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Notizen/Chemie/Reaktionsenergetik, Kinetik und Gleichgewicht (CHE-En)
AT · Matura

Reaktionsenergetik, Kinetik und Gleichgewicht (CHE-En)

Enthalpie, Entropie und Gibbs-Energie als Triebkräfte; Reaktionsgeschwindigkeit, Aktivierungsenergie, Katalyse; chemisches Gleichgewicht (Massenwirkungsgesetz, Le Chatelier).

6 Abschnitte·~21 Min Lesezeit·3 Kompetenzen·Stand 06/2026

T·0444 / 12
Prüfungsprofil
CHE-En-4.1 · Energieumsatz chemischer Reaktionen mit Enthalpie/Entropie/Gibbs beurteilenCHE-En-4.2 · Reaktionskinetik (Geschwindigkeit, EA, Katalyse) erläuternCHE-En-4.3 · Chemisches Gleichgewicht und das Prinzip von Le Chatelier anwenden
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Inhalt · 6 Abschnitte▾
  1. Reaktionsenergetik, Kinetik und Gleichgewicht (CHE-En)
    • 01Thermochemie: Enthalpie, Entropie, Gibbs-Energie◐
    • 02Reaktionsgeschwindigkeit, Aktivierungsenergie, Katalyse◐
    • 03Chemisches Gleichgewicht und Le Chatelier◐
    • 04Hesscher Satz und Standardbildungsenthalpien●
    • 05Bindungsenergien und Reaktionswärme◐
    • 06Massenwirkungsgesetz und Gleichgewichtskonstante●

6 Abschnitte · 30 Merksätze · 11 Formeln · 30 Fehlerwarnungen

§ 01
§ 01

Thermochemie: Enthalpie, Entropie, Gibbs-Energie#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPCHE-En-4.1

Kernpunkte

Jede chemische Reaktion ist auch ein Energieumsatz: Beim Verbrennen wird Wärme frei, zum Garen von Speisen muss man sie zuführen. Die Thermochemie beschreibt diese Energieflüsse quantitativ und beantwortet zwei getrennte Fragen - wie viel Energie wird umgesetzt (Enthalpie) und läuft die Reaktion überhaupt freiwillig ab (Gibbs-Energie)?
Die Reaktionsenthalpie ΔRH\Delta_{R}HΔR​H ist der Wärmeumsatz bei konstantem Druck. Ist sie negativ, gibt die Reaktion Wärme an die Umgebung ab - sie ist exotherm (z. B. jede Verbrennung); ist sie positiv, nimmt die Reaktion Wärme auf - sie ist endotherm (z. B. das Auflösen mancher Salze). Das Energieprofil () zeigt ΔH\Delta HΔH als Höhenunterschied zwischen Edukten und Produkten.

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne Katalysator

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne KatalysatorEnergiediagramm, 2 Zustände, Aktivierungsenergie Eₐ = 80, Reaktionsenthalpie ΔH = -15ohne Katalysatormit KatalysatorEaΔHEdukteÜbergangszustandProdukteEReaktionsverlauf
Abb. 1Aktivierungsenergie EAE_{A}EA​ sinkt durch Katalysator, ΔH\Delta HΔH bleibt gleich.
Abb. 1 ↓
Tabelliert werden Standardbildungsenthalpien ΔfH∘\Delta_{f}H^{\circ}Δf​H∘ - die Enthalpieänderung bei der Bildung von 1 mol Verbindung aus den Elementen in ihrer stabilsten Form. Per Konvention ist ΔfH∘\Delta_{f}H^{\circ}Δf​H∘ für Elemente in Standardform (etwa OX2\ce{O2}OX2​ oder Graphit) gleich null; das macht sie zum Bezugspunkt aller Enthalpierechnungen.
Weil die Enthalpie eine Zustandsgröße ist, hängt ΔRH\Delta_{R}HΔR​H nur von Anfangs- und Endzustand ab, nicht vom Reaktionsweg (Hesscher Satz). Daraus folgt die zentrale Rechenregel ΔRH=∑Hf∘(Produkte)−∑Hf∘(Edukte)\Delta_{R}H = \sum H_{f}^{\circ}(\text{Produkte}) - \sum H_{f}^{\circ}(\text{Edukte})ΔR​H=∑Hf∘​(Produkte)−∑Hf∘​(Edukte), jeweils mit den Koeffizienten gewichtet (siehe das Rechenbeispiel und den eigenen Abschnitt zum Hesschen Satz).
Die zweite Triebkraft ist die Entropie SSS - ein Maß für die Unordnung bzw. die Zahl der zugänglichen Anordnungen eines Systems. Sie steigt, wenn aus wenigen Teilchen viele werden oder ein Feststoff zu Gas wird (ΔS>0\Delta S>0ΔS>0). Die Natur strebt zugleich nach minimaler Energie UND maximaler Unordnung; diese beiden Tendenzen können einander entgegenwirken.
Beide Triebkräfte vereint die Gibbs-Energie ΔG=ΔH−T ΔS\Delta G=\Delta H - T\,\Delta SΔG=ΔH−TΔS. Sie entscheidet über die Freiwilligkeit: ΔG<0\Delta G<0ΔG<0 heißt exergonisch (läuft freiwillig ab), ΔG>0\Delta G>0ΔG>0 endergonisch (läuft nicht von selbst), ΔG=0\Delta G=0ΔG=0 bedeutet Gleichgewicht. Der Temperaturfaktor TTT erklärt, warum manche endotherme Reaktionen erst bei hoher Temperatur freiwillig werden: Dann überwiegt der T ΔST\,\Delta STΔS-Term die positive Enthalpie.

Vokabeln

→ Kartei
  • ReaktionsenthalpieWärmeumsatz bei konstantem Druck; negativ heißt exotherm.
  • StandardbildungsenthalpieBildung von 1 mol aus den Elementen; für Elemente null.
  • ZustandsgrößeGröße, die nur von Anfangs- und Endzustand abhängt.
  • EntropieMaß für die Zahl der zugänglichen Anordnungen eines Systems.
  • Gibbs-EnergieDelta G = Delta H minus T mal Delta S; entscheidet über Freiwilligkeit.
  • ExergonischDelta G kleiner null; die Reaktion läuft freiwillig ab.

Reaktionsenthalpie (Hess-Satz)

ΔRH=∑HProdukte∘−∑HEdukte∘\Delta_{R}H = \sum H_{\text{Produkte}}^{\circ} - \sum H_{\text{Edukte}}^{\circ}ΔR​H=∑HProdukte∘​−∑HEdukte∘​

ΔRH\Delta_{R}HΔR​H ist die Reaktionsenthalpie in kJ/mol; summiert werden die Standardenthalpien aller Produkte abzüglich derer aller Edukte, jeweils mit ihren Koeffizienten gewichtet. Der Satz von Hess erlaubt das, weil die Enthalpie eine Zustandsgröße ist - der Weg zwischen Anfangs- und Endzustand spielt keine Rolle.

Gibbs-Energie - Triebkraft einer Reaktion

ΔG=ΔH−T ΔS\Delta G = \Delta H - T\,\Delta SΔG=ΔH−TΔS

ΔG\Delta GΔG ist die freie Reaktionsenthalpie in kJ/mol, ΔH\Delta HΔH die Reaktionsenthalpie in kJ/mol, TTT die absolute Temperatur in K und ΔS\Delta SΔS die Reaktionsentropie in J/(mol·K) - Achtung auf die Einheiten, ΔS\Delta SΔS ist zuvor in kJ umzurechnen. Freiwillig läuft eine Reaktion genau dann, wenn ΔG<0\Delta G<0ΔG<0 ist.

Verknüpfung Gibbs-Energie / Gleichgewichtskonstante

ΔG=−R T ln⁡K\Delta G = -R\,T\,\ln KΔG=−RTlnK

R=8,314R=8{,}314R=8,314 J/(mol·K) ist die universelle Gaskonstante, TTT die absolute Temperatur in K und KKK die dimensionslose Gleichgewichtskonstante. Ein negatives ΔG\Delta GΔG entspricht K>1K>1K>1, das Gleichgewicht liegt also auf der Produktseite; bei ΔG=0\Delta G=0ΔG=0 ist K=1K=1K=1.

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Musterbeispiel

Hess-Satz - Bildungsenthalpie berechnen

Bestimme ΔRH\Delta_{R}HΔR​H für CHX4+2 OX2→COX2+2 HX2O\ce{CH4 + 2 O2 -> CO2 + 2 H2O}CHX4​+2OX2​​COX2​+2HX2​O aus Bildungsenthalpien: ΔfH∘(CHX4)=−74,9\Delta_{f}H^{\circ}(\ce{CH4})=-74{,}9Δf​H∘(CHX4​)=−74,9, ΔfH∘(COX2)=−393,5\Delta_{f}H^{\circ}(\ce{CO2})=-393{,}5Δf​H∘(COX2​)=−393,5, ΔfH∘(HX2O, l)=−285,8 kJ/mol\Delta_{f}H^{\circ}(\ce{H2O,l})=-285{,}8\,\text{kJ/mol}Δf​H∘(HX2​O,l)=−285,8kJ/mol.

  1. 01Hess-Satz

    ΔRH=∑HProdukte∘−∑HEdukte∘\Delta_{R}H = \sum H_{\text{Produkte}}^{\circ} - \sum H_{\text{Edukte}}^{\circ}ΔR​H=∑HProdukte∘​−∑HEdukte∘​.

  2. 02Produktseite

    −393,5+2⋅(−285,8)=−965,1 kJ/mol-393{,}5 + 2\cdot(-285{,}8) = -965{,}1\,\text{kJ/mol}−393,5+2⋅(−285,8)=−965,1kJ/mol.

  3. 03Eduktseite

    −74,9+2⋅0=−74,9 kJ/mol-74{,}9 + 2\cdot 0 = -74{,}9\,\text{kJ/mol}−74,9+2⋅0=−74,9kJ/mol (ΔfH∘\Delta_{f}H^{\circ}Δf​H∘ Elementarstoffe = 0).

  4. 04Differenz

    ΔRH=−965,1−(−74,9)=−890,2 kJ/mol\Delta_{R}H = -965{,}1 - (-74{,}9) = -890{,}2\,\text{kJ/mol}ΔR​H=−965,1−(−74,9)=−890,2kJ/mol.

Ergebnis: Stark exotherm: ΔRH≈−890 kJ/mol\Delta_{R}H\approx -890\,\text{kJ/mol}ΔR​H≈−890kJ/mol - das ist der Heizwert von Methan (Erdgas).

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Stell dir die Reaktion als Berg- und Talwanderung der Energie vor - Enthalpie ist der Höhenunterschied.

    Reaktionsenergiediagramm mit/ohne Katalysator

    Reaktionsenergiediagramm mit/ohne KatalysatorEnergiediagramm, 2 Zustände, Aktivierungsenergie Eₐ = 80, Reaktionsenthalpie ΔH = -15ohne Katalysatormit KatalysatorEaΔHEdukteÜbergangszustandProdukteEReaktionsverlauf
    Abb.Aktivierungsenergie EAE_{A}EA​ sinkt durch Katalysator, ΔH\Delta HΔH bleibt gleich.
  2. 2

    Entropie ist das Maß der Unordnung; mehr freie Teilchen heißt höhere Entropie.

  3. 3

    Gibbs verbindet beides: ΔG<0\Delta G<0ΔG<0 heißt freiwillig, ΔG>0\Delta G>0ΔG>0 nicht.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank4 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere am Beispiel des Schmelzens von Eis, wie Enthalpie und Entropie zusammenwirken, um die Temperaturabhängigkeit der Triebkraft zu erklären.

Maturafokus

  • Wende den Hesschen Satz mit tabellierten Bildungsenthalpien sicher an (Produkte minus Edukte).
  • Schätze die Vorzeichen von Enthalpie und Entropie qualitativ ab, bevor du rechnest.
  • Argumentiere immer über die Gibbs-Energie: "freiwillig, weil Delta G kleiner null, da ...".
  • Erkläre, warum eine endotherme Reaktion bei hoher Temperatur freiwillig werden kann.
  • Lies Delta H im Energieprofil als Höhenunterschied zwischen Edukten und Produkten ab.

Typische Fehler

  • Das Vorzeichen von Delta H wird verwechselt - positiv heißt aufgenommen, nicht abgegeben.
  • Die Standardbildungsenthalpie von Elementen wird nicht als null angesetzt.
  • Entropie wird auf einzelne Moleküle statt auf das System bezogen.
  • Aktivierungsenergie und Reaktionsenthalpie werden im Energieprofil verwechselt.
  • Delta G wird mit Delta H gleichgesetzt; der Term T mal Delta S fehlt.

§ 01

Aktive Wiederholung

Berechne ΔRH\Delta_{R}HΔR​H für die Reaktion 2 HX2+OX2→2 HX2O(l)\ce{2 H2 + O2 -> 2 H2O(l)}2HX2​+OX2​​2HX2​O(l) mit ΔfH∘(HX2O, l)=−285,8 kJ/mol\Delta_{f}H^{\circ}(\ce{H2O,l})=-285{,}8\,\text{kJ/mol}Δf​H∘(HX2​O,l)=−285,8kJ/mol.

Passende Aufgaben üben52 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e Kap. 16 Thermodynamics (OpenStax)

§ 02
§ 02

Reaktionsgeschwindigkeit, Aktivierungsenergie, Katalyse#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPCHE-En-4.2

Kernpunkte

Die Thermodynamik sagt, OB eine Reaktion freiwillig abläuft - die Kinetik sagt, WIE SCHNELL. Beides ist unabhängig: Die Umwandlung von Diamant in Graphit ist thermodynamisch freiwillig, aber so langsam, dass Diamanten praktisch ewig halten. Die Reaktionskinetik untersucht die Geschwindigkeit und die Faktoren, die sie steuern.
Die Reaktionsgeschwindigkeit vvv misst, wie schnell sich Konzentrationen ändern: v=−1ad[Edukt]dt=1bd[Produkt]dtv=-\dfrac{1}{a}\dfrac{d[\text{Edukt}]}{dt}=\dfrac{1}{b}\dfrac{d[\text{Produkt}]}{dt}v=−a1​dtd[Edukt]​=b1​dtd[Produkt]​, wobei die Koeffizienten a,ba,ba,b für ein einheitliches Maß sorgen. Typischerweise ist vvv zu Beginn am größten und nimmt ab, weil die Edukte verbraucht werden ().

Reaktion 1. Ordnung - Konzentrationsverlauf

Reaktion 1. Ordnung - KonzentrationsverlaufSchaubild von c(t) = c₀·e^(−k·t), y-Achsenabschnitt bei y = 1, fallend, im Bereich x von 0 bis 405101520253035400.20.40.60.81t½ ≈ 6,9 min (c = c₀/2)c(t) = c₀·e(−k·t)c / (mol/L)t / min
Abb. 3Exponentieller Abfall der Edukt-Konzentration: c(t) = c0 e^(-kt), k = 0,1 1/min.
Abb. 3 ↓
Wie vvv von den Konzentrationen abhängt, beschreibt das experimentell bestimmte Geschwindigkeitsgesetz v=k⋅[A]m[B]nv=k\cdot [A]^{m}[B]^{n}v=k⋅[A]m[B]n. Bei einer Reaktion 1. Ordnung gilt [A](t)=[A]0 e−kt[A](t)=[A]_{0}\,\mathrm{e}^{-kt}[A](t)=[A]0​e−kt, also ein exponentieller Abfall (); ihre Halbwertszeit t1/2=ln⁡2kt_{1/2}=\dfrac{\ln 2}{k}t1/2​=kln2​ ist - anders als oft vermutet - unabhängig von der Anfangskonzentration.
Damit Teilchen reagieren, müssen sie zusammenstoßen, dabei genügend Energie mitbringen und richtig orientiert sein. Die Mindestenergie ist die Aktivierungsenergie EAE_{A}EA​ - die Barriere zwischen Edukten und Produkten im Energieprofil (). Nur der Bruchteil der Teilchen rechts dieser Schwelle in der Maxwell-Boltzmann-Verteilung kann tatsächlich reagieren ().

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne Katalysator

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne KatalysatorEnergiediagramm, 2 Zustände, Aktivierungsenergie Eₐ = 80, Reaktionsenthalpie ΔH = -15ohne Katalysatormit KatalysatorEaΔHEdukteÜbergangszustandProdukteEReaktionsverlauf
Abb. 2Aktivierungsenergie EAE_{A}EA​ sinkt durch Katalysator, ΔH\Delta HΔH bleibt gleich.

Maxwell-Boltzmann-Verteilung (eine Temperatur)

Maxwell-Boltzmann-Verteilung (eine Temperatur)Schaubild von N(v), Nullstellen bei x = 0, Hochpunkt bei (2.828, 2.943), y-Achsenabschnitt bei y = 0, im Bereich x von 0 bis 102468100.511.522.53EA-SchwelleN(v)Anzahl Teilchen (rel.)v (relative Einheit)
Abb. 4Geschwindigkeitsverteilung der Teilchen; nur Teilchen rechts der Markierung überschreiten EA. Höhere Temperatur würde das Maximum nach rechts verschieben und den Anteil über EA vergrößern.
Abb. 2 ↓Abb. 4 ↓
Die Arrhenius-Gleichung k=A e−EA/RTk=A\,\mathrm{e}^{-E_{A}/RT}k=Ae−EA​/RT fasst die Temperaturabhängigkeit: Höhere Temperatur verschiebt die Maxwell-Boltzmann-Verteilung nach rechts, sodass exponentiell mehr Teilchen die Barriere überwinden (Faustregel: +10+10+10 K verdoppeln etwa die Geschwindigkeit). Entscheidend ist also weniger, dass die Teilchen „schneller" sind, sondern dass mehr von ihnen über genug Energie verfügen.
Ein Katalysator beschleunigt die Reaktion, indem er einen alternativen Reaktionsweg mit niedrigerer Aktivierungsenergie eröffnet (); er wird dabei nicht verbraucht. Wichtig für die Matura: Ein Katalysator verändert NUR die Geschwindigkeit, nicht die Lage des Gleichgewichts - er beschleunigt Hin- und Rückreaktion gleichermaßen. Man unterscheidet heterogene Katalyse (z. B. Platin im Abgaskatalysator), homogene (Säurekatalyse) und Enzyme als hochspezifische Biokatalysatoren.

Vokabeln

→ Kartei
  • ReaktionsgeschwindigkeitKonzentrationsänderung je Zeit, auf die Koeffizienten normiert.
  • AktivierungsenergieMindestenergie, die ein Stoß zum Reagieren braucht.
  • Arrhenius-Gleichungk = A mal e hoch minus EA durch RT.
  • Maxwell-Boltzmann-VerteilungVerteilung der Teilchenenergien bei gegebener Temperatur.
  • KatalysatorEröffnet einen Weg mit niedrigerer Aktivierungsenergie; wird nicht verbraucht.
  • ReaktionsordnungExperimentell bestimmter Exponent im Geschwindigkeitsgesetz.

Arrhenius-Gleichung (Reaktionsgeschwindigkeit)

k=A⋅e−EAR Tk = A\cdot\mathrm{e}^{-\tfrac{E_{A}}{R\,T}}k=A⋅e−RTEA​​

kkk ist die Geschwindigkeitskonstante, AAA der Frequenzfaktor (Stoßzahl mal Orientierungsfaktor), EAE_{A}EA​ die Aktivierungsenergie in J/mol, RRR die Gaskonstante und TTT die absolute Temperatur. Weil TTT im Exponenten steht, wirkt eine Temperaturerhöhung sehr stark - als Faustregel verdoppelt bis verdreifacht sich die Geschwindigkeit je 10 K.

Halbwertszeit für Reaktion 1. Ordnung

t1/2=ln⁡2kt_{1/2}=\dfrac{\ln 2}{k}t1/2​=kln2​

t1/2t_{1/2}t1/2​ ist die Zeit, in der die Hälfte des Ausgangsstoffs verbraucht ist, kkk die Geschwindigkeitskonstante in s−1\text{s}^{-1}s−1. Kennzeichnend für die erste Ordnung: Die Halbwertszeit hängt NICHT von der Anfangskonzentration ab - genau das unterscheidet sie von der zweiten Ordnung.

Konzentrations-Zeit-Gesetz, 1. Ordnung

[A](t)=[A]0 e−kt[A](t)=[A]_{0}\,\mathrm{e}^{-kt}[A](t)=[A]0​e−kt

[A](t)[A](t)[A](t) ist die Konzentration zur Zeit ttt, [A]0[A]_{0}[A]0​ die Anfangskonzentration (beide in mol/L), kkk die Geschwindigkeitskonstante in s−1\text{s}^{-1}s−1. Der Abfall ist exponentiell; logarithmiert man beide Seiten, ergibt die Auftragung von ln⁡[A]\ln[A]ln[A] gegen ttt eine Gerade mit der Steigung −k-k−k.

Musterbeispiel

Aktivierungsenergie aus Arrhenius-Werten

Eine Reaktion hat k(298 K)=1,0⋅10−3 1/sk(298\,\text{K})=1{,}0\cdot 10^{-3}\,\text{1/s}k(298K)=1,0⋅10−31/s und k(318 K)=5,0⋅10−3 1/sk(318\,\text{K})=5{,}0\cdot 10^{-3}\,\text{1/s}k(318K)=5,0⋅10−31/s. Bestimme EAE_{A}EA​.

  1. 01Verhältnis bilden

    ln⁡(k2/k1)=ln⁡5=1,609\ln(k_{2}/k_{1})=\ln 5=1{,}609ln(k2​/k1​)=ln5=1,609.

  2. 02Arrhenius umstellen

    ln⁡(k2/k1)=EAR(1T1−1T2)\ln(k_{2}/k_{1})=\dfrac{E_{A}}{R}\left(\dfrac{1}{T_{1}}-\dfrac{1}{T_{2}}\right)ln(k2​/k1​)=REA​​(T1​1​−T2​1​).

  3. 031/T-Differenz

    1/298−1/318=0,003356−0,003145=2,11⋅10−4 1/K1/298-1/318=0{,}003356-0{,}003145=2{,}11\cdot 10^{-4}\,\text{1/K}1/298−1/318=0,003356−0,003145=2,11⋅10−41/K.

  4. 04Lösen

    EA=R⋅ln⁡(k2/k1)(1/T1−1/T2)=8,314⋅1,6092,11⋅10−4≈63 400 J/molE_{A}=\dfrac{R\cdot \ln(k_{2}/k_{1})}{(1/T_{1}-1/T_{2})}=\dfrac{8{,}314\cdot 1{,}609}{2{,}11\cdot 10^{-4}}\approx 63\,400\,\text{J/mol}EA​=(1/T1​−1/T2​)R⋅ln(k2​/k1​)​=2,11⋅10−48,314⋅1,609​≈63400J/mol.

Ergebnis: EA≈63 kJ/molE_{A}\approx 63\,\text{kJ/mol}EA​≈63kJ/mol - moderater Wert, typisch für chemische Reaktionen in Lösung.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt von Konzentration, Temperatur und Katalysator ab.

  2. 2

    Arrhenius zeigt: Eine 10-Grad-Erhöhung verdoppelt etwa die Geschwindigkeit - das verschiebt die Maxwell-Boltzmann-Verteilung.

    Maxwell-Boltzmann-Verteilung (eine Temperatur)

    Maxwell-Boltzmann-Verteilung (eine Temperatur)Schaubild von N(v), Nullstellen bei x = 0, Hochpunkt bei (2.828, 2.943), y-Achsenabschnitt bei y = 0, im Bereich x von 0 bis 102468100.511.522.53EA-SchwelleN(v)Anzahl Teilchen (rel.)v (relative Einheit)
    Abb.Geschwindigkeitsverteilung der Teilchen; nur Teilchen rechts der Markierung überschreiten EA. Höhere Temperatur würde das Maximum nach rechts verschieben und den Anteil über EA vergrößern.
  3. 3

    Katalysatoren öffnen einen Alternativweg mit niedrigerer Barriere - sie verändern das Gleichgewicht aber nicht.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Erkläre am Beispiel des Drei-Wege-Katalysators in einem Auto die Wirkung eines Katalysators und nenne die wichtigsten Reaktionen.

Maturafokus

  • Halte Reaktionsordnung und Molekularität auseinander - die Ordnung ist experimentell bestimmt.
  • Lies im Arrhenius-Diagramm die Aktivierungsenergie aus der Steigung von ln k gegen 1/T ab.
  • Unterscheide heterogene, homogene und Enzymkatalyse an Beispielen.
  • Begründe die Temperaturabhängigkeit über die Maxwell-Boltzmann-Verteilung, nicht über "schnellere Teilchen".
  • Begründe, warum ein Katalysator die Gleichgewichtslage nicht verändert.

Typische Fehler

  • Der Katalysator verschiebt angeblich das Gleichgewicht - er beschleunigt nur die Annäherung.
  • Die Temperaturwirkung wird mit "schnelleren Teilchen" begründet statt mit dem Anteil über der Barriere.
  • Die Halbwertszeit einer Reaktion 1. Ordnung wird als konzentrationsabhängig angenommen.
  • Die Aktivierungsenergie wird mit der Reaktionsenthalpie verwechselt.
  • Das Geschwindigkeitsgesetz wird aus den Stöchiometriekoeffizienten abgelesen statt gemessen.

§ 02

Aktive Wiederholung

Eine Reaktion 1. Ordnung hat k=0,050 1/sk=0{,}050\,\text{1/s}k=0,0501/s. Wie lange dauert es, bis 90 % des Edukts umgesetzt sind?

Passende Aufgaben üben52 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e Kap. 12 Kinetics (OpenStax)

§ 03
§ 03

Chemisches Gleichgewicht und Le Chatelier#

~4 Min Lesezeit●●○StandardLPCHE-En-4.3

Kernpunkte

Viele Reaktionen laufen nicht vollständig ab, sondern enden in einem Gleichgewicht: Edukte und Produkte liegen nebeneinander vor, und die Mengen ändern sich nicht mehr. Das täuscht Stillstand vor - tatsächlich laufen Hin- und Rückreaktion ständig weiter, nur exakt gleich schnell (dynamisches Gleichgewicht, ).

Annäherung an das chemische Gleichgewicht

Annäherung an das chemische GleichgewichtSchaubild von c(Produkt), Nullstellen bei x = 0, y-Achsenabschnitt bei y = 0, steigend, im Bereich x von 0 bis 10, waagerechte Asymptote bei y = 0.82468100.10.20.30.40.50.60.70.80.9Gleichgewichtc(Produkt)c(Produkt) / (mol/L)t (rel. Einheit)
Abb. 5Die Produktkonzentration steigt zunächst rasch und nähert sich dann einem konstanten Wert - Hin- und Rückreaktion laufen weiter, aber gleich schnell.
Abb. 5 ↓
Quantitativ beschreibt das Massenwirkungsgesetz die Lage: Für a A+b B⇌c C+d D\ce{aA + bB <=> cC + dD}aA+bB​cC+dD ist die Gleichgewichtskonstante Kc=[C]c[D]d[A]a[B]bK_{c}=\dfrac{[C]^{c}[D]^{d}}{[A]^{a}[B]^{b}}Kc​=[A]a[B]b[C]c[D]d​, wobei die Koeffizienten als Exponenten erscheinen. Ein großes KcK_{c}Kc​ bedeutet, dass das Gleichgewicht auf der Produktseite liegt, ein kleines auf der Eduktseite.
Die Gleichgewichtskonstante hängt allein von der Temperatur ab - nicht von den Ausgangskonzentrationen, nicht vom Druck und auch nicht von einem Katalysator. Reine Feststoffe und reine Flüssigkeiten erscheinen nicht im Massenwirkungsgesetz, weil ihre „Konzentration" (Aktivität) konstant gleich 1 ist.
Wie ein Gleichgewicht auf Störungen reagiert, sagt das Prinzip von Le Chatelier (Prinzip des kleinsten Zwangs) voraus: Eine Störung verschiebt das Gleichgewicht stets so, dass sie abgemildert wird. Das System „wehrt sich" gegen die Veränderung - eine anschauliche und prüfungssichere Argumentationshilfe.
Daraus folgen konkrete Regeln: Erhöht man die Konzentration eines Edukts, verschiebt sich das Gleichgewicht zur Produktseite; erhöht man den Druck (nur bei Gasen relevant), weicht es zur Seite mit weniger Gasmolekülen aus; erhöht man die Temperatur, wird die endotherme Richtung begünstigt. Bei einer exothermen Reaktion sinkt KKK also mit steigender Temperatur.
Diese Steuerbarkeit nutzt die Technik gezielt zur Ausbeuteoptimierung: Man bietet ein Edukt im Überschuss an oder entzieht das Produkt laufend (etwa durch Auskondensieren oder ein Trockenmittel). So lässt sich selbst eine ungünstige Gleichgewichtslage praktisch nutzen - das klassische Beispiel ist die Ammoniaksynthese (Haber-Bosch).

Vokabeln

→ Kartei
  • Dynamisches GleichgewichtHin- und Rückreaktion laufen gleich schnell weiter.
  • MassenwirkungsgesetzKc als Quotient der Konzentrationen mit Koeffizienten als Exponenten.
  • Le ChatelierPrinzip des kleinsten Zwangs: die Störung wird abgemildert.
  • AktivitätWirksame Konzentration; für reine Fest- und Flüssigstoffe gleich eins.
  • AusbeuteoptimierungÜberschuss eines Edukts oder Entzug des Produkts.
  • Haber-Bosch-VerfahrenAmmoniaksynthese; Musterfall der Gleichgewichtssteuerung.

Massenwirkungsgesetz (Konzentrationen im Gleichgewicht)

Kc=∏[Produkte]ν∏[Edukte]νK_{c}=\dfrac{\prod[\text{Produkte}]^{\nu}}{\prod[\text{Edukte}]^{\nu}}Kc​=∏[Edukte]ν∏[Produkte]ν​

KcK_{c}Kc​ ist die Gleichgewichtskonstante, [  ][\;][] bezeichnet Gleichgewichtskonzentrationen in mol/L und ν\nuν die Koeffizienten aus der ausgeglichenen Gleichung, die als Exponenten auftreten. Reine Feststoffe und das Lösungsmittel erscheinen nicht im Term; KcK_{c}Kc​ gilt für eine bestimmte Temperatur und ändert sich nur mit ihr.

Umrechnung Kp und Kc für Gasreaktionen

Kp=Kc⋅(R T)ΔnGasK_{p}=K_{c}\cdot (R\,T)^{\Delta n_{\text{Gas}}}Kp​=Kc​⋅(RT)ΔnGas​

KpK_{p}Kp​ arbeitet mit Partialdrücken, KcK_{c}Kc​ mit Konzentrationen; RRR ist die Gaskonstante, TTT die absolute Temperatur und ΔnGas\Delta n_{\text{Gas}}ΔnGas​ die Differenz der Koeffizienten gasförmiger Produkte und Edukte. Bleibt die Teilchenzahl gleich (Δn=0\Delta n=0Δn=0), sind beide Konstanten zahlengleich.

Musterbeispiel

Gleichgewichtskonzentrationen ausrechnen

Für HX2+IX2⇌2 HI\ce{H2 + I2 <=> 2 HI}HX2​+IX2​​2HI ist Kc=54,3K_{c}=54{,}3Kc​=54,3 bei 700 K. Es werden je 1,00 mol H2 und I2 in einem 1,00-L-Gefaess eingeführt. Welche Konzentrationen liegen im Gleichgewicht vor?

  1. 01Ansatz

    Sei xxx die umgesetzte Stoffmenge. Dann [HX2]=[IX2]=1−x[\ce{H2}]=[\ce{I2}]=1-x[HX2​]=[IX2​]=1−x, [HI]=2x[\ce{HI}]=2x[HI]=2x.

  2. 02MWG

    Kc=(2x)2(1−x)2=54,3K_{c}=\dfrac{(2x)^{2}}{(1-x)^{2}}=54{,}3Kc​=(1−x)2(2x)2​=54,3.

  3. 03Wurzel ziehen

    2x1−x=54,3≈7,37\dfrac{2x}{1-x}=\sqrt{54{,}3}\approx 7{,}371−x2x​=54,3​≈7,37.

  4. 04Auflösen

    2x=7,37(1−x)⇒x=7,379,37≈0,7872x=7{,}37(1-x)\Rightarrow x=\dfrac{7{,}37}{9{,}37}\approx 0{,}7872x=7,37(1−x)⇒x=9,377,37​≈0,787.

  5. 05Konzentrationen

    [HX2]=[IX2]=0,213 mol/L[\ce{H2}]=[\ce{I2}]=0{,}213\,\text{mol/L}[HX2​]=[IX2​]=0,213mol/L, [HI]=1,574 mol/L[\ce{HI}]=1{,}574\,\text{mol/L}[HI]=1,574mol/L.

Ergebnis: Im Gleichgewicht überwiegt HI\ce{HI}HI deutlich - Kc≫1K_{c}\gg 1Kc​≫1 heißt Produkte begunstigt.

Schritt-für-Schritt Erklärung3 Schritte
  1. 1

    Im Gleichgewicht ist nichts statisch - Hin- und Rückreaktion laufen weiter, nur die Konzentrationen ändern sich nicht mehr.

  2. 2

    Le Chatelier ist eine Stoerungs-Bewältigung: wenn du Edukt zugibst, wird neues Produkt gebildet.

  3. 3

    In der Industrie steuern Druck, Temperatur und Stoffströme das Gleichgewicht, um Ausbeute zu maximieren.

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank5 Punkte

Aufgabenstellung

Erläutere am Beispiel des Haber-Bosch-Verfahrens, wie Le Chateliers Prinzip und Reaktionskinetik gegeneinander abgewogen werden.

Maturafokus

  • Stelle das Massenwirkungsgesetz mit den Koeffizienten als Exponenten auf.
  • Begründe jede Le-Chatelier-Vorhersage, statt sie nur zu behaupten.
  • Beachte die Druckabhängigkeit nur bei Gasen; in Lösung ist sie praktisch null.
  • Leite die Temperaturwirkung aus dem Vorzeichen von Delta H ab.
  • Erkläre an der Ammoniaksynthese, wie ein ungünstiges Gleichgewicht technisch genutzt wird.

Typische Fehler

  • Feststoffe werden in Kc eingerechnet, obwohl ihre Aktivität konstant eins ist.
  • Der Katalysator verschiebt angeblich das Gleichgewicht.
  • Temperaturerhöhung verschiebt angeblich immer zu den Produkten - es hängt vom Vorzeichen von Delta H ab.
  • Die Druckregel wird auf Reaktionen in Lösung angewandt.
  • Das dynamische Gleichgewicht wird als Stillstand beschrieben statt als gleiche Geschwindigkeit beider Richtungen.

§ 03

Aktive Wiederholung

Wie verschiebt sich das Gleichgewicht NX2+3 HX2⇌2 NHX3 (ΔH<0)\ce{N2 + 3 H2 <=> 2 NH3 (\Delta H<0)}NX2​+3HX2​​2NHX3​ (ΔH<0) bei (a) Druckerhöhung, (b) Temperaturerhöhung, (c) NH3-Entfernung?

Passende Aufgaben üben52 Fragen zum Thema→

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e Kap. 13 Equilibria (OpenStax)

§ 04
§ 04

Hesscher Satz und Standardbildungsenthalpien#

~3 Min Lesezeit●●●VertiefungLPCHE-En-4.1

Kernpunkte

Der Hessche Satz ist die Rechenregel, die aus wenigen Tabellenwerten fast jede Reaktionsenthalpie zugänglich macht. Er folgt unmittelbar daraus, dass die Enthalpie eine Zustandsgröße ist: Die Reaktionsenthalpie hängt nur von Anfangs- und Endzustand ab, nicht vom Weg dazwischen. zeigt dieses Anfangs- und Endniveau im Energieprofil.

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne Katalysator

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne KatalysatorEnergiediagramm, 2 Zustände, Aktivierungsenergie Eₐ = 80, Reaktionsenthalpie ΔH = -15ohne Katalysatormit KatalysatorEaΔHEdukteÜbergangszustandProdukteEReaktionsverlauf
Abb. 6Aktivierungsenergie EAE_{A}EA​ sinkt durch Katalysator, ΔH\Delta HΔH bleibt gleich.
Abb. 6 ↓
Praktisch heißt das, dass sich Reaktionen wie Gleichungen behandeln lassen: Addiert man Teilreaktionen, addieren sich ihre Enthalpien; multipliziert man eine Teilreaktion mit einem Faktor, wird auch ihre Enthalpie multipliziert; kehrt man eine Reaktion um, kehrt sich das Vorzeichen ihrer Enthalpie um. Das Umkehren ohne Vorzeichenwechsel ist der häufigste Fehler dieses Verfahrens.
Die Standardbildungsenthalpie ist die Enthalpieänderung bei der Bildung von einem Mol einer Verbindung aus den Elementen in ihrer stabilsten Form unter Standardbedingungen. Der entscheidende Konventionspunkt: Für Elemente in ihrer Standardform — Sauerstoff als OX2\ce{O2}OX2​, Kohlenstoff als Graphit, Brom als Flüssigkeit — ist sie definitionsgemäß null. Damit existiert ein gemeinsamer Bezugspunkt für alle Verbindungen.
Daraus folgt die Formel, die in der Prüfung am häufigsten gebraucht wird: ΔrH∘=∑ΔfH∘(Produkte)−∑ΔfH∘(Edukte)\Delta_r H^\circ = \sum \Delta_f H^\circ(\text{Produkte}) - \sum \Delta_f H^\circ(\text{Edukte})Δr​H∘=∑Δf​H∘(Produkte)−∑Δf​H∘(Edukte), jeweils mit den Stöchiometriekoeffizienten gewichtet. Die beiden typischen Fehler liegen genau hier — vertauschte Reihenfolge (Edukte minus Produkte) und vergessene Koeffizienten.
Der eigentliche Nutzen zeigt sich bei Enthalpien, die sich nicht direkt messen lassen. Die Bildung von Kohlenstoffmonoxid aus Graphit und Sauerstoff etwa läuft nie sauber ab, weil immer auch Kohlenstoffdioxid entsteht. Über zwei gut messbare Verbrennungen — Graphit zu COX2\ce{CO2}COX2​ und CO\ce{CO}CO zu COX2\ce{CO2}COX2​ — liefert der Hessche Satz den gesuchten Wert als Differenz.
Die Vorzeichenkonvention bleibt durchgehend dieselbe: Ein negatives ΔH\Delta HΔH bedeutet exotherm, das System gibt Wärme an die Umgebung ab; ein positives bedeutet endotherm, das System nimmt Wärme auf. Diese Konvention ist aus Sicht des Systems formuliert — was für das System ein Verlust ist, ist für die Umgebung ein Gewinn, und das Vorzeichen folgt dem System.

Vokabeln

→ Kartei
  • Hesscher SatzDie Reaktionsenthalpie ist wegunabhängig.
  • Standardbedingungen1013 hPa und meist 298 K als Bezugszustand.
  • Stabilste FormDer Bezugszustand eines Elements (Graphit, O2, flüssiges Brom).
  • EnthalpiebilanzSumme Produkte minus Summe Edukte, koeffizientengewichtet.
  • TeilreaktionSchritt eines konstruierten Reaktionswegs.
  • VorzeichenkonventionAus Sicht des Systems: negativ heißt abgegeben.

Reaktionsenthalpie aus Bildungsenthalpien

ΔrH∘=∑νi ΔfHProd∘−∑νj ΔfHEdukt∘\Delta_r H^\circ = \sum \nu_i\,\Delta_f H^\circ_{\text{Prod}} - \sum \nu_j\,\Delta_f H^\circ_{\text{Edukt}}Δr​H∘=∑νi​Δf​HProd∘​−∑νj​Δf​HEdukt∘​

ΔfH∘\Delta_f H^\circΔf​H∘ ist die Standardbildungsenthalpie, also die Enthalpie der Bildung eines Mols der Verbindung aus den Elementen in ihrer stabilsten Form; ν\nuν sind die Koeffizienten. Für Elemente in ihrer Standardform ist ΔfH∘=0\Delta_f H^\circ = 0Δf​H∘=0 - das ist die Konvention, aus der die ganze Tabelle lebt.

Musterbeispiel

Verbrennungsenthalpie von Methan berechnen

Berechne ΔrH∘\Delta_r H^\circΔr​H∘ für CHX4+2 OX2→COX2+2 HX2O\ce{CH4 + 2 O2 -> CO2 + 2 H2O}CHX4​+2OX2​​COX2​+2HX2​O mit ΔfH∘\Delta_f H^\circΔf​H∘: CHX4=−74,9\ce{CH4}=-74{,}9CHX4​=−74,9; COX2=−393,5\ce{CO2}=-393{,}5COX2​=−393,5; HX2O=−285,8\ce{H2O}=-285{,}8HX2​O=−285,8 kJ/mol; OX2=0\ce{O2}=0OX2​=0.

  1. 01Produkte summieren

    ΔfH∘(COX2)+2⋅ΔfH∘(HX2O)=−393,5+2⋅(−285,8)=−965,1 kJ\Delta_f H^\circ(\ce{CO2}) + 2 \cdot \Delta_f H^\circ(\ce{H2O}) = -393{,}5 + 2\cdot(-285{,}8) = -965{,}1\,\text{kJ}Δf​H∘(COX2​)+2⋅Δf​H∘(HX2​O)=−393,5+2⋅(−285,8)=−965,1kJ.

  2. 02Edukte summieren

    ΔfH∘(CHX4)+2⋅0=−74,9 kJ\Delta_f H^\circ(\ce{CH4}) + 2 \cdot 0 = -74{,}9\,\text{kJ}Δf​H∘(CHX4​)+2⋅0=−74,9kJ.

  3. 03Bilanz bilden

    ΔrH∘=−965,1−(−74,9)=−890,2 kJ/mol\Delta_r H^\circ = -965{,}1 - (-74{,}9) = -890{,}2\,\text{kJ/mol}Δr​H∘=−965,1−(−74,9)=−890,2kJ/mol.

  4. 04Interpretieren

    Das stark negative ΔH\Delta HΔH zeigt eine deutlich exotherme Reaktion - Methan ist ein energiereicher Brennstoff. Bezug: Thema "Umweltchemie" (COX2\ce{CO2}COX2​-Bilanz).

Ergebnis: ΔrH∘≈−890 kJ/mol\Delta_r H^\circ \approx -890\,\text{kJ/mol}Δr​H∘≈−890kJ/mol, stark exotherm. Querverweis zum Thema "Umwelt- und Atmosphärenchemie".

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Berechne die Standardbildungsenthalpie von Kohlenstoffmonoxid CO\ce{CO}CO mit dem Hesschen Satz aus C+OX2→COX2\ce{C + O2 -> CO2}C+OX2​​COX2​ (ΔH=−393,5\Delta H=-393{,}5ΔH=−393,5 kJ/mol) und CO+12 OX2→COX2\ce{CO + 1/2 O2 -> CO2}CO+21​OX2​​COX2​ (ΔH=−283,0\Delta H=-283{,}0ΔH=−283,0 kJ/mol).

Maturafokus

  • Berechne die Reaktionsenthalpie aus tabellierten Bildungsenthalpien mit korrekter Produkte-minus-Edukte-Bilanz.
  • Wende den Hesschen Satz an, indem du Teilreaktionen addierst und die Vorzeichen anpasst.
  • Begründe die Wegunabhängigkeit über die Eigenschaft der Enthalpie als Zustandsgröße.
  • Interpretiere das Vorzeichen energetisch im Sachkontext (exotherm oder endotherm).
  • Bestimme eine nicht direkt messbare Enthalpie über zwei messbare Verbrennungen.

Typische Fehler

  • Edukte und Produkte werden in der Bilanz vertauscht - ein reiner Vorzeichenfehler.
  • Die Koeffizienten der Reaktionsgleichung werden bei der Gewichtung vergessen.
  • Beim Umkehren einer Teilreaktion wird das Vorzeichen von Delta H nicht angepasst.
  • Die Bildungsenthalpie eines Elements in Standardform wird nicht als null erkannt.
  • Die Standardform wird falsch gewählt (Diamant statt Graphit, atomarer statt molekularer Sauerstoff).

§ 04

Aktive Wiederholung

Berechne die Reaktionsenthalpie der Verbrennung von Methan CHX4+2 OX2→COX2+2 HX2O\ce{CH4 + 2 O2 -> CO2 + 2 H2O}CHX4​+2OX2​​COX2​+2HX2​O aus den Bildungsenthalpien ΔfH∘(CHX4)=−74,9\Delta_f H^\circ(\ce{CH4})=-74{,}9Δf​H∘(CHX4​)=−74,9, ΔfH∘(COX2)=−393,5\Delta_f H^\circ(\ce{CO2})=-393{,}5Δf​H∘(COX2​)=−393,5 und ΔfH∘(HX2O)=−285,8\Delta_f H^\circ(\ce{H2O})=-285{,}8Δf​H∘(HX2​O)=−285,8 kJ/mol.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e, Kap. 5 "Thermochemistry" (OpenStax)

§ 05
§ 05

Bindungsenergien und Reaktionswärme#

~3 Min Lesezeit●●○StandardLPCHE-En-4.1

Kernpunkte

Die Bindungsenergiebilanz ist der zweite Weg zur Reaktionsenthalpie und beruht auf einer einfachen Asymmetrie: Bindungen zu spalten kostet Energie (endotherm), Bindungen zu knüpfen setzt Energie frei (exotherm). zeigt den Energieunterschied zwischen Edukten und Produkten, den diese Bilanz erklärt.

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne Katalysator

Reaktionsenergiediagramm mit/ohne KatalysatorEnergiediagramm, 2 Zustände, Aktivierungsenergie Eₐ = 80, Reaktionsenthalpie ΔH = -15ohne Katalysatormit KatalysatorEaΔHEdukteÜbergangszustandProdukteEReaktionsverlauf
Abb. 7Aktivierungsenergie EAE_{A}EA​ sinkt durch Katalysator, ΔH\Delta HΔH bleibt gleich.
Abb. 7 ↓
Daraus folgt die Näherungsformel ΔrH≈∑E(gespaltene Bindungen)−∑E(gebildete Bindungen)\Delta_r H \approx \sum E(\text{gespaltene Bindungen}) - \sum E(\text{gebildete Bindungen})Δr​H≈∑E(gespaltene Bindungen)−∑E(gebildete Bindungen). Das Vorzeichenmuster ist die häufigste Fehlerquelle: Die gespaltenen Bindungen stehen mit PLUS in der Bilanz, weil ihre Spaltung Energie kostet, die gebildeten mit MINUS, weil ihre Bildung Energie liefert.
Eine Reaktion ist demnach exotherm, wenn die in den Produkten geknüpften Bindungen stärker sind als die in den Edukten gespaltenen — anders gesagt, wenn das System in einen energieärmeren Bindungszustand übergeht. Das ist die anschaulichste Erklärung dafür, warum Verbrennungen so viel Energie liefern: Die C=O\ce{C=O}C=O- und O−H\ce{O-H}O−H-Bindungen der Produkte sind sehr stark.
Die Bilanz liefert allerdings nur Näherungswerte, und der Grund ist wichtig: Tabellierte Bindungsenergien sind MITTLERE Werte, gemittelt über viele verschiedene Moleküle. Die Energie einer C−H\ce{C-H}C−H-Bindung ist in Methan eine andere als in Toluol. Für exakte Werte greift man deshalb auf Bildungsenthalpien zurück; die Bindungsbilanz ist die Abschätzung, wenn Tabellenwerte fehlen.
Die Bindungsenergie steigt mit der Bindungsordnung: Dreifachbindung über Doppelbindung über Einfachbindung. Der Extremfall ist die Stickstoff-Dreifachbindung mit etwa 945 kJ pro Mol — der höchste Wert unter den gängigen Bindungen. Ein häufiger Fehler ist, Mehrfachbindungen beim Zählen wie Einfachbindungen zu behandeln.
Genau diese Stabilität erklärt zwei bedeutsame Befunde: Luftstickstoff ist trotz seiner Häufigkeit chemisch träge, und die technische Ammoniaksynthese braucht hohen Druck, hohe Temperatur und einen Katalysator, um die Dreifachbindung überhaupt aufzubrechen. Eine Zahl aus der Bindungstabelle erklärt damit ein industrielles Verfahren und zugleich die Grundlage der Welternährung.

Vokabeln

→ Kartei
  • BindungsenergieEnergie zum homolytischen Spalten einer Bindung.
  • Mittlere BindungsenergieÜber viele Moleküle gemittelter Tabellenwert.
  • BindungsordnungZahl der Bindungen zwischen zwei Atomen.
  • HomolyseSymmetrische Bindungsspaltung in zwei Radikale.
  • BindungsbilanzSumme gespaltener minus Summe gebildeter Bindungsenergien.
  • Kinetische TrägheitReaktionsunwilligkeit trotz thermodynamischer Triebkraft.

Reaktionsenthalpie aus Bindungsenergien

ΔrH≈∑Egespalten−∑Egebildet\Delta_r H \approx \sum E_{\text{gespalten}} - \sum E_{\text{gebildet}}Δr​H≈∑Egespalten​−∑Egebildet​

EgespaltenE_{\text{gespalten}}Egespalten​ sind die Bindungsenergien aller gebrochenen, EgebildetE_{\text{gebildet}}Egebildet​ die aller neu geknüpften Bindungen in kJ/mol. Das Ergebnis ist eine NÄHERUNG, weil tabellierte Bindungsenergien Mittelwerte über viele Moleküle sind; es gilt außerdem nur für Reaktionen in der Gasphase.

Musterbeispiel

Reaktionsenthalpie aus Bindungsenergien

Berechne ΔrH\Delta_r HΔr​H für HX2+ClX2→2 HCl\ce{H2 + Cl2 -> 2 HCl}HX2​+ClX2​​2HCl mit E(H−H)=436E(\ce{H-H})=436E(H−H)=436, E(Cl−Cl)=243E(\ce{Cl-Cl})=243E(Cl−Cl)=243, E(H−Cl)=431E(\ce{H-Cl})=431E(H−Cl)=431 kJ/mol.

  1. 01Gespaltene Bindungen

    1 H−H\ce{H-H}H−H + 1 Cl−Cl\ce{Cl-Cl}Cl−Cl =436+243=679 kJ= 436 + 243 = 679\,\text{kJ}=436+243=679kJ.

  2. 02Gebildete Bindungen

    2 H−Cl\ce{H-Cl}H−Cl =2⋅431=862 kJ= 2 \cdot 431 = 862\,\text{kJ}=2⋅431=862kJ.

  3. 03Bilanz

    ΔrH≈679−862=−183 kJ/mol\Delta_r H \approx 679 - 862 = -183\,\text{kJ/mol}Δr​H≈679−862=−183kJ/mol.

  4. 04Interpretieren

    Negatives Ergebnis -> exotherm; die zwei H-Cl-Bindungen sind energetisch günstiger als die gespaltenen Edukt-Bindungen.

Ergebnis: ΔrH≈−183 kJ/mol\Delta_r H \approx -183\,\text{kJ/mol}Δr​H≈−183kJ/mol, exotherm. Näherung über mittlere Bindungsenergien; vgl. Thema "Reaktionskinetik" (Aktivierungsenergie steuert das Tempo).

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Schätze die Reaktionsenthalpie der Hydrierung von Ethen CX2HX4+HX2→CX2HX6\ce{C2H4 + H2 -> C2H6}CX2​HX4​+HX2​​CX2​HX6​ über Bindungsenergien ab: E(C=C)=614E(\ce{C=C})=614E(C=C)=614, E(C−C)=348E(\ce{C-C})=348E(C−C)=348, E(C−H)=413E(\ce{C-H})=413E(C−H)=413, E(H−H)=436E(\ce{H-H})=436E(H−H)=436 kJ/mol.

Maturafokus

  • Berechne eine Näherung der Reaktionsenthalpie über Bindungsenergien (gespalten minus gebildet).
  • Begründe exotherm oder endotherm über die relative Bindungsstärke von Edukten und Produkten.
  • Vergleiche die Bindungsenergiebilanz mit dem Bildungsenthalpieverfahren und benenne die Genauigkeitsgrenze.
  • Zähle die gespaltenen und gebildeten Bindungen stöchiometrisch korrekt aus der Strukturformel.
  • Verknüpfe Bindungsordnung und Bindungsenergie am Beispiel der Stickstoff-Dreifachbindung.

Typische Fehler

  • Die Vorzeichen werden vertauscht - Spaltung kostet Energie (plus), Bildung setzt frei (minus).
  • Die Näherungsformel wird als exakt behandelt, obwohl mittlere Bindungsenergien eingehen.
  • Die Zahl der gespaltenen und gebildeten Bindungen wird nicht stöchiometrisch korrekt gezählt.
  • Mehrfachbindungen werden wie Einfachbindungen gezählt.
  • Die Bilanz wird an einer nicht ausgeglichenen Reaktionsgleichung aufgestellt.

§ 05

Aktive Wiederholung

Berechne näherungsweise die Reaktionsenthalpie von HX2+ClX2→2 HCl\ce{H2 + Cl2 -> 2 HCl}HX2​+ClX2​​2HCl aus den Bindungsenergien E(H−H)=436E(\ce{H-H})=436E(H−H)=436, E(Cl−Cl)=243E(\ce{Cl-Cl})=243E(Cl−Cl)=243 und E(H−Cl)=431E(\ce{H-Cl})=431E(H−Cl)=431 kJ/mol.

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Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e, Kap. 7 "Strengths of Ionic and Covalent Bonds" (OpenStax)

§ 06
§ 06

Massenwirkungsgesetz und Gleichgewichtskonstante#

~3 Min Lesezeit●●●VertiefungLPCHE-En-4.3

Kernpunkte

Das Massenwirkungsgesetz beschreibt die Lage eines Gleichgewichts quantitativ. Voraussetzung ist das dynamische Gleichgewicht: Hin- und Rückreaktion laufen gleich schnell weiter, sodass die Konzentrationen makroskopisch konstant bleiben — Stillstand ist es nicht, nur Ausgeglichenheit.
Für die Reaktion a A+b B⇌c C+d D\ce{aA + bB <=> cC + dD}aA+bB​cC+dD gilt Kc=[C]c [D]d[A]a [B]bK_c = \dfrac{[C]^c\,[D]^d}{[A]^a\,[B]^b}Kc​=[A]a[B]b[C]c[D]d​: Produkte in den Zähler, Edukte in den Nenner, die Stöchiometriekoeffizienten als Exponenten. Die Koeffizienten NICHT als Exponenten zu setzen ist der häufigste Formfehler; als Faktoren wären sie schlicht falsch.
Der Zahlenwert ist unmittelbar interpretierbar: Ein KcK_cKc​ weit über eins bedeutet, dass das Gleichgewicht auf der Produktseite liegt, ein KcK_cKc​ weit unter eins, dass es auf der Eduktseite liegt. Ein KcK_cKc​ in der Größenordnung eins beschreibt ein Gleichgewicht, in dem beide Seiten in vergleichbarer Menge vorliegen.
Reine Feststoffe und reine Flüssigkeiten erscheinen nicht im Massenwirkungsgesetz, weil ihre Aktivität definitionsgemäß eins ist — ihre „Konzentration" ändert sich nicht, solange überhaupt etwas davon vorhanden ist. Beim Kalkbrennen CaCOX3⇌CaO+COX2\ce{CaCO3 <=> CaO + CO2}CaCOX3​​CaO+COX2​ bleibt deshalb nur Kc=[COX2]K_c = [\ce{CO2}]Kc​=[COX2​] übrig, was zunächst überrascht und in der Prüfung regelmäßig geprüft wird.
Die Gleichgewichtskonstante hängt ausschließlich von der Temperatur ab — nicht von den Ausgangskonzentrationen, nicht vom Druck und nicht von einem Katalysator. Der Katalysator beschleunigt lediglich, wie schnell das Gleichgewicht erreicht wird; wo es liegt, ändert er nicht. Diese Unterscheidung zwischen Lage und Einstellgeschwindigkeit ist der Kern des Themas.
Der Reaktionsquotient QQQ hat dieselbe Form wie KcK_cKc​, wird aber mit beliebigen Momentankonzentrationen gebildet, und der Vergleich sagt die Richtung voraus: Q<KQ < KQ<K heißt, die Reaktion läuft noch vorwärts, Q>KQ > KQ>K rückwärts, Q=KQ = KQ=K bedeutet Gleichgewicht. Für Gasgleichgewichte ist statt KcK_cKc​ die Druckkonstante KpK_pKp​ üblich, umgerechnet über Kp=Kc (RT)ΔnK_p = K_c\,(RT)^{\Delta n}Kp​=Kc​(RT)Δn mit Δn\Delta nΔn als Änderung der Gasteilchenzahl.

Vokabeln

→ Kartei
  • GleichgewichtskonstanteKc; hängt allein von der Temperatur ab.
  • ReaktionsquotientQ; gleiche Form wie Kc, aber mit Momentankonzentrationen.
  • AktivitätWirksame Konzentration; für reine Fest- und Flüssigstoffe eins.
  • KpGleichgewichtskonstante mit Partialdrücken für Gasgleichgewichte.
  • Delta nÄnderung der Gasteilchenzahl; Exponent bei der Kp-Kc-Umrechnung.
  • EinstellgeschwindigkeitWie schnell das Gleichgewicht erreicht wird; vom Katalysator beeinflusst.

MWG der Ammoniaksynthese

Kc=[NHX3]2[NX2] [HX2]3K_c = \frac{[\ce{NH3}]^2}{[\ce{N2}]\,[\ce{H2}]^3}Kc​=[NX2​][HX2​]3[NHX3​]2​

Die Koeffizienten der Gleichung NX2+3 HX2⇌2 NHX3\ce{N2 + 3 H2 <=> 2 NH3}NX2​+3HX2​​2NHX3​ werden zu Exponenten: Ammoniak zum Quadrat im Zähler, Wasserstoff in der dritten Potenz im Nenner. Alle Konzentrationen sind Gleichgewichtskonzentrationen in mol/L.

Musterbeispiel

Gleichgewichtskonstante berechnen

Berechne KcK_cKc​ für NX2+3 HX2⇌2 NHX3\ce{N2 + 3 H2 <=> 2 NH3}NX2​+3HX2​​2NHX3​ bei [NX2]=0,50[\ce{N2}]=0{,}50[NX2​]=0,50, [HX2]=1,0[\ce{H2}]=1{,}0[HX2​]=1,0, [NHX3]=0,40[\ce{NH3}]=0{,}40[NHX3​]=0,40 mol/L.

  1. 01MWG aufstellen

    Kc=[NHX3]2[NX2] [HX2]3K_c = \dfrac{[\ce{NH3}]^2}{[\ce{N2}]\,[\ce{H2}]^3}Kc​=[NX2​][HX2​]3[NHX3​]2​.

  2. 02Werte einsetzen

    Kc=(0,40)20,50⋅(1,0)3=0,160,50K_c = \dfrac{(0{,}40)^2}{0{,}50 \cdot (1{,}0)^3} = \dfrac{0{,}16}{0{,}50}Kc​=0,50⋅(1,0)3(0,40)2​=0,500,16​.

  3. 03Auswerten

    Kc=0,32  (mol/L)−2K_c = 0{,}32\;\text{(mol/L)}^{-2}Kc​=0,32(mol/L)−2.

  4. 04Interpretieren

    Kc<1K_c < 1Kc​<1 deutet darauf hin, dass unter diesen Bedingungen das Gleichgewicht mäßig auf der Eduktseite liegt - Bezug zum Thema "Anorganische Anwendungschemie" (Druckverschiebung bei Haber-Bosch).

Ergebnis: Kc=0,32  (mol/L)−2K_c = 0{,}32\;(\text{mol/L})^{-2}Kc​=0,32(mol/L)−2. Die Lage zeigt, warum Haber-Bosch hohen Druck nutzt (Le Chatelier).

SRDP-Aufgaben

SelbsttestAus der Fragenbank3 Punkte

Aufgabenstellung

Für HX2+IX2⇌2 HI\ce{H2 + I2 <=> 2 HI}HX2​+IX2​​2HI ist Kc=50K_c=50Kc​=50. Momentan liegen [HX2]=[IX2]=0,20[\ce{H2}]=[\ce{I2}]=0{,}20[HX2​]=[IX2​]=0,20 und [HI]=0,20 molL[\ce{HI}]=0{,}20\,\tfrac{\text{mol}}{\text{L}}[HI]=0,20Lmol​ vor. In welche Richtung läuft die Reaktion? Begründe mit dem Reaktionsquotienten.

Maturafokus

  • Stelle das Massenwirkungsgesetz für eine gegebene Reaktion mit Koeffizienten als Exponenten auf.
  • Berechne Kc aus Gleichgewichtskonzentrationen oder eine fehlende Konzentration aus Kc.
  • Vergleiche Q und K, um die Reaktionsrichtung vorherzusagen.
  • Begründe, warum reine Feststoffe und Flüssigkeiten nicht im Massenwirkungsgesetz auftauchen.
  • Unterscheide die Lage des Gleichgewichts von der Geschwindigkeit seiner Einstellung.

Typische Fehler

  • Die Koeffizienten werden nicht als Exponenten, sondern als Faktoren gesetzt.
  • Feststoffe und reine Flüssigkeiten werden fälschlich in das Massenwirkungsgesetz aufgenommen.
  • Kc wird als druck- oder konzentrationsabhängig angenommen; es hängt nur von der Temperatur ab.
  • Reaktionsquotient Q und Gleichgewichtskonstante K werden gleichgesetzt.
  • Produkte und Edukte werden in Zähler und Nenner vertauscht.

§ 06

Aktive Wiederholung

Stelle das Massenwirkungsgesetz für NX2+3 HX2⇌2 NHX3\ce{N2 + 3 H2 <=> 2 NH3}NX2​+3HX2​​2NHX3​ auf und berechne KcK_cKc​ aus den Gleichgewichtskonzentrationen [NX2]=0,50[\ce{N2}]=0{,}50[NX2​]=0,50, [HX2]=1,0[\ce{H2}]=1{,}0[HX2​]=1,0 und [NHX3]=0,40[\ce{NH3}]=0{,}40[NHX3​]=0,40 mol/L.

Passende Aufgaben üben52 Fragen zum Thema→

Aktiv abrufen

Erinnere dich an die Kernpunkte — dann aufdecken.

Quellen: OpenStax Chemistry 2e, Kap. 13 "Fundamental Equilibrium Concepts" (OpenStax)

Stand 06/2026 · Vollständige Fassung über den Tiefenregler — gleiche Stelle, gleiche Anker

Inhalt

Abschnitt -- / 06

    • 01Thermochemie: Enthalpie, Entropie, Gibbs-Energie◐
    • 02Reaktionsgeschwindigkeit, Aktivierungsenergie, Katalyse◐
    • 03Chemisches Gleichgewicht und Le Chatelier◐
    • 04Hesscher Satz und Standardbildungsenthalpien●
    • 05Bindungsenergien und Reaktionswärme◐
    • 06Massenwirkungsgesetz und Gleichgewichtskonstante●

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Aus den Notizen ins Training

Reaktionsenergetik, Kinetik und Gleichgewicht (CHE-En)

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Beispielfrage

Erläutere am Beispiel des Schmelzens von Eis, wie Enthalpie und Entropie zusammenwirken, um die Temperaturabhängigkeit der Triebkraft zu erklären.

4 BE · 2022

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Belege & Quellen

Quellen

OpenStax

  • OpenStax Chemistry 2e Kap. 16 Thermodynamics

Siehe auch

  • Stöchiometrie und Mol-Konzept (CHE-St)Jede Enthalpieangabe bezieht sich auf einen Formelumsatz und verlangt die Stoffmenge.
  • Anorganische Chemie und industrielle Prozesse (CHE-An)Haber-Bosch ist das Musterbeispiel für den Kompromiss zwischen Gleichgewichtslage und Reaktionsgeschwindigkeit.
  • Biochemie (CHE-Bio)Enzyme senken die Aktivierungsenergie - Kinetik in ihrer biologischen Form.

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