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Notizen/Geografie und Wirtschaftskunde/GW 12 — Verkehrsträger, Brenner-Transit, nachhaltige Mobilität
AT · Matura

GW 12 — Verkehrsträger, Brenner-Transit, nachhaltige Mobilität

Verkehrsträger und Modal Split, Personen- und Güterverkehr, Transitverkehr Brenner, Klimaticket und ÖBB-Ausbau, nachhaltige Mobilität.

6 Abschnitte·~19 Min Lesezeit·2 Kompetenzen·Stand 06/2026

T·121212 / 12
Prüfungsprofil
GW-Verk-1 · Verkehrssystem analysierenGW-Verk-2 · Mobilitätswende
Tiefe

Lesetiefe: Vertiefung

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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. GW 12 — Verkehrsträger, Brenner-Transit, nachhaltige Mobilität
    • 01Verkehrsträger und Modal Split○
    • 02Brenner-Transit: Straße, Schiene, BBT◐
    • 03Nachhaltige Mobilität: Klimaticket, ÖBB, E-Mobilität◐
    • 04Wechselkurse und internationale Wirtschaft●
    • 05Verkehrsinfrastruktur, Logistik und Güterverkehr◐
    • 06Stadtverkehr, Pendeln und Verkehrsplanung◐

6 Abschnitte · 30 Merksätze · 2 Formeln · 30 Fehlerwarnungen

§ 01
§ 01

Verkehrsträger und Modal Split#

~4 Min Lesezeit●○○BasisLPGW-Verk-12.1

Kernpunkte

Der Verkehr nutzt mehrere Verkehrsträger: die Straße (Pkw, Lkw, Bus), die Schiene (Personen und Güter), die Wasserstraße, den Luftverkehr und Pipelines. Welcher Anteil auf welchen Träger entfällt, beschreibt der Modal Split ().

Modal Split Personenverkehr Österreich 2022 (% der Wege)

Modal Split Personenverkehr 2022 (%)Kreisdiagramm, Daten: Pkw (MIV): 64; Fuß/Rad: 18; Öffentlich: 16; Sonstige: 2Pkw (MIV) 64%Fuß/Rad 18%Öffentlich 16%Sonstige 2%
Abb. 1Anteil der Verkehrsmittel an allen zurückgelegten Wegen. Quelle: VCÖ/BMK.
Abb. 1 ↓
Im österreichischen Personenverkehr dominiert 2022 klar der motorisierte Individualverkehr (MIV) mit rund 64 % der Wege; auf den öffentlichen Verkehr entfallen 16 %, auf Fuß und Rad 18 %, der Rest auf Sonstiges. Das Auto ist also nach wie vor das Rückgrat der Alltagsmobilität (siehe Beispiel).
Wien sticht heraus: Hier nutzen nur rund 26 % das Auto, dafür 32 % den öffentlichen Verkehr und ebenso viele gehen zu Fuß, 10 % radeln. Die Gründe sind ein dichtes U-Bahn-Netz, die günstige 365-Euro-Jahreskarte und die hohe bauliche Dichte — Angebot und Stadtstruktur formen das Verhalten.
Im Güterverkehr läuft der Großteil über die Straße (rund 64 %), die Schiene trägt rund 32 %, die Donau-Schifffahrt rund 4 %. Der Schienenanteil ist im EU-Vergleich hoch — ein Erfolg der Bahnpolitik —, doch der wachsende Lkw-Verkehr bleibt ein Problem.
Der Verkehr verursacht erhebliche externe Kosten — Lärm, Unfälle, Schadstoffe, Klimaschäden —, die die EU auf rund 1.000 Mrd. EUR pro Jahr schätzt und die selten im Preis enthalten sind. Genau hier setzt die Forderung nach Kostenwahrheit (Internalisierung) an.
Wie viel Verkehr entsteht, lässt sich abschätzen: Personen mal Wege pro Tag mal Kilometer pro Weg ergibt die Verkehrsleistung; im Schnitt legt jede Person in Österreich rund 30 km pro Tag zurück. Mehr und weitere Wege bedeuten mehr Verkehr — Raumstruktur und Mobilität hängen eng zusammen.
Verkehrspolitisch entscheidend ist die Klimabilanz: Der Verkehr verursacht rund 28 % der österreichischen Treibhausgasemissionen, und sein Ausstoß wuchs lange. Damit ist er der Sektor, in dem die Klimaziele am schwersten zu erreichen sind — und der Hebel für jede Mobilitätswende.

Vokabeln

→ Kartei
  • Modal SplitAufteilung des Verkehrs auf die Verkehrsträger.
  • MIVMotorisierter Individualverkehr.
  • VerkehrsleistungPersonen- oder Tonnenkilometer in einem Zeitraum.
  • UmweltverbundZu Fuß, Rad und öffentlicher Verkehr zusammen.
  • PersonenkilometerEine Person, einen Kilometer befördert.
  • VerlagerungWechsel des Verkehrs auf einen anderen Träger.

Modal-Split-Anteil

Anteil=Wege eines VerkehrsmittelsWege gesamt⋅100\text{Anteil} = \dfrac{\text{Wege eines Verkehrsmittels}}{\text{Wege gesamt}} \cdot 100Anteil=Wege gesamtWege eines Verkehrsmittels​⋅100

Der Anteil eines Verkehrsmittels. Entscheidend ist die Bezugsgröße: nach WEGEN gezählt sieht der Umweltverbund deutlich besser aus als nach Personenkilometern, weil Autofahrten im Schnitt länger sind.

Musterbeispiel

Modal-Split-Anteile berechnen

In einer Stadt werden täglich 1.000 Wege zurückgelegt: 640 MIV, 160 öffentlich, 180 zu Fuss/Rad, 20 sonstige. Bestimme die Modal-Split-Anteile.

  1. 01MIV-Anteil

    640 / 1.000 . 100 = 64 %.

    6401000⋅100=64%\dfrac{640}{1000}\cdot 100 = 64\%1000640​⋅100=64%
  2. 02Öffentlicher Verkehr

    160 / 1.000 . 100 = 16 %.

    1601000⋅100=16%\dfrac{160}{1000}\cdot 100 = 16\%1000160​⋅100=16%
  3. 03Aktive Mobilität und Rest

    180 / 1.000 = 18 % Fuss/Rad; 20 / 1.000 = 2 % sonstige; Summe 100 %.

Ergebnis: Modal Split 64 % MIV, 16 % öffentlich, 18 % Fuss/Rad, 2 % sonstige — kfz-dominiert.

Musterbeispiel

CO2-Vergleich Auto vs. Bahn

Eine Strecke von 300 km: Pkw rund 150 g CO2 je Personenkilometer, Bahn rund 30 g. Wie viel CO2 wird je eingespart?

  1. 01Pkw

    300 km . 150 g = 45.000 g = 45 kg CO2.

    300⋅150=45000 g300\cdot 150 = 45000\,\text{g}300⋅150=45000g
  2. 02Bahn

    300 km . 30 g = 9.000 g = 9 kg CO2.

    300⋅30=9000 g300\cdot 30 = 9000\,\text{g}300⋅30=9000g
  3. 03Einsparung

    45 - 9 = 36 kg CO2 je Fahrt; relative Einsparung 36 / 45 = 80 %.

    3645=0,80=80%\dfrac{36}{45} = 0{,}80 = 80\%4536​=0,80=80%

Ergebnis: Die Bahn spart rund 36 kg CO2 je Fahrt (80 %) — Begründung für den Mobility Shift.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie den Modal Split in Österreich. Wie unterscheidet sich Wien vom Bundesschnitt?

Maturafokus

  • Definiere den Modal Split als Anteil der Verkehrsträger an Wegen oder Leistung.
  • Trenne Personen- und Güterverkehr - die Anteile unterscheiden sich stark.
  • Nenne den hohen Anteil des motorisierten Individualverkehrs in Österreich.
  • Erkläre den Unterschied zwischen Wegeanteil und Personenkilometern.
  • Ordne den Verkehrsträgern ihre spezifischen Emissionen je Personenkilometer zu.

Typische Fehler

  • Personen- und Güterverkehr werden vermengt.
  • Wegeanteile und Verkehrsleistung werden gleichgesetzt.
  • Der Wiener Modal Split wird auf ganz Österreich übertragen.
  • Die Bezugsgröße des Anteils bleibt ungenannt.
  • Emissionen werden absolut statt je Personenkilometer verglichen.

§ 01

Aktive Wiederholung

Beschreibe den Modal Split Personen- und Güterverkehr AT. Welche Änderungen sehen Sie 2010-2023?

Passende Aufgaben üben100 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMK VCÖ Mobilitätsverhalten (VCOE)

§ 02
§ 02

Brenner-Transit: Straße, Schiene, BBT#

~3 Min Lesezeit●●○StandardLPGW-Verk-12.2

Kernpunkte

Der Brenner ist die wichtigste und meistbefahrene alpenquerende Achse Europas (): Rund 2,5 Mio. Lkw-Fahrten und 11 Mio. Pkw passieren ihn pro Jahr (2023). Was die transeuropäische Wirtschaft verbindet, belastet die Region direkt.

Brenner-Achse: Straße, Schiene, BBT

N München Innsbruck Brennerpass (1370 m) Bozen Verona A13 / A22 Autobahn Bestandsstrecke Bahn BBT 64 km (geplant 2032) Verkehr Brenner 2023 LKW: ca. 2.5 Mio. Fahrten/Jahr PKW: ca. 11 Mio. Fahrten/Jahr Bahn: ca. 30 % Güteranteil Ziel nach BBT: > 50 % Bahn Massnahmen Tirol Sektorales Fahrverbot Block-/Dosierabfertigung Nachtfahrverbot (Lkw-Klasse) Maut-Differenzierung (Euro-Klasse) EU-Konflikt: Tiroler Massnahmen vs. Binnenmarkt (Warenverkehr); EuGH-Urteile 2011, 2022.
Abb. 2Nord-Sued-Korridor München-Verona; Brennerbasistunnel 2032.
Abb. 2 ↓
Denn die Bevölkerung im Inn- und Wipptal leidet unter Lärm, Abgasen und Feinstaub, die sich in der Talkessellage stauen. Der Transit ist damit ein klassischer Konflikt zwischen überregionalem Nutzen und lokaler Belastung (siehe Beispiel).
Tirol steuert mit mehreren Maßnahmen gegen: dem sektoralen Fahrverbot für bestimmte Gütergruppen, der Block- und Dosierabfertigung an Spitzentagen, einem Nachtfahrverbot und einer nach Euro-Abgasklasse gestaffelten Maut. Es sind gezielte, keine generellen Verbote.
Diese Maßnahmen kollidieren mit dem EU-Binnenmarkt: Italien sieht den freien Warenverkehr beeinträchtigt und klagt (EuGH-Urteil 2011 zum Inntal-Fahrverbot, neue Beschwerden ab 2022). Hier prallen Tiroler Umweltschutz und die europäische Warenverkehrsfreiheit aufeinander — beides ist legitim.
Die große Hoffnung ist der Brennerbasistunnel (BBT): 64 km lang, geplante Eröffnung um 2032, verbindet er Innsbruck und Franzensfeste weitgehend flach. Er soll Güter von der Straße auf die Schiene verlagern und so Belastung und Emissionen senken.
Der BBT ist Teil der transeuropäischen Verkehrsnetze (TEN-T): Die EU baut grenzüberschreitende Korridore wie Skandinavien-Mittelmeer (über den Brenner), Rhein-Donau und Baltisch-Adria. Verkehrspolitik wird so europäisch gedacht, nicht national.
Begleitet wird das von einem nationalen Bahnausbau: der Koralm-Tunnel (Klagenfurt-Graz, ab 2025), der Semmering-Basistunnel (um 2030) und die viergleisige Westbahn. Diese Großprojekte sind die Infrastruktur, ohne die der angestrebte Mobility Shift nicht funktioniert.

Vokabeln

→ Kartei
  • TransitverkehrVerkehr, der ein Gebiet ohne Halt durchquert.
  • BasistunnelTunnel auf niedriger Höhe mit geringer Steigung.
  • ZulaufstreckeAnschlussstrecke zu einem Tunnel.
  • Rollende LandstraßeTransport ganzer Lkw auf der Bahn.
  • Sektorales FahrverbotVerbot für bestimmte Gütergruppen auf der Straße.
  • UmwegverkehrLängere Route aus Kosten- oder Mautgründen.
Musterbeispiel

Verlagerung der Lkw auf die Schiene

Am Brenner fahren rund 2,5 Mio. Lkw pro Jahr. Der BBT soll den Schienenanteil am gesamten Güteraufkommen von 30 % auf 50 % heben. Wie viel des Aufkommens würde zusätzlich auf die Schiene verlagert?

  1. 01Ausgangslage

    Bisher laufen 30 % über die Schiene, 70 % über die Straße.

  2. 02Verlagerungsanteil

    Eine Erhöhung um 20 Prozentpunkte betrifft 20 % des Aufkommens.

    (0,50−0,30)⋅2,5 Mio.=0,5 Mio.(0{,}50 - 0{,}30) \cdot 2{,}5\,\text{Mio.} = 0{,}5\,\text{Mio.}(0,50−0,30)⋅2,5Mio.=0,5Mio.
  3. 03Deutung

    Rund 0,5 Mio. Lkw-Äquivalente pro Jahr kämen von der Straße — eine spürbare Entlastung des Inntals.

Ergebnis: Rund 0,5 Mio. Fahrten jährlich würden auf die Schiene verlagert — das Kernargument für den BBT.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Beschreiben Sie das Brenner-Transit-Problem und diskutieren Sie Massnahmen Tirols sowie das Projekt Brennerbasistunnel.

Maturafokus

  • Ordne dem Brenner seine Rolle als meistbefahrener Alpenübergang zu.
  • Nenne den Zweck des Basistunnels: flache Trasse statt Bergstrecke.
  • Erkläre die Rolle der Zulaufstrecken für die Wirksamkeit des Tunnels.
  • Beurteile Maßnahmen wie Sektorales Fahrverbot nach Wirkung und Rechtsstreit.
  • Verbinde den Umwegverkehr mit den unterschiedlichen Mautsätzen.

Typische Fehler

  • Der Basistunnel wird als für sich allein verlagerungswirksam dargestellt.
  • Transit- und Ziel-/Quellverkehr werden vermengt.
  • Der Umwegverkehr bleibt unerwähnt.
  • Die Zulaufstrecken werden nicht genannt.
  • Die rechtlichen Grenzen nationaler Maßnahmen im Binnenmarkt bleiben unbeachtet.

§ 02

Aktive Wiederholung

Diskutiere den Brenner-Transit als Konflikt zwischen Klimaschutz und Binnenmarkt. Welche Lösungen verspricht der BBT?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BBT Brennerbasistunnel (BBT SE) · Land Tirol Verkehr (Amt der Tiroler Landesregierung)

§ 03
§ 03

Nachhaltige Mobilität: Klimaticket, ÖBB, E-Mobilität#

~3 Min Lesezeit●●○StandardLPGW-Verk-12.3

Kernpunkte

Nachhaltige Mobilität folgt einer klaren Hierarchie (): zuerst Verkehr vermeiden (kurze Wege, Homeoffice), dann verlagern (vom Auto auf Bahn, Rad, Fuß) und erst zuletzt verbessern (effizientere Fahrzeuge). Diese Reihenfolge ist wichtiger als jede Einzelmaßnahme.

Strategie nachhaltiger Mobilität

Vermeiden, Verlagern, VerbessernBaumdiagramm, 3 Pfade, Daten: Vermeiden; Verlagern; VerbessernNachhaltige MobilitätVermeidenVerlagernVerbessern
Abb. 3Die Hierarchie lautet: zuerst Verkehr vermeiden, dann verlagern, erst zuletzt verbessern.
Abb. 3 ↓
Das Aushängeschild der Verlagerung ist das Klimaticket (seit 26. 10. 2021): Für rund 1095 Euro im Jahr (3 Euro pro Tag) gilt es in allen öffentlichen Verkehrsmitteln österreichweit. Über 250.000 Käufer (2023) zeigen die Nachfrage — ein einfaches, attraktives Angebot wirkt (siehe Beispiel).
Damit das Angebot hält, läuft die ÖBB-Investitionsoffensive 2024–2029 mit rund 21 Mrd. EUR: Koralm- und Semmering-Basistunnel, viergleisige Westbahn, Elektrifizierung der Südstrecke. Ein Ticket nützt nur mit leistungsfähiger Infrastruktur dahinter.
Beim Verbessern wächst die E-Mobilität: rund 165.000 reine E-Pkw im Bestand (2024, etwa 3 %), aber bereits rund 18 % der Neuzulassungen (2023). Wichtig ist die Unterscheidung von Bestands- und Neuzulassungsanteil — der Bestand zieht erst langsam nach.
Voraussetzung ist ein dichtes Ladenetz (rund 23.000 öffentliche Ladepunkte, davon etwa 5.000 Schnelllader). Übergeordnet bündelt der Mobilitätsmasterplan 2030 die Ziele, mit der Marke eines klimaneutralen Verkehrssystems bis 2040.
Vorbild ist Wien mit der 365-Euro-Jahreskarte (seit 2012), einem öffentlichen Anteil von 32 % und Begegnungszonen. Das Potenzial ist groß: Rund 30 % der Pkw-Strecken in Österreich sind kürzer als 5 km — also gut mit Rad oder zu Fuß ersetzbar.
Den Rahmen setzt die EU mit Fit for 55: Ab 2035 dürfen keine neuen Verbrenner-Pkw mehr zugelassen werden, und ab 2027 erfasst der ETS2 auch Verkehr und Gebäude. Klimaschutz im Verkehr ist damit nicht nur nationale, sondern europäische Verpflichtung.

Vokabeln

→ Kartei
  • KlimaticketÖsterreichweite Jahreskarte für den öffentlichen Verkehr.
  • VerkehrsvermeidungVerringerung der Zahl oder Länge der Wege.
  • VerkehrsverlagerungWechsel auf umweltfreundlichere Träger.
  • TaktverkehrFahrplan mit regelmäßigen, merkbaren Abfahrtszeiten.
  • ErreichbarkeitAufwand, ein Ziel von einem Ort aus zu erreichen.
  • LebenszyklusbilanzBilanz über Herstellung, Nutzung und Entsorgung.
Musterbeispiel

Lohnt sich das Klimaticket?

Eine Pendlerin zahlt für Einzelfahrten rund 6 EUR pro Arbeitstag und arbeitet an 220 Tagen im Jahr. Lohnt sich das Klimaticket (1095 EUR/Jahr)?

  1. 01Kosten Einzelfahrten

    Tageskosten mal Arbeitstage.

    6⋅220=1320 EUR6 \cdot 220 = 1320\,\text{EUR}6⋅220=1320EUR
  2. 02Vergleich

    1320 EUR für Einzelfahrten gegenüber 1095 EUR für das Klimaticket.

  3. 03Ersparnis

    Differenz plus zusätzlicher Nutzen für Freizeitfahrten.

    1320−1095=225 EUR1320 - 1095 = 225\,\text{EUR}1320−1095=225EUR

Ergebnis: Das Klimaticket spart hier rund 225 EUR pro Jahr und bietet darüber hinaus unbegrenzte Mobilität — ein starker Verlagerungsanreiz.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Diskutieren Sie das Klimaticket Österreich und die ÖBB-Investitionsoffensive als Bausteine nachhaltiger Mobilität.

Maturafokus

  • Ordne dem Klimaticket seine Reichweite und seinen Zweck zu.
  • Nenne die drei Ansätze: Vermeiden, Verlagern, Verbessern.
  • Beurteile Elektromobilität mit Blick auf den Strommix und die Batterieherstellung.
  • Trenne Angebotsausbau und Preismaßnahme in ihrer Wirkung.
  • Verbinde die Siedlungsstruktur mit der Möglichkeit zur Verkehrsverlagerung.

Typische Fehler

  • Elektromobilität wird als emissionsfrei dargestellt.
  • Preismaßnahmen werden ohne Angebotsausbau als ausreichend beschrieben.
  • Vermeiden, Verlagern und Verbessern werden nicht unterschieden.
  • Die Rolle der Siedlungsstruktur bleibt unerwähnt.
  • Der Strommix bei der Bewertung von E-Fahrzeugen wird ignoriert.

§ 03

Aktive Wiederholung

Bewerte das Klimaticket nach 3 Jahren. Welche Wirkungen sind sichtbar, welche bleiben offen?

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMK Mobilitätsmasterplan 2030 (BMK) · ÖBB Investitionsplan (ÖBB-Infrastruktur AG)

§ 04
§ 04

Wechselkurse und internationale Wirtschaft#

~3 Min Lesezeit●●●VertiefungLPGW-Verk-12.4

Kernpunkte

Ein Wechselkurs ist der Preis einer Währung in einer anderen. In der bei uns üblichen Mengennotierung sagt EUR/USD = 1,08, dass ein Euro 1,08 US-Dollar kostet. Steigt diese Zahl, wird der Euro mehr wert (Aufwertung), sinkt sie, weniger (Abwertung).
Eine Aufwertung des Euro hat zwei Gesichter (): Importe werden billiger (Öl und Rohstoffe kosten in Euro weniger), Exporte aber teurer (österreichische Maschinen verteuern sich für US-Käufer). Für eine Exportwirtschaft ist eine starke Währung also nicht nur gut.

Wirkungen von Auf- und Abwertung

WechselkurswirkungenTabelle mit 3 Spalten und 2 Zeilen, Daten: Euro · Exporte · Importe; Aufwertung · teurer · billiger; Abwertung · billiger · teurerEuroExporteImporteAufwertungteurerbilligerAbwertungbilligerteurer
Abb. 4Eine Aufwertung verbilligt Importe und verteuert Exporte; eine Abwertung wirkt umgekehrt.
Abb. 4 ↓
Eine Abwertung wirkt spiegelbildlich: Exporte werden auf dem Weltmarkt konkurrenzfähiger, Importe verteuern sich und können Inflation importieren (teurere Energie). Ob Auf- oder Abwertung „gut" ist, hängt also von der Perspektive ab — ein häufiger Wertungsfehler.
Wohin sich Wechselkurse langfristig bewegen, erklärt die Kaufkraftparität (PPP): Auf Dauer sollten Währungen so stehen, dass identische Güter überall gleich viel kosten — anschaulich der Big-Mac-Index. Kurzfristige Kurse weichen davon allerdings stark ab.
Kurz- bis mittelfristig dominiert die Zinsparität: Kapital fließt dorthin, wo die Rendite höher ist, und treibt dort den Wechselkurs. Erhöht eine Notenbank die Zinsen, wertet ihre Währung tendenziell auf — ein Grund, warum Geldpolitik und Wechselkurs zusammenhängen.
Der Devisenmarkt ist der größte Finanzmarkt der Welt (Tagesumsatz rund 7,5 Bio. USD, 2022). Für Österreich gilt eine Besonderheit: Als Euro-Mitglied hat es gegenüber rund 70 % seines Außenhandels (EU) gar keinen eigenen Wechselkurs — Kursrisiken bestehen nur gegenüber Drittwährungen wie USD oder CHF (siehe Beispiel).
Wie real solche Risiken sind, zeigte 2015 die Aufhebung des Franken-Mindestkurses durch die Schweizer Nationalbank: Der Franken wertete schlagartig auf. Das nützte dem österreichischen Tourismus (Schweizer Gäste mit mehr Kaufkraft), traf aber österreichische Kreditnehmer mit Franken-Krediten hart, deren Schuld in Euro sprunghaft stieg.

Vokabeln

→ Kartei
  • WechselkursPreis einer Währung in einer anderen.
  • AbwertungWertverlust der eigenen Währung.
  • AufwertungWertgewinn der eigenen Währung.
  • fester WechselkursVom Staat oder der Zentralbank gebundener Kurs.
  • DevisenmarktMarkt, auf dem Währungen gehandelt werden.
  • ZinsdifferenzUnterschied der Zinssätze zwischen Währungsräumen.

Wechselkurs (mengennotiert EUR/Fremdw.)

EURBetrag=Fremdwa¨hr. BetragKursEUR_{Betrag} = \dfrac{Fremdwähr.\,Betrag}{Kurs}EURBetrag​=KursFremdwa¨hr.Betrag​

Bei Mengennotierung steht der Fremdwährungsbetrag je Euro. Steigt der Kurs, ist der Euro mehr wert - Einfuhren werden billiger, Ausfuhren teurer.

Musterbeispiel

Wechselkurs umrechnen

Eine Reise nach New York kostet 5.000 USD. Wechselkurs EUR/USD = 1.08. Wie viel EUR? Bei Aufwertung auf 1.20?

  1. 01Zuerst

    5000 USD / 1.08 = 4630 EUR.

  2. 02Nach Aufwertung

    5000 USD / 1.20 = 4167 EUR.

  3. 03Differenz

    Ersparnis 463 EUR (ca. 10 % billiger) — EU-Bürger profitieren.

Ergebnis: Aufwertung EUR macht Auslandsreisen billiger; US-Tourist sieht teureres Europa.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie das Konzept des Wechselkurses und diskutieren Sie die Auswirkungen einer Auf- bzw. Abwertung des Euro auf die österreichische Wirtschaft.

Maturafokus

  • Erkläre Auf- und Abwertung über ihre Wirkung auf Ein- und Ausfuhrpreise.
  • Ordne einer Abwertung die Verbilligung der Ausfuhr und Verteuerung der Einfuhr zu.
  • Unterscheide feste und flexible Wechselkurssysteme.
  • Verbinde Zinsdifferenzen mit Kapitalströmen und Wechselkursbewegungen.
  • Nenne die Bedeutung des Euro für Österreichs Handel im Binnenmarkt.

Typische Fehler

  • Auf- und Abwertung werden in ihrer Wirkung vertauscht.
  • Die Notierungsrichtung des Wechselkurses wird nicht beachtet.
  • Feste und flexible Systeme werden vermengt.
  • Die Wirkung auf die Kaufkraft im Ausland bleibt unerwähnt.
  • Wechselkurs und Inflation werden gleichgesetzt.

§ 04

Aktive Wiederholung

Berechne, wie sich ein US-Bestelltour von 5.000 USD ändert, wenn EUR von 1.08 auf 1.20 zum USD aufwertet.

Passende Aufgaben üben100 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: ÖNB Wechselkurs-Statistik (ÖNB)

§ 05
§ 05

Verkehrsinfrastruktur, Logistik und Güterverkehr#

~3 Min Lesezeit●●○StandardLPGW-Verk-12.1

Kernpunkte

Verkehrsinfrastruktur ist ein zentraler Standortfaktor: Erst Straßen-, Schienen-, Wasserstraßen- und Luftverkehrsnetze erschließen Märkte und Regionen. Wer nicht angebunden ist, ist wirtschaftlich abgehängt — Erreichbarkeit ist die halbe Standortgunst ().

Brenner-Achse: Straße, Schiene, BBT

N München Innsbruck Brennerpass (1370 m) Bozen Verona A13 / A22 Autobahn Bestandsstrecke Bahn BBT 64 km (geplant 2032) Verkehr Brenner 2023 LKW: ca. 2.5 Mio. Fahrten/Jahr PKW: ca. 11 Mio. Fahrten/Jahr Bahn: ca. 30 % Güteranteil Ziel nach BBT: > 50 % Bahn Massnahmen Tirol Sektorales Fahrverbot Block-/Dosierabfertigung Nachtfahrverbot (Lkw-Klasse) Maut-Differenzierung (Euro-Klasse) EU-Konflikt: Tiroler Massnahmen vs. Binnenmarkt (Warenverkehr); EuGH-Urteile 2011, 2022.
Abb. 5Nord-Sued-Korridor München-Verona; Brennerbasistunnel 2032.
Abb. 5 ↓
Österreich verfügt über ein dichtes, hochrangiges Netz: das Autobahn- und Schnellstraßennetz der ASFINAG, das Schienen-Kernnetz der ÖBB mit den TEN-V-Korridoren, die Donau als Wasserstraße und den Flughafen Wien-Schwechat als Drehscheibe Richtung Osteuropa.
Logistik steuert Güter, Lager und Informationen entlang der Lieferkette. Das Prinzip Just-in-Time senkt Lagerkosten, weil Material erst bei Bedarf geliefert wird — erhöht aber das Verkehrsaufkommen und die Störanfälligkeit, wie die Lieferkettenkrisen der Pandemie zeigten.
Um Güter von der Straße auf die Schiene zu bringen, dient der intermodale Verkehr (Kombiverkehr): Container und ganze Lkw werden über Terminals auf die Bahn verladen — etwa die Rollende Landstraße am Brenner. So lassen sich die Stärken beider Verkehrsträger verbinden.
Bei der Netzgestaltung stehen sich zwei Logiken gegenüber: Hub-and-Spoke bündelt den Verkehr in Knoten (Hubs) und erhöht die Auslastung, Punkt-zu-Punkt verbindet direkt. Engpässe und Stau in den Knoten verursachen externe Kosten — die Effizienz hat ihren Preis.
Über allem stehen die transeuropäischen Netze (TEN-V): Die EU fördert grenzüberschreitende Korridore wie Skandinavien-Mittelmeer über den Brenner (siehe Beispiel). Verkehrsinfrastruktur ist damit europäische Politik — und ein Hebel, um Güter klimafreundlicher zu bewegen.
Österreichs Rolle in dieser Kette ergibt sich aus seiner Lage: Das Land liegt auf zwei der neun transeuropäischen Kernnetzkorridore — dem Baltisch-Adriatischen Korridor von der Ostsee über Wien und Graz nach Triest und dem Rhein-Donau-Korridor von Straßburg über Wien nach Budapest. Beide bündeln Schiene, Straße, Binnenschifffahrt und Terminals in einem gemeinsamen Ausbauprogramm. Für die Prüfung ist der Schluss wichtiger als die Namen: Wer an einem Korridor liegt, erhält Erreichbarkeit und Umschlagfunktionen — und trägt zugleich den Verkehr, der nur durchfährt. Die Transitlage ist deshalb keine reine Standortgunst, sondern immer beides, Chance und Belastung.

Vokabeln

→ Kartei
  • kombinierter VerkehrTransportkette aus mindestens zwei Verkehrsträgern.
  • TerminalUmschlagpunkt zwischen Verkehrsträgern.
  • Just-in-timeAnlieferung genau zum Bedarfszeitpunkt.
  • LogistikketteAbfolge von Transport, Umschlag und Lagerung.
  • HinterlandverkehrVerkehr zwischen Hafen und Binnenland.
  • TonnenkilometerEine Tonne, einen Kilometer befördert.
Musterbeispiel

Transportkosten je Tonnenkilometer

Ein Transport von 24 t über 300 km kostet 1440 EUR. Wie hoch sind die Kosten je Tonnenkilometer (tkm)?

  1. 01Tonnenkilometer berechnen

    24 t . 300 km = 7200 tkm.

  2. 02Kosten teilen

    1440 EUR / 7200 tkm.

    k=14407200=0,20 EURtkmk = \dfrac{1440}{7200} = 0{,}20\,\tfrac{\text{EUR}}{\text{tkm}}k=72001440​=0,20tkmEUR​
  3. 03Interpretation

    0,20 EUR/tkm dient als Vergleichsmass zwischen Verkehrsträgern.

Ergebnis: Die Transportkosten betragen 0,20 EUR je Tonnenkilometer.

Musterbeispiel

Verlagerungspotenzial Straße zu Schiene

Von 5 Mio. t Güter werden derzeit 30 % auf der Schiene transportiert. Wie viel Tonnen kämen bei einer Erhöhung auf 45 % zusätzlich auf die Schiene?

  1. 01Aktuell Schiene

    30 % von 5 Mio. t = 1,5 Mio. t.

  2. 02Ziel Schiene

    45 % von 5 Mio. t = 2,25 Mio. t.

  3. 03Differenz

    2,25 - 1,5 = 0,75 Mio. t zusätzlich.

    Δ=(0,45−0,30)⋅5=0,75 Mio. t\Delta = (0{,}45 - 0{,}30) \cdot 5 = 0{,}75\,\text{Mio. t}Δ=(0,45−0,30)⋅5=0,75Mio. t

Ergebnis: Rund 0,75 Mio. t würden zusätzlich auf die Schiene verlagert.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutern Sie die Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur für die Wirtschaft und diskutieren Sie die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene.

Maturafokus

  • Ordne den Verkehrsträgern ihre Stärken nach Entfernung, Menge und Zeitkritik zu.
  • Beschreibe die Rolle von Knoten wie Terminals und Häfen im Güterverkehr.
  • Erkläre den kombinierten Verkehr als Verbindung zweier Träger in einer Kette.
  • Beurteile Just-in-time nach Kostenvorteil und Störanfälligkeit.
  • Verbinde die Lage Österreichs mit seiner Rolle im europäischen Güterverkehr.

Typische Fehler

  • Die Verkehrsträger werden ohne Bezug auf Entfernung und Gutart verglichen.
  • Der kombinierte Verkehr wird mit dem Umstieg von Personen verwechselt.
  • Just-in-time wird ohne Risikoseite dargestellt.
  • Die Rolle der Knoten bleibt unerwähnt.
  • Transitlage und Zielverkehr werden vermengt.

§ 05

Aktive Wiederholung

Analysiere die Bedeutung der TEN-V-Korridore für den österreichischen Güterverkehr und diskutiere die Verlagerung auf die Schiene.

Passende Aufgaben üben100 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: ASFINAG — Verkehrs- und Infrastrukturdaten (ASFINAG) · ÖBB — Güterverkehr (Rail Cargo) (ÖBB-Holding AG)

§ 06
§ 06

Stadtverkehr, Pendeln und Verkehrsplanung#

~3 Min Lesezeit●●○StandardLPGW-Verk-12.3

Kernpunkte

Pendeln — der tägliche Weg zwischen Wohn- und Arbeitsort — prägt den Verkehr in Österreich stark, vor allem im Umland der großen Städte (Wien, Graz, Linz, Salzburg). Wer im Grünen wohnt und in der Stadt arbeitet, erzeugt Verkehr; die Raumstruktur bestimmt die Mobilität mit ().

Brenner-Achse: Straße, Schiene, BBT

N München Innsbruck Brennerpass (1370 m) Bozen Verona A13 / A22 Autobahn Bestandsstrecke Bahn BBT 64 km (geplant 2032) Verkehr Brenner 2023 LKW: ca. 2.5 Mio. Fahrten/Jahr PKW: ca. 11 Mio. Fahrten/Jahr Bahn: ca. 30 % Güteranteil Ziel nach BBT: > 50 % Bahn Massnahmen Tirol Sektorales Fahrverbot Block-/Dosierabfertigung Nachtfahrverbot (Lkw-Klasse) Maut-Differenzierung (Euro-Klasse) EU-Konflikt: Tiroler Massnahmen vs. Binnenmarkt (Warenverkehr); EuGH-Urteile 2011, 2022.
Abb. 6Nord-Sued-Korridor München-Verona; Brennerbasistunnel 2032.
Abb. 6 ↓
Welches Verkehrsmittel gewählt wird, hängt von Angebot, Kosten, Zeit und Bequemlichkeit ab. Steuern lässt sich das mit zwei Hebeln: Push-Maßnahmen verteuern oder erschweren das Auto (Parkraumbewirtschaftung, City-Maut), Pull-Maßnahmen machen Alternativen attraktiv (Ausbau des öffentlichen Verkehrs, Radwege). Wirksam ist meist die Kombination.
Das städtebauliche Leitbild ist die Stadt der kurzen Wege bzw. die 15-Minuten-Stadt: Wenn Wohnen, Arbeiten, Einkaufen und Freizeit nah beieinanderliegen (Nutzungsdurchmischung), entfallen viele Wege oder werden zu Fuß und mit dem Rad zurückgelegt — der motorisierte Individualverkehr sinkt von selbst.
Das Rückgrat der Stadtmobilität ist der öffentliche Personennahverkehr (U-Bahn, Straßenbahn, Bus). Wien zeigt mit seinem hohen Anteil und der 365-Euro-Jahreskarte, dass ein gutes, günstiges Angebot die Verkehrsmittelwahl spürbar verschiebt (siehe Beispiel).
Gute Verkehrsplanung folgt der Hierarchie Vermeiden vor Verlagern vor Verbessern und denkt Raum- und Verkehrsplanung zusammen: Wo gewidmet und gebaut wird, entscheidet über künftige Verkehrsströme. Verkehr lässt sich nicht nur nachträglich „managen", sondern vorab vermeiden.
Schließlich verursacht auch der Stadtverkehr externe Kosten — Lärm, Schadstoffe, Unfälle, Flächenverbrauch und Klimawirkung —, die meist nicht im Preis enthalten sind. Eine nachhaltige Mobilitätspolitik will diese Kosten sichtbar machen und gerecht verteilen.

Vokabeln

→ Kartei
  • PendlerPerson, die regelmäßig zwischen Wohn- und Arbeitsort fährt.
  • induzierter VerkehrZusätzlicher Verkehr durch neue Kapazität.
  • Push-MaßnahmeMaßnahme, die den Autoverkehr unattraktiver macht.
  • Pull-MaßnahmeMaßnahme, die Alternativen attraktiver macht.
  • Stadt der kurzen WegeSiedlungsmodell mit Nutzungsmischung.
  • ParkraumbewirtschaftungRegelung und Bepreisung des Stellplatzangebots.
Musterbeispiel

Modal-Split-Verschiebung

In einer Stadt nutzen 60 % das Auto, 25 % den OEPNV, 15 % das Rad. Eine Kampagne senkt den Autoanteil um 10 Prozentpunkte zugunsten des OEPNV. Wie sieht der neue Modal Split aus?

  1. 01Auto neu

    60 % - 10 % = 50 %.

  2. 02OEPNV neu

    25 % + 10 % = 35 %.

  3. 03Rad unverändert

    15 % bleiben; Summe 50 + 35 + 15 = 100 %.

Ergebnis: Neuer Modal Split: 50 % Auto, 35 % OEPNV, 15 % Rad.

Musterbeispiel

Pendlerquote berechnen

Eine Gemeinde hat 4000 Erwerbstätige, davon arbeiten 2600 ausserhalb der Gemeinde. Wie hoch ist die Auspendlerquote?

  1. 01Quote bilden

    2600 / 4000 . 100.

    q=26004000⋅100=65 %q = \dfrac{2600}{4000} \cdot 100 = 65\,\%q=40002600​⋅100=65%
  2. 02Einordnung

    65 % Auspendler kennzeichnen eine Wohngemeinde im Einzugsbereich eines Zentrums.

  3. 03Folgerung

    Hoher Bedarf an leistungsfähigem OEPNV zum Arbeitszentrum.

Ergebnis: Die Auspendlerquote beträgt 65 %.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank10 Punkte

Aufgabenstellung

Diskutieren Sie Herausforderungen des Stadt- und Pendelverkehrs und entwickeln Sie Lösungsansätze für eine nachhaltige Mobilität.

Maturafokus

  • Verbinde Pendlerströme mit der Trennung von Wohnen und Arbeiten.
  • Ordne Parkraumbewirtschaftung und Push-Pull-Strategie ihrer Wirkungslogik zu.
  • Beurteile die Verkehrswirkung von Radinfrastruktur an konkreten Beispielen.
  • Erkläre induzierten Verkehr als Folge neuer Straßenkapazität.
  • Verbinde die Stadt der kurzen Wege mit der Verringerung des Verkehrsaufwands.

Typische Fehler

  • Neue Straßen werden als dauerhafte Stauentlastung dargestellt.
  • Induzierter Verkehr bleibt unerwähnt.
  • Push- und Pull-Maßnahmen werden vermengt.
  • Pendlerzahlen werden ohne Bezugsraum genannt.
  • Die Siedlungsstruktur als Ursache des Pendelns wird übersehen.

§ 06

Aktive Wiederholung

Entwirf für eine österreichische Stadt ein Maßnahmenbündel zur Verlagerung des Pendelverkehrs vom Auto auf den OEPNV.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: BMK — Mobilitätsmasterplan 2030 (BMK) · VCÖ — Mobilität mit Zukunft (VCÖ)

Stand 06/2026 · Vollständige Fassung über den Tiefenregler — gleiche Stelle, gleiche Anker

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Verkehrsträger und Modal Split○
    • 02Brenner-Transit: Straße, Schiene, BBT◐
    • 03Nachhaltige Mobilität: Klimaticket, ÖBB, E-Mobilität◐
    • 04Wechselkurse und internationale Wirtschaft●
    • 05Verkehrsinfrastruktur, Logistik und Güterverkehr◐
    • 06Stadtverkehr, Pendeln und Verkehrsplanung◐

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Aus den Notizen ins Training

GW 12 — Verkehrsträger, Brenner-Transit, nachhaltige Mobilität

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Erläutern Sie den Modal Split in Österreich. Wie unterscheidet sich Wien vom Bundesschnitt?

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Belege & Quellen

Quellen

VCOE

  • BMK VCÖ Mobilitätsverhalten

BBT SE

  • BBT Brennerbasistunnel

Amt der Tiroler Landesregierung

  • Land Tirol Verkehr

BMK

  • BMK Mobilitätsmasterplan 2030
  • BMK — Mobilitätsmasterplan 2030

ÖBB-Infrastruktur AG

  • ÖBB Investitionsplan

ÖNB

  • ÖNB Wechselkurs-Statistik

ASFINAG

  • ASFINAG — Verkehrs- und Infrastrukturdaten

ÖBB-Holding AG

  • ÖBB — Güterverkehr (Rail Cargo)

Siehe auch

  • GW 11 — Bundesländer, alpiner Raum, Energiewende ATSiedlungsstruktur und Raumordnung entscheiden über den Verkehrsaufwand.
  • GW 3 — Klimawandel, IPCC, Pariser Abkommen, EU Green DealDer Verkehr ist der Sektor, in dem Österreichs Emissionen am wenigsten gesunken sind.
  • GW 5 — Sektoren, Globalisierung, Standortfaktoren, Tourismus ATTransportkosten sind der Kern des Weber-Modells und der globalen Wertschöpfungskette.

Vorheriges Thema

GW 11 — Bundesländer, alpiner Raum, Energiewende AT

EuraStudy·Notizen T·12·MMXXVI

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