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Notizen/Deutsch/D 7 - Sprachbewusstsein (Grammatik, Stilmittel, Varietäten)
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D 7 - Sprachbewusstsein (Grammatik, Stilmittel, Varietäten)

Sprachreflexion auf vier Ebenen: Grammatik und Syntax, rhetorische Stilmittel, Sprachvarietäten (Standard, Soziolekt, Dialekt) und Sprachwandel/Sprache und Gesellschaft.

6 Abschnitte·~23 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Stand 06/2026

T·0777 / 13
Prüfungsprofil
D-SB-4.1 · Grammatik- und Syntaxstrukturen verstehen und anwendenD-SB-4.2 · Stilmittel und rhetorische Figuren erkennen und einsetzenD-SB-4.3 · Sprachvarietäten und Sprachwandel reflektieren
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. D 7 - Sprachbewusstsein (Grammatik, Stilmittel, Varietäten)
    • 01Grammatik und Syntax für die Klausur○
    • 02Stilmittel-Katalog - die 30 wichtigsten Figuren◐
    • 03Sprachvarietäten - Standard, Dialekt, Soziolekt, Fachsprache◐
    • 04Sprachwandel, Anglizismen, Gendern - aktuelle Debatten◐
    • 05Rechtschreibung und Zeichensetzung - die Normsprachdimension○
    • 06Sprachgeschichte - vom Mittelhochdeutschen zur Gegenwartssprache◐

6 Abschnitte · 30 Merksätze · 0 Formeln · 30 Fehlerwarnungen

§ 01
§ 01

Grammatik und Syntax für die Klausur#

~4 Min Lesezeit●○○BasisLPD-SB-4.1

Kernpunkte

Grammatik wird in der Klausur nicht isoliert abgeprüft, aber durchgängig bewertet — die normsprachliche Korrektheit ist eine der vier IQS-Dimensionen. zeigt den Bauplan aus Haupt- und Nebensatz, aus dem die beiden Stilrichtungen folgen, die jeden Text prägen.

Satzbau - Haupt- und Nebensatz

Satzbau-SystematikBaumdiagramm, 6 Pfade, Daten: Hauptsatz → Aussagesatz; Hauptsatz → Fragesatz; Hauptsatz → Aufforderungssatz; Nebensatz → Konjunktionalsatz; Nebensatz → Relativsatz; Nebensatz → InfinitivsatzHauptsatzNebensatzSatzAussagesatzFragesatzAufforderungssatzKonjunktionalsatzRelativsatzInfinitivsatz
Abb. 1Der Hauptsatz ist selbstständig und erscheint als Aussage-, Frage- oder Aufforderungssatz; der Nebensatz ist abhängig (Konjunktional-, Relativ- oder Infinitivsatz). Viele Hauptsätze ergeben Parataxe, viele Nebensätze Hypotaxe.
Abb. 1 ↓
Der Hauptsatz ist selbstständig und erscheint als Aussage-, Frage- oder Aufforderungssatz; der Nebensatz ist abhängig und tritt als Konjunktional-, Relativ- oder Infinitivsatz auf. Daraus ergeben sich zwei Stilrichtungen: Hypotaxe (viele verschachtelte Nebensätze — komplex, abwägend, wissenschaftlich) und Parataxe (viele knappe Hauptsätze — schnell, drängend, journalistisch). Die Wahl zwischen beiden ist ein Stilmittel, nicht ein Zufall.
Die Satzarten tragen eigene Wirkungen, und das ist prüfungsrelevant: Der Fragesatz aktiviert, der Aufforderungssatz appelliert, der Ausrufesatz verstärkt, der Aussagesatz stellt fest. Wer bei der Textanalyse die Verteilung der Satzarten betrachtet, findet damit oft den schnellsten Zugang zur Wirkungsabsicht.
Die Tempora sind textsortengebunden: Präsens ist Standard für Analyse, Inhaltsangabe und Interpretation; Präteritum ist die Erzählzeit; das Perfekt gehört ins Gespräch; das Plusquamperfekt markiert Vorzeitigkeit; Futur I und II bezeichnen Zukünftiges. Die Konsequenz ist streng: In der Analyse steht durchgehend Präsens, und jeder Wechsel muss einen sachlichen Grund haben.
Die Modi verteilen die Geltungsansprüche: Der Indikativ setzt Wirklichkeit, der Konjunktiv I markiert die indirekte Rede, der Konjunktiv II bezeichnet Irrealität und Höflichkeit, der Imperativ fordert auf. Der Konjunktiv I ist dabei Prüfungsstandard, weil er in Zusammenfassung, Textanalyse und Materialverarbeitung fortwährend gebraucht wird.
Das Genus Verbi entscheidet über den Fokus: Das Aktiv rückt die handelnde Größe ins Zentrum, das Passiv die Handlung selbst. Wissenschaftliche und berichtende Sprache greift zum Passiv („es wurde gezeigt"), pointierter Stil zum Aktiv. Inflationäres Passiv verschleiert dagegen, wer eigentlich handelt — und genau das ist im Kommentar oder in der Meinungsrede ein Fehler, kein Stil.

Vokabeln

→ Kartei
  • HypotaxeSatzbau mit Unterordnung; wirkt komplex und abwägend.
  • ParataxeSatzbau mit Beiordnung; wirkt knapp und drängend.
  • Genus VerbiAktiv oder Passiv; entscheidet über den Fokus des Satzes.
  • Konjunktiv IModus der indirekten Rede.
  • Konjunktiv IIModus der Irrealität und der Höflichkeit.
  • VorzeitigkeitZeitverhältnis, das das Plusquamperfekt markiert.
Musterbeispiel

Hypotaxe in Parataxe umwandeln

Originalsatz: "Da die Mietpreise in Wien, die seit 2010 kontinuierlich steigen, mittlerweile ein Niveau erreicht haben, das für Studierende ohne familiäre Unterstützung kaum noch tragbar ist, fordern Wohnungspolitikerinnen seit Jahren strukturelle Maßnahmen, die jedoch von der Bundesregierung, die andere Prioritäten setzt, bisher nicht umgesetzt wurden."

  1. 01Analyse

    Ein Satz mit fünf Nebensätzen, ca. 50 Wörter. Hochkomplex, schwer lesbar. Klassische akademische Hypotaxe.

  2. 02Umwandlung in Parataxe

    "Die Mietpreise in Wien steigen seit 2010 kontinuierlich. Mittlerweile haben sie ein Niveau erreicht, das für Studierende ohne familiäre Unterstützung kaum noch tragbar ist. Wohnungspolitikerinnen fordern seit Jahren strukturelle Maßnahmen. Die Bundesregierung setzt jedoch andere Prioritäten und hat sie bisher nicht umgesetzt."

  3. 03Wirkung der Umwandlung

    Vier Sätze statt einer; lesbarer; klarere Argumentation; pointierter. Geeignet für Kommentar oder Meinungsrede.

  4. 04Wann Hypotaxe behalten?

    In wissenschaftlichen Texten und in der Textanalyse ist Hypotaxe oft funktional (Differenzierung, Präzisierung). In journalistischen Texten ist Parataxe wirksamer.

Ergebnis: Hypotaxe-Parataxe-Wahl ist eine bewusste Stilentscheidung. Beide haben ihren Platz - aber jeweils mit Funktionsbegründung.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Wortarten, Satzarten, Satzbau, Tempora, Modi - das Grammatik-Grundgerüst für die Klausur.

  2. 2

    Hypotaxe ist komplex und differenziert, Parataxe ist klar und pointiert.

  3. 3

    Konjunktiv I ist Pflicht in indirekter Rede.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Geben Sie folgende drei Sätze in indirekter Rede wieder (Konjunktiv I oder Ersatzform). Begründen Sie, wo Sie die Ersatzform wählen.

Maturafokus

  • Analysiere den Satzbau eines Textes auf Hypotaxe und Parataxe und deute die Wirkung.
  • Halte in Analyse und Interpretation durchgehend das Präsens und begründe jeden Wechsel.
  • Setze den Konjunktiv I konsequent in indirekter Rede und weiche bei Formgleichheit korrekt aus.
  • Untersuche die Verteilung der Satzarten als Zugang zur Wirkungsabsicht.
  • Prüfe im Passiv, ob die handelnde Größe absichtlich oder versehentlich verschwindet.

Typische Fehler

  • Wechsel zwischen Präsens und Präteritum innerhalb der Analyse.
  • Der Konjunktiv I fehlt oder wird mit dem Konjunktiv II verwechselt.
  • Das Passiv wird inflationär verwendet, obwohl das Aktiv klarer wäre.
  • Hypotaxe und Parataxe werden benannt, aber ihre Wirkung wird nicht gedeutet.
  • Satzarten werden gezählt statt auf ihre Wirkung hin befragt.

§ 01

Aktive Wiederholung

Nimm einen eigenen Aufsatz und analysiere: Wie oft verwendest du Hypotaxe vs. Parataxe? Welche Tempora dominieren? Ist der Konjunktiv I korrekt eingesetzt? Wo könntest du Aktiv statt Passiv wählen?

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Duden Grammatik (10. Aufl., 2022) (Duden) · Eisenberg: Das Wort - Grundriss der deutschen Grammatik (Metzler)

§ 02
§ 02

Stilmittel-Katalog - die 30 wichtigsten Figuren#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPD-SB-4.2

Kernpunkte

Der Stilmittelkatalog ordnet sich nach Wirkungsebenen, und stellt diese Systematik dar. Die oberste Unterscheidung ist zugleich die nützlichste: FIGUREN wirken syntagmatisch, also über die Anordnung der Wörter (Anapher, Parallelismus, Chiasmus, Alliteration); TROPEN wirken paradigmatisch, also durch die Ersetzung eines Ausdrucks (Metapher, Metonymie, Ironie, Hyperbel). Wer beim Befund mitdenkt, ob eine Figur oder ein Tropus vorliegt, deutet die Wirkung präziser.

Stilmittel-Systematik nach Wirkungsebene

Stilmittel nach WirkungsebeneBaumdiagramm, 15 Pfade, Daten: Klang → Alliteration; Klang → Assonanz; Klang → Onomatopoesie; Wort → Hyperbel; Wort → Litotes; Wort → Euphemismus; Syntax → Anapher; Syntax → Parallelismus; Syntax → Chiasmus; Bild (Tropen) → Metapher; Bild (Tropen) → Personifikation; Bild (Tropen) → Symbol; Argument → Rhetorische Frage; Argument → Ironie; Argument → AntitheseKlangWortSyntaxBild (Tropen)ArgumentStilmittelAlliterationAssonanzOnomatopoesieHyperbelLitotesEuphemismusAnapherParallelismusChiasmusMetapherPersonifikationSymbolRhetorische FrageIronieAntithese
Abb. 2Klang, Wort, Syntax, Bild und Argumentation - die fünf Hauptfamilien rhetorischer Figuren mit je drei Beispielen. Figuren wirken über die Anordnung, Tropen über die Ersetzung eines Ausdrucks.
Abb. 2 ↓
Die Klangfiguren arbeiten mit dem Lautmaterial: Alliteration (gleicher Anlaut — „Wind und Welle"), Assonanz (gleicher Vokal), Onomatopoesie (Lautmalerei — „krachen, zischen") und der Reim. Ihre Wirkung ist Einprägsamkeit und Rhythmus; in Sachtexten sind sie deshalb ein Signal für Appell, nicht für Information.
Die Wortfiguren der Wertung sind streng genommen Tropen, weil sie einen Ausdruck ersetzen: Hyperbel (Übertreibung — „tausend Tode"), Litotes (Untertreibung durch Verneinung — „nicht übel"), Euphemismus (beschönigender Ersatz — „entschlafen") und der Neologismus. Der Euphemismus ist dabei der prüfungsrelevanteste, weil er in politischer Sprache regelmäßig eine Bewertung transportiert.
Die Syntaxfiguren wirken über die Satzanordnung: Anapher (Wiederholung am Satzanfang), Epipher (am Satzende), Parallelismus (gleiche Struktur), Chiasmus (kreuzweise Anordnung), Inversion (Umkehrung), Ellipse (Auslassung), Klimax (Steigerung), Asyndeton (ohne Konjunktion) und Polysyndeton (mit vielen Konjunktionen). Asyndeton beschleunigt, Polysyndeton verlangsamt — dieser Gegensatz allein trägt viele Wirkungsdeutungen.
Die Tropen im engeren Sinn sind die Bildfiguren: Metapher (übertragene Bedeutung), Personifikation (Vermenschlichung), Allegorie (durchgeführtes Bild), Symbol (Stellvertreter), Vergleich (mit „wie"), Synekdoche (Teil für Ganzes) und Metonymie (Vertauschung sachverwandter Begriffe). Die häufigste Verwechslung betrifft Metapher und Symbol: Die Metapher überträgt punktuell, das Symbol steht dauerhaft für einen Bedeutungskomplex.
Die Argumentfiguren steuern die Auseinandersetzung: rhetorische Frage, Ironie, Antithese, Paradoxon, Oxymoron („bittersüß") und Präteritio (Erwähnung durch scheinbare Auslassung). Für alle gilt dieselbe Dreischrittregel: Benennen, Belegen, Deuten. Ein Befund ohne Deutung bleibt auf der mittleren Niveaustufe, und ein falscher Stilmittelname schadet mehr als das Weglassen.

Vokabeln

→ Kartei
  • FigurSyntagmatisches Stilmittel; wirkt über die Wortanordnung.
  • TropusParadigmatisches Stilmittel; wirkt durch Ersetzung eines Ausdrucks.
  • LitotesUntertreibung durch doppelte Verneinung ("nicht übel").
  • AsyndetonReihung ohne Konjunktion; beschleunigt.
  • PolysyndetonReihung mit vielen Konjunktionen; verlangsamt.
  • PräteritioErwähnung durch scheinbare Auslassung.
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Musterbeispiel

Stilmittelanalyse - vom Befund zur Funktion

Analysiere die Stilmittel der ersten Strophe von Rilkes "Der Panther" (1903). Wie kommst du vom Aufzählen zur Funktionsdeutung?

  1. 01Befund: Klang

    Konsonanz/Wiederholung auf "St" ("der Stäbe ... tausend Stäbe ... tausend Stäben") und die weichen Konsonanten in "so müd geworden" - alle aus der ersten Strophe. Notiere zunächst nur, was vorliegt.

  2. 02Befund: Wortwahl

    Adverbiale "so müde", "nichts mehr"; Hyperbel "tausend Stäbe"; das Adjektiv "betäubt" (Strophe 2); das Verb "hält" am Versende.

  3. 03Befund: Syntax

    Hypotaktischer Bau ("so ... dass er nichts mehr hält"), Inversion ("Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe"), Vergleichspartikel "als ob".

  4. 04Funktionsdeutung Klang

    Die weichen Konsonanten (w, g, s) suggerieren akustisch eine Geschmeidigkeit, die im INHALT als Erstarrung beschrieben wird - der Klang widerspricht dem Sinn. Wirkung: paradoxe Doppelbewegung von körperlicher Eleganz und seelischer Lähmung.

  5. 05Funktionsdeutung Wortwahl

    Die Hyperbel "tausend Stäbe" verschiebt die Wahrnehmungsperspektive von der real beobachtbaren Gitterstruktur (vielleicht 50 Stäbe) ins Subjektive: die Welt ist für den Panther in Stäbe aufgelöst. Damit wird das Gitter zur Wahrnehmungsstruktur, nicht zum Hindernis.

  6. 06Funktionsdeutung Syntax

    Der Konjunktiv "als ob ... gäbe" markiert den Schritt von der Beobachterperspektive (1. Vers: noch sichtbar) in die Innensicht des Tieres. Die Inversion verschiebt das Subjekt nach hinten - das Tier verliert syntaktisch seine Stellung als Handelnder.

Ergebnis: Vom Befund (was steht da?) über die Funktion (was macht es?) zur Bedeutung (was deutet das?). Drei Sätze pro Stilmittel reichen oft. Nie nur "Alliteration verstärkt die Aussage" - immer welche Aussage und WIE genau.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Stilmittel in fünf Familien: Klang, Wort, Syntax, Bild, Argument.

    Stilmittel-Systematik nach Wirkungsebene

    Stilmittel nach WirkungsebeneBaumdiagramm, 15 Pfade, Daten: Klang → Alliteration; Klang → Assonanz; Klang → Onomatopoesie; Wort → Hyperbel; Wort → Litotes; Wort → Euphemismus; Syntax → Anapher; Syntax → Parallelismus; Syntax → Chiasmus; Bild (Tropen) → Metapher; Bild (Tropen) → Personifikation; Bild (Tropen) → Symbol; Argument → Rhetorische Frage; Argument → Ironie; Argument → AntitheseKlangWortSyntaxBild (Tropen)ArgumentStilmittelAlliterationAssonanzOnomatopoesieHyperbelLitotesEuphemismusAnapherParallelismusChiasmusMetapherPersonifikationSymbolRhetorische FrageIronieAntithese
    Abb.Klang, Wort, Syntax, Bild und Argumentation - die fünf Hauptfamilien rhetorischer Figuren mit je drei Beispielen. Figuren wirken über die Anordnung, Tropen über die Ersetzung eines Ausdrucks.
  2. 2

    Drei Schritte: Benennen + Belegen + Deuten.

  3. 3

    Falsche Namen schaden mehr als das Weglassen.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Identifizieren Sie in einem Auszug aus einer politischen Rede mindestens fünf rhetorische Mittel. Benennen Sie sie, belegen Sie sie mit kurzen Zitaten und deuten Sie ihre Wirkung im Argumentationskontext.

Maturafokus

  • Führe jeden Stilmittelbefund im Dreischritt: benennen, mit Zitat belegen, Wirkung deuten.
  • Unterscheide Figur (Anordnung) und Tropus (Ersetzung) und leite daraus die Wirkungsdeutung ab.
  • Deute Asyndeton und Polysyndeton über ihre gegensätzliche Tempowirkung.
  • Unterscheide Metapher und Symbol nach punktueller Übertragung und dauerhaftem Bedeutungskomplex.
  • Verwende nur Stilmittelnamen, die du sicher kennst - ein falscher Name schadet mehr als eine Auslassung.

Typische Fehler

  • Stilmittel werden nur aufgezählt, ohne ihre Funktion zu deuten.
  • Stilmittel werden verwechselt: Alliteration mit Anapher, Metapher mit Symbol.
  • Erfundene Stilmittelnamen ("Adjektivierung", "Bilderfeld") werden verwendet.
  • Figur und Tropus werden nicht unterschieden; die Wirkungsdeutung bleibt vage.
  • Der Beleg fehlt; das Stilmittel wird behauptet, aber nicht am Text gezeigt.

§ 02

Aktive Wiederholung

Lerne die 30 wichtigsten Stilmittel auswendig: Name, Definition, Beispiel, typische Wirkung. Übe an einem Sachtext und einem literarischen Text die Anwendung des Benennen-Belegen-Deuten-Schemas.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Duden Rhetorik (3. Aufl., 2023) (Duden) · Ueding: Klassische Rhetorik (5. Aufl., 2011) (C.H. Beck)

§ 03
§ 03

Sprachvarietäten - Standard, Dialekt, Soziolekt, Fachsprache#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPD-SB-4.3

Kernpunkte

Die Sprachvarietäten lassen sich als Pyramide denken, und zeigt sie: An der Spitze steht die überregional verbindliche Standardsprache, darunter fächern sich Fachsprachen, Soziolekte, Dialekte und der individuelle Idiolekt auf. Für die Klausur ist die Spitze verbindlich; für die Analyse sind alle Ebenen relevant.

Sprachreflexion - Pyramide der Varietäten

STANDARDSPRACHE BILDUNGSSPRACHE / FACHSPRACHE UMGANGSSPRACHE / SOZIOLEKTE DIALEKTE / IDIOLEKTE Schreibklausur fordert Standard- und Bildungssprache. Dialekte sind nur in figurensprachlichen Zitaten zulässig.
Abb. 3Von der Standardsprache zu Soziolekt, Dialekt und Idiolekt.
Abb. 3 ↓
Die Standardsprache ist die überregionale Schriftnorm. In Österreich ist das österreichische Standarddeutsch eine vollwertige Standardvariante mit eigenen lexikalischen Formen — Jänner, Erdäpfel, Marille, Sackerl, heuer — und eigenen grammatischen Präferenzen. Es ist keine Abweichung vom bundesdeutschen Deutsch, sondern eine gleichrangige nationale Variante; das ist die plurizentrische Auffassung, die der Lehrplan zugrunde legt.
Der Dialekt ist regional geprägt: In Österreich sind das die bairisch-österreichischen Dialekte (Wienerisch, Oberösterreichisch, Steirisch, Kärntnerisch) und im Westen das Vorarlberger Alemannische. Der Soziolekt ist gruppenspezifisch (Jugendsprache, Berufssprache, Milieusprache), die Fachsprache terminologisch geprägt (Medizin, Recht, Wissenschaft), der Idiolekt der persönliche Stil eines einzelnen Menschen.
Die Bildungssprache ist die schriftlich-akademische Varietät mit komplexer Syntax und Fachvokabular. In der Schreibklausur ist sie Pflicht, und ihre Marker sind benennbar: Nominalisierungen, präzise Fachbegriffe, differenzierende Konnektoren, keine Füllwörter. Wer sie beherrscht, bedient die Dimensionen Stil und Ausdruck zugleich.
In literarischen Texten ist der bewusste Einsatz von Dialekt oder Soziolekt ein Stilmittel und damit Deutungsgegenstand: Er charakterisiert Figuren, markiert soziale Zugehörigkeit oder erzeugt Authentizität und Nähe. Ein Text, der eine Figur im Dialekt sprechen lässt, sagt damit etwas über sie — und genau das ist zu deuten, statt es als Abweichung zu notieren.
In der Klausur selbst gilt dagegen die Standardnorm ohne Ausnahme: keine Dialektwörter, keine umgangssprachlichen Wendungen, keine Jugendsprache. Die Unterscheidung ist wichtig, weil sie zwei verschiedene Anforderungen betrifft — Varietäten ANALYSIEREN zu können und selbst in der Standardsprache zu SCHREIBEN.

Vokabeln

→ Kartei
  • StandardvarietätÜberregional verbindliche Schriftnorm einer Sprachgemeinschaft.
  • PlurizentrischEine Sprache mit mehreren gleichrangigen nationalen Standardvarianten.
  • SoziolektGruppenspezifische Sprachform (Jugend-, Berufs-, Milieusprache).
  • IdiolektPersönlicher Sprachstil eines einzelnen Menschen.
  • BildungsspracheSchriftlich-akademische Varietät; in der Klausur verbindlich.
  • AustriazismusLexikalische Eigenform des österreichischen Standarddeutsch.
Musterbeispiel

Plurizentrik analysieren - österreichisches vs. deutsches Standarddeutsch

Nenne fünf lexikalische Unterschiede zwischen österreichischem und deutschem Standarddeutsch und deute ihre kulturelle Funktion.

  1. 01Lebensmittel

    AT: Erdäpfel - DE: Kartoffeln; AT: Marille - DE: Aprikose; AT: Topfen - DE: Quark; AT: Karfiol - DE: Blumenkohl. Funktion: Tradition als Identitätsmarker.

  2. 02Verwaltung

    AT: Matura - DE: Abitur; AT: Bezirkshauptmannschaft - DE: Landratsamt; AT: Sozialversicherung - DE: Krankenkasse. Funktion: institutionelle Eigenständigkeit.

  3. 03Alltag

    AT: Jänner - DE: Januar; AT: Faschiertes - DE: Hackfleisch. Funktion: regionale Prägung.

  4. 04Variante als Standard

    Plurizentrik bedeutet: österreichisches Standarddeutsch ist NICHT regionale Abweichung, sondern eigenständige Standardvariante mit eigener Norm.

  5. 05Prüfungsrelevanz

    In der Schreibklausur ist österreichisches Standard PFLICHT - "Jänner" statt "Januar" wird honoriert, nicht moniert.

Ergebnis: Plurizentrik ist linguistisch und kulturell wichtig. Es gibt nicht ein "richtiges" Deutsch, sondern mehrere standardisierte Varianten.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Sprachvarietäten: Standard, Dialekt, Soziolekt, Fachsprache, Idiolekt.

    Sprachreflexion - Pyramide der Varietäten

    STANDARDSPRACHE BILDUNGSSPRACHE / FACHSPRACHE UMGANGSSPRACHE / SOZIOLEKTE DIALEKTE / IDIOLEKTE Schreibklausur fordert Standard- und Bildungssprache. Dialekte sind nur in figurensprachlichen Zitaten zulässig.
    Abb.Von der Standardsprache zu Soziolekt, Dialekt und Idiolekt.
  2. 2

    In der Klausur: österreichisches Standarddeutsch ist Pflicht und vollwertige Variante.

  3. 3

    In der Literaturanalyse: Dialekt ist oft bewusstes Stilmittel.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Analysieren Sie die Verwendung von Dialektelementen in einem Auszug aus Wolf Haas' Brenner-Reihe. Bestimmen Sie die literarische Funktion der Sprachvariation.

Maturafokus

  • Bestimme die Sprachvarietät eines Beispieltextes und belege sie an konkreten Merkmalen.
  • Deute den Einsatz von Dialekt oder Soziolekt in einem literarischen Text als Charakterisierungsmittel.
  • Erläutere das österreichische Standarddeutsch als gleichrangige nationale Variante.
  • Schreibe selbst durchgehend in Standard- und Bildungssprache - in der Klausur verbindlich.
  • Unterscheide die Anforderung, Varietäten zu analysieren, von der Anforderung, im Standard zu schreiben.

Typische Fehler

  • Dialektwörter oder umgangssprachliche Wendungen stehen im Klausurtext.
  • Die Standardsprache wird mit dem bundesdeutschen Deutsch gleichgesetzt; das österreichische Standarddeutsch gilt als Abweichung.
  • Die Soziolektanalyse beschränkt sich auf Jugendsprache; Berufs- und Milieusprachen fehlen.
  • Der Dialekt einer literarischen Figur wird als Fehler notiert statt als Charakterisierung gedeutet.
  • Bildungssprache wird mit Umständlichkeit verwechselt; die Sätze werden lang statt präzise.

§ 03

Aktive Wiederholung

Analysiere einen Auszug aus Wolf Haas' "Brennerova" und identifiziere: Dialektelemente, Soziolektmerkmale, Standardabweichungen. Deute die Funktion der Sprachvariation für die Erzählinstanz.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: ÖsterreichKorpus - Variation des Deutschen (ÖAW) · Ammon: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz (1995) (De Gruyter)

§ 04
§ 04

Sprachwandel, Anglizismen, Gendern - aktuelle Debatten#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPD-SB-4.3.2

Kernpunkte

Sprachwandel ist der linguistische Normalfall, keine Krise: Neologismen entstehen, alte Wörter verschwinden, Bedeutungen verschieben sich. zeigt die Warnsignale sprachlicher Manipulation, die Varietätenpyramide — beide Perspektiven brauchen die aktuellen Sprachdebatten, weil sie zwischen Beobachtung und Wertung unterscheiden helfen.

Manipulationscheckliste - sechs Warnsignale

Manipulation - sechs WarnsignaleTabelle mit 2 Spalten und 6 Zeilen, Daten: Warnsignal · Woran erkennbar; Emotion · starke Reizwörter; Fehlende Quelle · ohne klare Quelle; Scheinkausal · weil A, also B; Generalisierung · ›alle‹, ›immer‹; Framing · Wortwahl lenkt; Bildfälschung · Schnitt, Filter, KIWarnsignalWoran erkennbarEmotionstarke ReizwörterFehlende Quelleohne klare QuelleScheinkausalweil A, also BGeneralisierung›alle‹, ›immer‹FramingWortwahl lenktBildfälschungSchnitt, Filter, KI
Abb. 4Sechs Warnsignale für Manipulation - erst die Quelle prüfen, dann zitieren. SIFT-Methode: Stop, Investigate, Find better coverage, Trace claims (Caulfield 2019, von der UNESCO übernommen).

Sprachreflexion - Pyramide der Varietäten

STANDARDSPRACHE BILDUNGSSPRACHE / FACHSPRACHE UMGANGSSPRACHE / SOZIOLEKTE DIALEKTE / IDIOLEKTE Schreibklausur fordert Standard- und Bildungssprache. Dialekte sind nur in figurensprachlichen Zitaten zulässig.
Abb. 5Von der Standardsprache zu Soziolekt, Dialekt und Idiolekt.
Abb. 4 ↓Abb. 5 ↓
Anglizismen sind lexikalische Übernahmen aus dem Englischen (Computer, Meeting, downloaden). Ihre Funktionen sind benennbar: Sie kennzeichnen kulturelle Domänen, schaffen Präzision in Fachsprachen und dienen als Prestigemarker. Die Bewertung als Bedrohung ist eine Position in der Debatte, kein Befund — und die Unterscheidung zwischen beidem ist die eigentliche Prüfungsleistung.
Das generische Maskulinum verwendet die maskuline Form („der Lehrer") als übergeordneten Begriff. Es ist wissenschaftlich umstritten: psycholinguistische Untersuchungen (etwa Stahlberg und Sczesny) zeigen eine geringere gedankliche Sichtbarkeit von Frauen bei generisch maskulinen Formulierungen. Das ist ein empirischer Befund, aus dem verschiedene sprachpolitische Schlüsse gezogen werden.
Die Genderformen sind mehrere, und jede hat Argumente: Doppelnennung („Lehrerinnen und Lehrer"), Schrägstrichvariante, Binnenmajuskel, Sternchen-, Doppelpunkt- und Unterstrichvariante sowie die neutrale Form („Lehrende"). Die Argumente betreffen Sichtbarkeit, Lesbarkeit, Vorlesbarkeit und Barrierefreiheit — sie lassen sich sachlich abwägen.
Zur Rechtslage: Der Rat für deutsche Rechtschreibung empfiehlt seit 2018 Formen wie die Doppelnennung und hat Sonderzeichen im Wortinneren — Stern, Doppelpunkt, Unterstrich — ausdrücklich NICHT ins amtliche Regelwerk aufgenommen, unter anderem aus Gründen der Lesbarkeit und der Barrierefreiheit. In österreichischen Schulen ist zusätzlich die jeweilige Hausnorm verbindlich; im Zweifel ist sie zu erfragen.
Sprache und Macht hängen über das Framing zusammen: Begriffe legen eine Bewertung nahe, bevor ein Argument fällt — „Wirtschaftsflüchtling" gegen „Schutzsuchender", „illegal" gegen „ohne Aufenthaltstitel", „Klimaleugner" gegen „Klimaskeptiker". Framing ist dabei ein neutraler linguistischer Begriff und nicht gleichbedeutend mit Manipulation: Jede Bezeichnung rahmt, die Frage ist nur, ob der Rahmen offengelegt oder verborgen wird.

Vokabeln

→ Kartei
  • Generisches MaskulinumMaskuline Form als übergeordneter Begriff.
  • NeologismusSprachliche Neubildung.
  • FramingBewertende Rahmung durch Wortwahl; neutraler Fachbegriff.
  • AnglizismusLexikalische Übernahme aus dem Englischen.
  • BarrierefreiheitArgument in der Genderdebatte: Vorlesbarkeit durch Screenreader.
  • Amtliches RegelwerkVerbindliche Rechtschreibnorm des Rats für deutsche Rechtschreibung.
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Musterbeispiel

Framing-Analyse - wie Wortwahl die Deutung steuert

Zwei Schlagzeilen über dieselbe Maßnahme: „Asyl-Ansturm an der Grenze" und „Schutzsuchende erreichen die Grenze". Analysiere das Framing Schritt für Schritt - so, wie es eine Sachtextanalyse verlangt.

  1. Schritt 1 - den gerahmten Ausdruck isolieren

    „Ansturm" und „Schutzsuchende" bezeichnen dieselbe Personengruppe, aber mit gegensätzlicher Färbung: „Ansturm" stammt aus dem militärisch-katastrophischen Wortfeld (Masse, Gefahr), „Schutzsuchende" aus dem Wortfeld Recht und Hilfsbedürftigkeit.

  2. Schritt 2 - den Frame benennen

    „Ansturm" aktiviert das Deutungsmuster Bedrohung/Abwehr (Konnotation: Kontrollverlust); „Schutzsuchende" das Muster Humanität/Rechtsanspruch. Der Frame ist das mitgelieferte Deutungsmuster, nicht der bloße Inhalt.

  3. Schritt 3 - die gesteuerte Deutung beschreiben

    Der Frame legt die Bewertung nahe, BEVOR ein Argument fällt: Wer „Ansturm" liest, denkt an Abwehrmaßnahmen; wer „Schutzsuchende" liest, an Hilfe. Das ist keine Falschaussage, sondern Lenkung über Konnotation - genau deshalb ist Framing ein neutraler linguistischer Begriff, nicht ein Synonym für Lüge.

  4. Schritt 4 - im Analysetext benennen und belegen

    Formuliere den Befund: „Der Begriff ‚Ansturm' rahmt das Geschehen als Bedrohung, indem er die Konnotation von Masse und Gefahr transportiert; eine neutralere Bezeichnung wäre ‚ankommende Geflüchtete'." So wird das Framing benannt, belegt und durch eine Alternative entschärft.

Ergebnis: Framing-Analyse in vier Schritten: Ausdruck isolieren, Frame benennen, gesteuerte Deutung zeigen, neutrale Alternative anbieten. Die Warnsignale der Manipulationscheckliste (Abb. 4) - Emotion, Generalisierung, Framing - sind die Suchraster dafür. Häufiger Fehler: Framing mit „Manipulation/Lüge" gleichsetzen, statt es als wertneutralen Mechanismus jeder Wortwahl zu analysieren.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Sprachwandel ist Normalfall, nicht Krise.

  2. 2

    Genderformen: Doppelnennung, Schrägstrich, Binnenmajuskel, Sternchen/Doppelpunkt/Unterstrich, neutrale Form.

  3. 3

    Framing analysieren: Begriffe konstruieren Wirklichkeit.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank16 Punkte

Aufgabenstellung

Verfassen Sie eine dialektische Erörterung zur Frage "Sollen österreichische Schulen verbindlich gendergerechte Sprache verwenden?". Beziehen Sie sich auf die Beilage "Streit um den Stern" (Die Zeit, 2023).

Maturafokus

  • Analysiere ein Begriffspaar auf sein Framing und benenne die jeweils nahegelegte Bewertung.
  • Erläutere die Hauptpositionen der Genderdebatte mit Argumenten statt mit privater Meinung.
  • Unterscheide den empirischen Befund zum generischen Maskulinum von den sprachpolitischen Schlüssen.
  • Beurteile Sprachwandel als Anpassung und widerlege die Verfallsthese begründet.
  • Benenne die Empfehlung des Rats für deutsche Rechtschreibung korrekt, einschließlich der Nicht-Aufnahme der Sonderzeichen.

Typische Fehler

  • Sprachwandel wird als Sprachverfall gedeutet - linguistisch nicht haltbar.
  • Die Genderdebatte wird mit privater Meinung statt mit Argumenten geführt.
  • Framing wird mit Manipulation gleichgesetzt - Framing ist ein neutraler Begriff.
  • Der empirische Befund und die daraus gezogenen Schlüsse werden vermischt.
  • Die Rechtslage wird verkürzt dargestellt (etwa als Verbot statt als Nicht-Aufnahme ins Regelwerk).

§ 04

Aktive Wiederholung

Analysiere ein aktuelles Zeitungsstück (Standard, Presse, Falter) auf: Anglizismen, Genderformen, Framing-Begriffe. Diskutiere die Funktion jeder Sprachwahl.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Rat für deutsche Rechtschreibung - Regeln und Wörterverzeichnis (Rat für deutsche Rechtschreibung) · Stahlberg/Sczesny: Effekte des generischen Maskulinums (2001) (Hogrefe)

§ 05
§ 05

Rechtschreibung und Zeichensetzung - die Normsprachdimension#

~3 Min Lesezeit●○○BasisLPD-SB-4.1

Kernpunkte

Die normsprachliche Korrektheit ist eine der vier Beurteilungsdimensionen mit null bis vier Punkten je Aufgabe; zeigt das Raster. Sie umfasst Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik und Syntax — und weil sie unabhängig von den drei anderen Dimensionen zählt, kann sie einen inhaltlich starken Text spürbar herunterziehen.

IQS-Beurteilungsraster Deutsch - vier Dimensionen

IQS-Beurteilungsraster DeutschTabelle mit 3 Spalten und 4 Zeilen, Daten: Dimension · Beurteilt · Punkte; Inhalt · Aufgabenerfüllung · 0–4; Textstruktur · Aufbau, Kohärenz · 0–4; Stil & Ausdruck · Register, Ausdruck · 0–4; Normsprache · Sprachrichtigkeit · 0–4DimensionBeurteiltPunkteInhaltAufgabenerfüllung0–4TextstrukturAufbau, Kohärenz0–4Stil & AusdruckRegister, Ausdruck0–4NormspracheSprachrichtigkeit0–4
Abb. 6Vier Dimensionen, jede mit 0-4 Punkten bewertet - maximal 16 Punkte gesamt. 4 = sehr gut, 0 = nicht erfüllt.
Abb. 6 ↓
Die das-dass-Probe ist die wirksamste Einzelregel: Lässt sich das Wort durch dieses, welches oder jenes ersetzen, steht „das" (Artikel oder Relativpronomen); andernfalls steht „dass" (Konjunktion). Diese Probe kostet zwei Sekunden pro Fall und erledigt den häufigsten Rechtschreibfehler der Oberstufe vollständig.
Die Kommasetzung bei Infinitivgruppen mit um zu, ohne zu, statt zu, anstatt zu und als zu ist verpflichtend — und eine der häufigsten Fehlerquellen. Ebenso verbindlich ist das Komma bei eingeleiteten Nebensätzen (weil, dass, obwohl, der, die, das) und bei nachgestellten Zusätzen und Appositionen.
Die Groß- und Kleinschreibung folgt bei Nominalisierungen erkennbaren Signalen: Artikel, Pronomen, Präposition oder Mengenangabe vor dem Wort („das Lesen", „beim Schreiben", „etwas Wichtiges"). Wer das Signalwort sucht statt nach Gefühl zu entscheiden, macht in dieser Gruppe praktisch keine Fehler mehr.
Die Handreichung unterscheidet drei Fehlerklassen, und die Zuordnung ist prüfungsrelevant: Zur RECHTSCHREIBUNG zählt alles, was im amtlichen Regelwerk geregelt ist, einschließlich grammatikbasierter Phänomene wie das/dass. Zu den GRAMMATIKfehlern zählen falsche Wortbildung, Flexion, Tempus- und Modusgebrauch, Kongruenz und Konstruktionsbrüche. Zu den AUSDRUCKsfehlern zählen Wortverwechslungen, falsche Kollokationen und falscher Präpositionsgebrauch.
Die Bewertung erfolgt kriterienorientiert nach Gesamteindruck und Schwere der Fehler und ausdrücklich NICHT durch bloßes Fehlerzählen; bei der Grammatik gibt es zudem einen Graubereich, in dem Zweifelsfälle nicht vorschnell als Fehler gewertet werden. Praktisch heißt das: Ein Fehler, der das Verständnis stört, wiegt schwerer als drei, die es nicht tun — und das (elektronische) Wörterbuch ist in der Klausur zugelassen, Lexika und elektronische Informationsmedien dagegen nicht.

Vokabeln

→ Kartei
  • Ersatzprobedas/dass-Test über dieses, welches, jenes.
  • AppositionNachgestellter Zusatz; steht in Kommas.
  • KongruenzÜbereinstimmung von Subjekt und Prädikat.
  • KonstruktionsbruchAbbruch und Neuansatz einer Satzkonstruktion; Grammatikfehler.
  • AusdrucksfehlerWortverwechslung, falsche Kollokation, falsche Präposition.
  • GraubereichZweifelsfälle der Grammatik, die nicht vorschnell als Fehler zählen.
Musterbeispiel

das/dass-Probe und Infinitivkomma anwenden

Korrigiere: Ich weiß das es wichtig ist regelmäßig zu üben um besser zu werden.

  1. 01das/dass prüfen

    Ersatzprobe: dieses es wichtig ist ergibt keinen Sinn, also Konjunktion: Ich weiß, dass es wichtig ist ...

  2. 02Nebensatzkomma setzen

    Vor dem dass-Satz steht ein Komma: Ich weiß, dass es wichtig ist, ...

  3. 03Infinitivkomma setzen

    Die Infinitivgruppe mit um zu wird durch Komma abgetrennt: ... regelmäßig zu üben, um besser zu werden.

Ergebnis: Korrigierte Fassung: Ich weiß, dass es wichtig ist, regelmäßig zu üben, um besser zu werden. Drei Regeln (dass-Konjunktion, Nebensatzkomma, Infinitivkomma) sind korrekt angewandt - genau die Fälle, die in der Normsprachdimension Punkte sichern.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Normsprachdimension: bis zu vier Punkte pro Aufgabe.

  2. 2

    das/dass mit Ersatzprobe, Infinitivkomma bei um/ohne/statt zu.

  3. 3

    Nominalisierungen großschreiben, Duden gezielt nutzen.

Maturafokus

  • Korrigiere einen Text systematisch auf das/dass, Infinitivkommas, Nominalisierung und Kasus.
  • Erläutere die das-dass-Probe und die Kommaregel bei Infinitivgruppen an eigenen Beispielen.
  • Ordne einen gegebenen Fehler der richtigen Klasse zu (Rechtschreibung, Grammatik, Ausdruck).
  • Nutze das zugelassene Wörterbuch gezielt in der Überarbeitungsphase für unsichere Fälle.
  • Priorisiere beim Korrigieren die Fehler, die das Verständnis stören.

Typische Fehler

  • das/dass wird nach Gefühl gesetzt statt mit der Ersatzprobe geprüft.
  • Das Komma bei um zu, ohne zu, statt zu fehlt.
  • Nominalisierungen werden kleingeschrieben ("das laufen" statt "das Laufen").
  • Fehlerklassen werden vermischt; ein Ausdrucksfehler wird als Rechtschreibfehler behandelt.
  • Das zugelassene Wörterbuch wird nicht genutzt, obwohl es in der Klausur zur Verfügung steht.

§ 05

Aktive Wiederholung

Korrigiere einen fehlerhaften Absatz systematisch mit einer Fehlercheckliste (das/dass, Infinitivkomma, Nebensatzkomma, Nominalisierung, Kasus) und schreibe die korrigierte Fassung vollständig ab.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Duden Rechtschreibung (28. Aufl., 2020) (Duden) · Rat für deutsche Rechtschreibung - Regelwerk (Rat für deutsche Rechtschreibung)

§ 06
§ 06

Sprachgeschichte - vom Mittelhochdeutschen zur Gegenwartssprache#

~3 Min Lesezeit●●○StandardLPD-SB-4.3

Kernpunkte

Die deutsche Sprache durchlief vier große Stufen: Althochdeutsch (etwa 750–1050), Mittelhochdeutsch (etwa 1050–1350), Frühneuhochdeutsch (etwa 1350–1650) und Neuhochdeutsch (ab etwa 1650). ordnet diese Stufen neben die literarischen Epochen — die beiden Zeitleisten laufen parallel und erklären einander wechselseitig.

Zeitstrahl deutschsprachiger Literaturepochen

750 1500 1720 1800 1850 1900 1945 1990 2026 Mittelalter Humanismus / Barock Aufklärung St. u. Dr. Klassik Romantik Vormärz / Realismus Natur. Wr. Mod. Expressionismus Nachkrieg Gegenwart Hellblau = AHS-Matura-Schwerpunkt - Texte aus diesen Epochen tauchen am häufigsten auf. "Wr. Mod." = Wiener Moderne (Schnitzler, Hofmannsthal, Rilke) - österreichischer Pflichtbestand. Nachkrieg-AT: Bachmann, Bernhard, Aichinger, Mayröcker; Gegenwart-AT: Jelinek, Handke, Streeruwitz, Petrowskaja.
Abb. 7Vom Mittelalter (ca. 750) bis zur Gegenwart (2026). Hervorgehoben: Schwerpunkte der österreichischen Matura.
Abb. 7 ↓
Luthers Bibelübersetzung von 1522 und 1534 gilt als Meilenstein der Vereinheitlichung. Sie verbreitete eine überregionale Schriftsprache über die Druckerpresse und prägte Wortschatz und Wendungen bis heute — „Perlen vor die Säue", „im Dunkeln tappen", „Lückenbüßer" stammen aus ihr. Luther ist damit nicht nur Reformator, sondern Sprachvereinheitlicher.
Sprachwandel betrifft alle Ebenen zugleich. Der Lautwandel ist an der frühneuhochdeutschen Diphthongierung ablesbar: aus mîn hûs wird mein Haus. Der Bedeutungswandel tritt als Verengung, Erweiterung oder Verschlechterung auf. Der Wortschatzwandel geschieht durch Entlehnung, Neubildung und das Veralten von Wörtern zum Archaismus.
Der Bedeutungswandel ist das prüfungsrelevanteste Phänomen, weil er sich an Beispielen zeigen lässt: „arbeiten" bedeutete ursprünglich leiden oder sich quälen, „toll" bedeutete wahnsinnig, „Frauenzimmer" bezeichnete zunächst einen Raum. Diese Beispiele belegen, dass Wortbedeutungen historisch beweglich sind — und damit, dass die heutige Bedeutung kein Naturzustand ist.
Sprachpflege und Sprachkritik begleiten den Wandel durch die ganze Neuzeit: die barocken Sprachgesellschaften, Gottscheds Normierungsbemühungen in der Aufklärung, die Puristen des 19. Jahrhunderts und heute die Anglizismus- und Genderdebatte. Die Argumente wiederholen sich erstaunlich genau — und dieser Befund ist selbst ein Argument in der Gegenwartsdebatte.
Die geforderte Prüfungsposition ist reflektiert und nicht wertend: Sprachwandel ist weder Verfall noch Fortschritt, sondern Anpassung an veränderte Kommunikationsbedürfnisse. Wer die Verfallsthese vertritt, muss zeigen, woran der Verfall zu messen wäre — und genau diese Frage ist es, an der die These regelmäßig scheitert.

Vokabeln

→ Kartei
  • MittelhochdeutschSprachstufe etwa 1050 bis 1350.
  • DiphthongierungLautwandel: mîn hûs wird mein Haus.
  • BedeutungsverengungEin Wort bezeichnet weniger als zuvor.
  • BedeutungsverschlechterungEin Wort nimmt eine abwertende Bedeutung an.
  • ArchaismusVeraltetes Wort, das aus dem Gebrauch fällt.
  • PurismusSprachpflegerische Bewegung gegen Fremdwörter.
Musterbeispiel

Bedeutungswandel an Beispielen erläutern

Ordne die Wörter Fraulein, arbeiten und geil je einem Typ des Bedeutungswandels zu.

  1. 01Bedeutungsverengung

    Fraulein war zunächst die Verkleinerungsform zu "Frau" (= Herrin, vornehme Dame) und verengte sich dann speziell auf die unverheiratete Frau; heute ist es weitgehend außer Gebrauch.

  2. 02Bedeutungsverschiebung

    arbeiten bedeutete im Mittelhochdeutschen leiden, sich mühen; heute meint es zielgerichtete Tätigkeit - der negative Beiklang ging verloren.

  3. 03Bedeutungserweiterung

    geil bedeutete ursprünglich üppig, fruchtbar (Boden), erhielt eine sexuelle Bedeutung und wurde in der Jugendsprache zur allgemeinen Steigerung (sehr gut) erweitert.

Ergebnis: Die drei Beispiele zeigen Verengung, Verschiebung und Erweiterung der Wortbedeutung. Sie belegen, dass Bedeutungen historisch wandelbar sind - Sprachwandel ist Anpassung, nicht Verfall.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Sprachstufen: Alt-, Mittel-, Fruehneu- und Neuhochdeutsch.

  2. 2

    Luthers Bibelübersetzung vereinheitlichte die Schriftsprache.

  3. 3

    Sprachwandel ist Anpassung, nicht Verfall.

Maturafokus

  • Erläutere eine Ebene des Sprachwandels (Laut-, Bedeutungs- oder Wortschatzwandel) an einem Beispiel.
  • Beurteile die Rolle von Luthers Bibelübersetzung für die Vereinheitlichung des Deutschen.
  • Widerlege die Verfallsthese begründet und ordne Sprachwandel als Anpassung ein.
  • Belege den Bedeutungswandel an mindestens zwei historischen Wortbeispielen.
  • Vergleiche historische und heutige Sprachkritik und benenne die wiederkehrenden Argumente.

Typische Fehler

  • Sprachwandel wird pauschal als Sprachverfall bewertet statt reflektiert eingeordnet.
  • Bedeutungswandel und Lautwandel werden verwechselt.
  • Luther wird nur als Reformator gewürdigt, nicht als Sprachvereinheitlicher.
  • Die Sprachstufen werden genannt, aber nicht mit Beispielen belegt.
  • Die Verfallsthese wird übernommen, ohne zu klären, woran der Verfall messbar wäre.

§ 06

Aktive Wiederholung

Erläutere an drei Beispielen je einen Typ des Bedeutungswandels (Verengung, Erweiterung, Verschlechterung) und nimm begründet Stellung zur These, Sprachwandel sei Sprachverfall.

Passende Aufgaben üben50 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: Duden Grammatik (10. Aufl., 2022) (Duden) · AHS-Lehrplan Deutsch (BMBWF / RIS)

Stand 06/2026 · Vollständige Fassung über den Tiefenregler — gleiche Stelle, gleiche Anker

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Grammatik und Syntax für die Klausur○
    • 02Stilmittel-Katalog - die 30 wichtigsten Figuren◐
    • 03Sprachvarietäten - Standard, Dialekt, Soziolekt, Fachsprache◐
    • 04Sprachwandel, Anglizismen, Gendern - aktuelle Debatten◐
    • 05Rechtschreibung und Zeichensetzung - die Normsprachdimension○
    • 06Sprachgeschichte - vom Mittelhochdeutschen zur Gegenwartssprache◐

0/6 Gelesen

Aus den Notizen ins Training

D 7 - Sprachbewusstsein (Grammatik, Stilmittel, Varietäten)

Festige dieses Thema an passenden Aufgaben aus der Fragenbank.

~23
Min
3
Kompetenzen
50
Fragen
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Beispielfrage

Geben Sie folgende drei Sätze in indirekter Rede wieder (Konjunktiv I oder Ersatzform). Begründen Sie, wo Sie die Ersatzform wählen.

16 BE · 2022

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Belege & Quellen

Quellen

Duden

  • Duden Grammatik (10. Aufl., 2022)
  • Duden Rhetorik (3. Aufl., 2023)
  • Duden Rechtschreibung (28. Aufl., 2020)

Metzler

  • Eisenberg: Das Wort - Grundriss der deutschen Grammatik

C.H. Beck

  • Ueding: Klassische Rhetorik (5. Aufl., 2011)

ÖAW

  • ÖsterreichKorpus - Variation des Deutschen

De Gruyter

  • Ammon: Die deutsche Sprache in Deutschland, Österreich und der Schweiz (1995)

Rat für deutsche Rechtschreibung

  • Rat für deutsche Rechtschreibung - Regeln und Wörterverzeichnis
  • Rat für deutsche Rechtschreibung - Regelwerk

Hogrefe

  • Stahlberg/Sczesny: Effekte des generischen Maskulinums (2001)

BMBWF / RIS

  • AHS-Lehrplan Deutsch

Siehe auch

  • D 5 - Textanalyse und TextinterpretationDer Ort, an dem Stilmittel gedeutet statt nur benannt werden.
  • D 11 - Medien, Medienkritik, digitale MündigkeitFraming als sprachliche Wirkung in Sachtexten.
  • D 8 - Literaturgeschichte I: Mittelalter bis GoethezeitSprachgeschichte und Literaturgeschichte laufen parallel.

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EuraStudy·Notizen T·07·MMXXVI

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