schlüsselwörter der Frage als Umschreibung im Text, nicht als wörtliche Übereinstimmung.

Typische Fehler

  • Antworten beruhen auf eigenem Vorwissen statt auf dem Text.
  • Belege (Zeilen, Abschnitte) fehlen; die Antwort bleibt unbelegt.
  • Ein Distraktor wird gewählt, weil er im Text vorkommt, obwohl er die Frage nicht beantwortet.
  • Übergeneralisierte Aussagen (immer, alle, nie) werden als richtig markiert, ohne die Einschränkung im Text zu prüfen.
  • Die wörtliche Übereinstimmung mit dem Text wird als Bestätigung gelesen statt als Warnsignal.

§ 06

Aktive Wiederholung

Bearbeite zu einem Sachtext drei Leseverstehensaufgaben (eine Richtig-Falsch mit Beleg, eine offene Kurzantwort, eine Multiple-Choice) und begründe jede Lösung mit einer konkreten Textstelle.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: IQS SRDP Aufgabenarchiv Deutsch (IQS) · BMBWF Schreibhandbuch - Leseverstehen (BMBWF)

Stand 06/2026 · Vollständige Fassung über den Tiefenregler — gleiche Stelle, gleiche Anker

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Lesestrategien - global, selektiv, detailliert○
    • 02Sachtext vs. literarischer Text - Funktionsunterschiede◐
    • 03Inhaltsangabe und Textverdichtung○
    • 04Textfunktionen erkennen - informieren, appellieren, bewerten, instruieren◐
    • 05Zusammenfassung - aus dem Lesen die SRDP-Textsorte gewinnen○
    • 06Leseverstehen - Aufgabentypen und Belegtechnik◐

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

D 2 - Lesen und Textverständnis

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

~24
Min
3
Kompetenzen
50
Fragen
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Beispielfrage

Lesen Sie die Reportage "Was kostet uns die Hitze?" (Beilage 1, ca. 680 Wörter) und identifizieren Sie in drei Stichpunkten: (a) die Hauptthese, (b) die drei tragenden Argumente, (c) die Position des Autors zur Klimaanpassung.

16 BE · 2022

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Belege & Quellen

Quellen

BMBWF

  • AHS-Lehrplan Deutsch
  • BMBWF Schreibhandbuch Deutsch (Oberstufe)

Sage

  • Dunlosky et al.: Improving Students Learning (2013)

Erich Schmidt Verlag

  • Brinker: Linguistische Textanalyse (8. Aufl., 2014)

IQS

  • IQS: Beurteilungsraster Schreibklausur Deutsch

Duden

  • Duden Sprachwissen - Sprachratgeber
  • Duden Grammatik (10. Aufl., 2022)

Siehe auch

  • D 5 - Textanalyse und TextinterpretationDas detaillierte Lesen ist die Voraussetzung beider Schreibhandlungen.
  • D 11 - Medien, Medienkritik, digitale MündigkeitDie Beilagen der Klausur sind fast immer Medientexte.
  • D 3 - Schreiben (Überblick, Schreibprozess, Textsortenwahl)Vom Lesen zum Schreiben: die Zusammenfassung ist die Brücke.

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D 1 - Zuhören und Sprechen

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D 3 - Schreiben (Überblick, Schreibprozess, Textsortenwahl)

EuraStudy·Notizen T·02·MMXXVI

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